Forschungsschwerpunkt soziale Innovationen

Innovation als sozialer Prozess (Fachbereichsübergreifender Forschungsschwerpunkt an der JWG-Universität FFM; Anförderung durch Präsidium der Goethe-Universität))

Der fachbereichsübergreifende Forschungsschwerpunkt "Innovation als sozialer Prozess" entwickelt in Kooperation mit WissenschaftlerInnen anderer in- und ausländischer Universitäten und Forschungsinstitute eine dezidiert sozialwissenschaftliche Perspektive in der Erforschung von Innovationsprozessen. Das kollektive Handeln und Lernen bei der Genese und Verarbeitung von Innovation steht dabei im Mittelpunkt des Interesses. Es werden Aspekte von Innovationsprozessen erforscht, die in herkömmlichen Perspektiven unterbelichtet bleiben. Entgegen der in diesen Perspektiven explizit oder implizit enthaltenen Vorstellung, dass Innovationskonzepte von wissenschaftlichen Institutionen und dominanten Entscheidungsträgern, etwa Unternehmensleitungen und staatlichen Instanzen, in einer rein sachlichen Problembezogenheit entwickelt und dann in einem Top-down-Prozess kaskadenförmig und gleichsam unberührt umgesetzt werden, gehen die Forschungen im geplanten Schwerpunkt von den folgenden Überlegungen aus: Die Genese von Innovationskonzepten in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik ist auch von interessen- und machtpolitischen Aushandlungsprozessen bestimmt. Ebenso ist ihre Umsetzung immer ein kollektiver Aushandlungsprozess. Innovationsprozesse gehen auch von gesellschaftlichen Gruppen aus, die nicht zu den dominanten Entscheidungsträgern gehören, und die Erforschung dieser Bottom-up-Innovationen kann dazu beitragen, ihre all zu häufig übersehene gesellschaftspolitische Relevanz sichtbar (und damit auch förderbar) zu machen.

Der 1. fachbereichsübergreifende Wokshop fand im September 2005 statt. Eine weitere regionale Innovationskonferenz sowie die Durchführung eines internationales, interdisziplinären Forschungsprojekt ist vorgesehen. Mittelfristig wird die Gründung einer DFG-ForscherInnengruppe angestrebt.

Vgl. Antrag im Rahmen des JWG-Univ. Förderfonds „Raum – Wissen – Innovation! (u.a. mit Prof. Berndt; Prof. Schmid; Prof. Zapf - JWG)

Blättel-Mink, Birgit/Ebner, Alexander (Hrsg.; 2007) Innovationssysteme: Technologie, Institutionen und die Dynamik der Wettbewerbsfähigkeit. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften (Im Erscheinen)

Blättel-Mink, Birgit (2001) Wirtschaft und Umweltschutz. Grenzen der Integration von Ökonomie und Ökologie. Frankfurt am Main: Campus (Habilitationsschrift)

Lehrforschungsprojekt: Solidarische Landwirtschaft als soziale Innovation

Das Phänomen der Solidarischen Landwirtschaft (SoLawi)

‚Sich die Ernte teilen‘ – Seit Jahrtausenden bewährte gemeinsame Existenzsicherung bäuerlicher Großfamilien oder eine neue soziale Praxis, um kollektive Antworten auf drängende soziale, ökonomische und ökologische Probleme zu finden?

Mit großer Dynamik erfährt mit Solidarischer Landwirtschaft (SoLawi) eine uralte (oder ganz neue?) Form gemeinschaftsgetragener Lebensmittelproduktion eine ungewöhnliche Renaissance.

Seit einigen Jahren kommt es zu einem regelrechten Gründungsboom von Höfen, in denen Bäuer_innen und Konsument_innen sich zusammenschließen, um solidarische Formen ökologischer Landwirtschaft zu entwickeln. Gemeinsam finanzieren die Abnehmer_innen die nötigen Produktionskosten, unterstützen die landwirtschaftlichen Aufgaben durch eigene Mitarbeit und ermöglichen so den Landwirt_innen ein sicheres und planbares Auskommen. Im Gegenzug erhalten sie den gesamten Ertrag, der typischerweise nach ökologischen Kriterien, regional, saisonal und vielfältig angebaut wird.

Die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) – eine  soziale Innovation?

 Im Konzept der Solidarischen Landwirtschaft zeigt sich eine innovative soziale Praxis, bei der eine Gruppe von Menschen landwirtschaftliche Tätigkeiten finanziert, sich die Ernte teilt und die Risiken gemeinsam trägt.

Die solidarische Komponente besteht u.a. darin, dass der Lebensunterhalt der Produzent_innen – idealer Weise – langfristig gesichert wird und der jeweilige finanzielle Beitrag der Teilnehmenden (in der Regel: Konsument_innen) je nach individuellen Möglichkeiten unterschiedlich ausfällt.

Solidarische Landwirtschaft (Solawi), auch bekannt als Community Supported Agriculture (CSA), ist global gesehen eine mehr oder weniger verbreitete alternative Wirtschaftsweise in der Landwirtschaft, deren Anfänge in die 1980er Jahre fallen.

Insbesondere im deutschsprachigen Raum erfährt das Konzept in den letzten Jahren eine verstärkte Verbreitung mit mittlerweile knapp 50 Höfen und Initiativen und geschätzten 6.000 Mitgliedern.

Fragestellung

Inwiefern handelt es sich bei der sozialen Praxis der solidarischen Landwirtschaft um eine (soziale bzw. gesellschaftliche) Innovation, auf welche gesellschaftlichen Bereiche bezieht sie sich und wie gestaltet sich der Diffusionsprozess?

  • Welche Ziele verfolgen unterschiedliche Projekte solidarischer Landwirtschaft?
  • Wie versuchen sie diese Ziele zu erreichen?
  • Welche Wirkungen ergeben sich wo und für wen?
  • Werden sie ihren Ansprüchen gerecht?

Methodisches Vorgehen

Antworten auf diese Fragen lassen sich idealerweise durch einen Mix dreier unterschiedlicher empirischer Methoden – Diskursanalyse, Fallstudien mit Experteninterviews sowie eine standardisierte schriftliche Online-Befragung von Landwirten und Konsument_innen – geben, die jeweils über eigene Blickwinkel, Teilfragestellungen und Potentiale für Erkenntnisgewinn verfügen.

ausgewählte Ergebnisse

1. Abschlussbericht als PDF (305 Seiten)

2. Ergebnispräsentation an der Goethe-Universität Frankfurt (Vortrag als PDF)