PROMOTIONEN UND HABILITATIONEN (chronologisch)

Am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt a. M. besteht die Möglichkeit, in dem Forschungsschwerpunkt „Didaktik der Sozialwissenschaften“ zu promovieren und zu habilitieren. Ergänzende Hinweise für das Promotionsvorhaben finden Sie hier
Derzeit werden folgende Promotionsprojekte verfolgt:

Richard Stilgenbauer

Einfluss des digitalen Wandels auf den sozialwissenschaftlichen Unterricht der Sekundarstufe I und II. Eine empirische Untersuchung an hessischen Sekundarschulen

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Tim Engartner)

Aufgrund des immensen technischen Fortschritts sieht sich das Bildungswesen einem tiefgreifenden Wandel unterworfen, der maßgeblich Einfluss auf die bisherigen Praktiken schulischen Lehrens und Lernens hat. Durch den digitalen Wandel und die Entwicklung medienkonvergenter Geräte steht mit dem Internet einerseits eine sehr umfangreiche Informationsquelle zur Verfügung; andererseits haben die Nutzer/innen durch Web 2.0-Anwendungen die Möglichkeit, aktiv Inhalte mitzugestalten. Diese Veränderung der Neuen Medien ist für den sozialwissenschaftlichen Unterricht von besonderer Bedeutung und bedingt die Entwicklung einer „digitalen (Politik-)Didaktik.“ Das Dissertationsvorhaben zeichnet ein Bild der Medienbildung und -integration im sozialwissenschaftlichen Unterricht an hessischen Schulen der Sekundarstufe I und II. Ausgehend von diesen Ergebnissen soll ein Beitrag zur Politikdidaktik geleistet werden, der zeigen soll, wie der Erwerb politischer Medienkompetenz und die Aneignung fachrelevanter Informationen im Internet gestaltet werden kann.

 

Nadine Heiduk

Reflektierter Konsum im sozialwissenschaftlichen Unterricht. Eine curriculare Bestands- und Bedarfsanalyse für die Sekundarstufe II

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Tim Engartner)

Konsum ist ein ambivalentes Phänomen zwischen ‚konsumistischer‘ Destruktivität und ‚konsumbürgerschaftlicher‘ Partizipation, das sich aus hybriden Verbraucherhaltungen und -handlungen konstituiert. Ein reflektiertes Konsumverständnis und -verhalten kann folglich nicht vorausgesetzt werden. Die Anbahnung der notwendigen (Konsum-)Kompetenz fällt in den Aufgabenbereich der sozialwissenschaftlichen Bildung, deren erklärte Ziele u. a. ‚Mündigkeit‘ und ‚Partizipation‘ sind. Das Dissertationsvorhaben widmet sich der inhaltlichen und methodischen Ausrichtung sozialwissenschaftlicher Fächer hinsichtlich konsumrelevanter Themen. Jenen wird im Zuge einer Bestands- und Bedarfsanalyse mittels qualitativer Analysen von Curricula und Lehrkräfteinterviews nachgegangen. Ziel ist dabei die Identifikation von Leitlinien und Potenzialen einer genuin ‚sozialwissenschaftlichen Konsumbildung‘.

 

Maria Theresa Meßner

Der Einsatz von Planspielen im sozialwissenschaftlichen Unterricht. Eine Erhebung an hessischen Sekundarschulen

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Tim Engartner)

Als innovative Lehr-Lern-Arrangements werden Planspielen insbesondere partizipationssteigernde Lerneffekte zugeschrieben, wird doch durch ihren Einsatz gesellschaftspolitisches Engagement befördert. Die Frage nach dem schulischen Einsatz von Planspielen und den damit verbundenen Effekten ist jedoch bislang nur unzureichend empirisch beantwortet worden. Auf die Füllung dieser Wissenslücke zielt das Dissertationsvorhaben. Mit Blick auf ihre multidimensionalen Effekte soll analysiert werden, ob - und wenn ja, inwiefern - Planspiele im sozialwissenschaftlichen Unterricht zum Einsatz kommen (können). Daran anknüpfend ergeben sich Fragen nach der Art der thematischen, methodischen und didaktischen Umsetzung, dem Alter und Bildungsstand der Lernenden sowie den Motiven für oder gegen den Einsatz von Planspielen. Durch die Befragung hessischer Politiklehrkräfte sollen ausgewählte Fragen eine Beantwortung erfahren.

 

Juliane Hammermeister

Über die (Un-)Möglichkeit des Kritiklernens im politischen Unterricht. Zur gesellschaftstheoretischen Fundierung des Kritikbegriffs im Kontext institutionell gebundener Politischer Bildung

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Frank Nonnenmacher)

Politischer Unterricht soll seinem Anspruch nach Lernende zu politischer Mündigkeit und Kritikfähigkeit ‚erziehen’. Epistemologisch nimmt diese Zielsetzung ihren Ausgang in der Epoche der Aufklärung: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“(Kant 1995: 162).

Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule hat hervorgehoben, dass – sofern das Postulat der ‚Mündigkeit’ bzw. Kritikfähigkeit nicht der Beliebigkeit anheim fallen soll – es der Beschreibung jener „unbeschreiblichen Schwierigkeiten, die in dieser Einrichtung der Welt der Mündigkeit entgegenstehen“, bedarf (Adorno: 1970: 151). Heteronome gesellschaftliche Strukturen, so Adorno, formen die Subjektivität und verhindern ein autonomes und selbst bestimmtes Leben. Die Gesamtheit der Institutionen, Praktiken und Prozeduren, somit auch Erziehung und Unterricht sind von diesem Widerspruch durchdrungen. Die eigentliche Frage ist, wer wie entgegen wirken kann.

Den eingangs genannten Problematiken widmet sich das Dissertationsprojekt. Die Untersuchung folgt der übergeordneten Fragestellung, ob ein Kritiklernen im politischen Unterricht unter gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen in und wider die Institution Schule möglich ist. Im Kontext dessen soll die Instrumentalisierung der Schule respektive des politischen Unterrichts durch Macht- und Herrschaftsmechanismen in den Blick genommen und zugleich ein fachdidaktischer Zugang zu den in den letzten Jahren grundlegenden Problematisierungen (Foucault etc.) geschaffen werden, der zentrale sozialwissenschaftliche Fragen von Autonomie und Heteronomie aufnimmt und Möglichkeiten der Entwicklung einer immanenten Kritikstrategie eruiert. Mit Hilfe der differenten theoretischen Ansätze von Michel Foucault und Antonio Gramsci soll die gesellschaftliche Konstitution der Subjekte und (Un-)Möglichkeiten der Kritik problematisiert werden. In Gramscis Sinne gilt es aber auch zu überprüfen, ob die Schule nicht ein „ideologisches Terrain“ (Gramsci 2002: 1264), ein widersprüchlicher Raum ist, indem sich sowohl Herrschaft konstitutiert als auch angefochten werden kann. 

Auf dieser Grundlage sollen einzelne aktuelle politikdidaktische Konzeptionen betrachtet und unter dem Aspekt erörtert werden, welcher Subjekt- und Kritikbegriff den politischen Lernprozessanalysen zugrunde liegt.