Neue Ansätze zur Erforschung kapitalistischer Diversität

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In dieser internationalen Forschungskooperation sollen kritische, heterodoxe, feministische und interdisziplinäre Zugänge zur Erforschung kapitalistischer Diversität erarbeitet und diskutiert werden. Damit reagiert es auf die zunehmende Verkürzung des Gegenstandes auf institutionalistische, lösungsorientierte und firmenzentrierte Perspektiven, die dem gesellschaftlichen Charakter des Gegenstands - dem Kapitalismus - nicht gerecht werden. Im Detail setzt sich dieser (noch relativ) lose Kooperationsverbund folgende Ziele:

Der internationale Transfer von Arbeiten zur vergleichenden Kapitalismusforschung, insbesondere zwischen dem deutsch- und englischsprachigen Bereich. Bisher konnten Forscherinnen und Forscher aufgrund sprachlicher, aber auch institutioneller Barrieren kaum in gegenseitigen Austausch treten, was zur Folge hat, dass wichtige Analysen im jeweils anderen Sprachraum nicht den angemessenen Stellenwert besitzen. 

Die Nutzung eines breiteren Theoriespektrums. Neben institutionalistischen und firmenzentrierten Ansätzen plädieren wir dafür, auch andere Perspektiven für das Verständnis kapitalistischer Diversität nutzbar zu machen. Dies umfaßt z.B. historische, geographische, marxistische, feministische oder staatstheoretische Analysen.

Die räumliche Erweiterung der vergleichenden Kapitalismusforschung. Nachdem die Länder der OECD inzwischen in eine handliche Typologie von liberalen und koordinierten Marktwirtschaften gefasst worden sind, gilt es, sich dem real existierenden Kapitalismus außerhalb der OECD zu nähern, um die kapitalistische Dynamik in peripheren Ländern in Wechselwirkung mit globalökonomischen Strukturen zu verstehen. Neben der Betonung regionaler, nationaler und lokaler Differenzierungen soll dabei nicht übersehen werden, dass der Kapitalismus einen "inneren Kern" aufweist, der unabhängig von Raum und Zeit wirksam ist. 

Ein (Rück-) Bezug auf die kritische Sozialforschung. Der Kapitalismus war der zentrale Untersuchungsgegenstand der sich gründenden Sozialwissenschaften im 19. Jahrhundert, die sowohl die klassische und kritische Politische Ökonomie als auch die soziologische Theorie umfaßte. Hier gilt es, auf klassische Ansätze zurückzugreifen, aber auch die kritische Analyse der kapitalistischen Gesellschaft, z.B. in den Arbeits- und Geschlechterbeziehungen in die komparative Forschung mit einzubeziehen. 

Bisher wurde eine zweitägige Konferenz veranstaltet, zudem werden in Kürze mehrere Publikationen als Ergebnis der bisherigen Arbeit veröffentlicht. Näheres dazu ist auf den folgenden Seiten zu finden. 

Das Kooperationsprojekt wird von der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG), der International Political Economy Group innerhalb der British International Studies Association (BISA-IPEG) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert es im Rahmen einer "Deutsch-Britischen Kooperation zur Erforschung kapitalistischer Diversität" ( Geschäftszeichen NO 855/4-1).