ABGESCHLOSSENE FORSCHUNGSPROJEKTE

2019 Entwicklung und Evaluation von Unterrichtsmaterialien für den sozioökonomischen Unterricht

Im Rahmen des Projekts wurde ein auf die schulische Umsetzbarkeit zielendes Konzept zur sozio-ökonomischen Bildung entworfen. Dieses enthält neben einer theoretischen Grundierung entlang zentraler didaktischer Prinzipien einen Kriterienkatalog, um geeignetes Unterrichtsmaterial identifizieren zu können. Die Materialbausteine sollen an die in den „Böckler-Impuls“-Heften dargestellten Themenschwerpunkte anknüpfen. Sowohl bei der Erstellung als auch bei der Bewertung des Unterrichtsmaterials sollen folgende Leitfragen zum Maßstab der Qualitätsbeurteilung erhoben werden:

  • Trägt das Bildungsangebot dazu bei, Fragen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung zu beantworten? (Orientierungswissen)
  • Vermittelt das Angebot Fertigkeiten, mit Hilfe derer sich der Einzelne in der Welt zurechtfinden kann? (Handlungskompetenzen)
  • Werden die Bildungsinhalte kontrovers und multiperspektivisch dargestellt? (Kontroversität und Multiperspektivität)
  • Werden die Kriterien einer geschlechtersensiblen Darstellung sichtbar? (Gender)
  • Wird in den Materialien den neusten Erkenntnissen der Politik und Wirtschaftswissenschaft Rechnung getragen? (Aktualität)
  • Zeigt das Angebot die Veränderbarkeit von Lebensbedingungn auf statt sie als natürliche Gegebenheiten darzustellen? (Veränderungsbewusstsein)
  • Bildet es die Verwerfungen ab, die Marktversagen im weistesten Sinne hervorrufen kann? (Marktunvollkommenheiten)
  • Stellt das Bildungsangebot die Frage nach Ethik, Fairness und Gerechtigkeit? (Moral)

Projektleitung: Prof. Dr. Tim Engartner | Projektbearbeitung: Dr. Martina Tschirner, Julia Mayer und Prof. Dr. Tim Engartner | Laufzeit: September 2012 - März 2019 | Finanzierung: Hans-Böckler-Stiftung

2018 "Level (Lehrerbildung vernetzt entwickeln) – Mündigkeit im sozialwissenschaftlichen Unterricht"

Das im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ bewilligte Konzept „Level – Lehrerbildung vernetzt entwickeln“ wird von zahlreichen lehrerbildenden Institutionen der Goethe-Universität getragen. In dem sozialwissenschaftlichen Fächerverbund wird die Vernetzung der politischen, historischen und geographischen Bildung angestrebt. Beteiligt sind neben dem Institut für Politikwissenschaft das Institut für Humangeographie und das Seminar für Didaktik der Geschichte. Im Zusammenwirken der beiden ersten lehrerbildenden Phasen sollen im Wege der videobasierten Unterrichtsbeobachtung zentrale Charakteristika von Mündigkeit als Leitziel sozialwissenschaftlich-historischer Bildung identifiziert, analysiert und interpretiert werden, um daraus sowohl inhaltliche als auch didaktisch-methodische Schlüsse für das Lehrer(innen)handeln abzuleiten. Das Kernthema „Mündigkeit“ soll als etabliertes fachübergreifendes Bildungsziel zudem Kooperationsmöglichkeiten mit Kolleg(inn)en aus den Bildungswissenschaften und weiteren Fachdidaktiken ermöglichen.

Projektleitung: Prof. Dr. Tim Engartner, Prof. Dr. Gerhard Henke-Bockschatz und Prof. Dr. Detlef Kanwischer | Projektbearbeitung: May Jehle und Maria Theresa Meßner | Laufzeit: Juli 2015 – Dezember 2018 | Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung

2018 „Wie denken zukünftige Ökonom(inn)en? Eine qualitativ-quantitative Befragung von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an deutschen Hochschulen“

Die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise hat nicht nur in Deutschland Zweifel an der gegenwärtigen Ausrichtung der Ökonomik genährt. Die Einseitigkeit in Forschung und Lehre, die Prädominanz neoklassischer Ansätze und die methodische Verengung zugunsten statistisch-mathematischer Modelle zählen zu den am häufigsten geäußerten Kritikpunkten. Das vorliegende Projekt knüpft an diese Selbstverständnisdebatte an, indem es über eine Methodenkombination aus qualitativer und quantitativer Befragung die Einstellungen von Studierenden verschiedener Semester zur wirtschaftswissenschaftlichen Hochschullehre in Deutschland untersucht. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, (a) wie junge Ökonom(inn)en die derzeitige theoretische und methodische Verfasstheit ihres Faches reflektieren, (b) wie sich die akademische Lehre auf ihr ökonomisches Grundverständnis auswirkt und (c) welche Konsequenzen sich hieraus für ihre wirtschafts- und gesellschaftspolitische Urteilsbildung ableiten.

Projektleitung: Prof. Dr. Tim Engartner, Prof. Dr. Silja Graupe und Prof. Dr. Walter Ötsch | Projektbearbeitung: Eva Schweitzer-Krah | Laufzeit: September 2016 – August 2018 | Finanzierung: Forschungsstelle für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW)

2016 „Wert“ und „Gewinn“ – Videobasierte Analyse von Lehr- und Lernprozessen im Bereich der ökonomischen Allgemeinbildung

In dem Forschungsprojekt wird der Aufbau und Wandel von Wissensstrukturen und Einstellungen mittels video- und fragebogengestützter Forschung in Reaktion auf unterschiedlich gelagerte Unterrichtsmaterialien (herausgegeben von ATTAC und der INSM) analysiert. Dabei soll die Entwicklung unterschiedlich gelagerter Einstellungen bzgl. der für marktwirtschaftliche Ordnungen zentralen Kategorie „Gewinn“ unter kognitiven, affektiven und konativen Aspekten analysiert werden, wobei insbesondere interessiert, ob – und wenn ja, inwieweit – der Erwerb unterschiedlicher konnotierter Wissensbestände zu differenzierte(re)n Einstellungen führt. Angelegt ist das Forschungsvorhaben derart, dass Differenzen zwischen den Ergebnissen einer Ex-Ante- sowie einer Ex-Post-Betrachtung anhand videographisch erfasster Lernsequenzen nicht nur identifiziert, sondern auch in ihrer Entstehung analysiert und interpretiert werden können.

Projektleitung: Prof. Dr. Gerhard Minnameier, Prof. Dr. Holger Horz und Prof. Dr. Tim Engartner | Projektbearbeitung: Dr. Christian Müller, Hanna Mach und Balasundaram Krisanthan | Laufzeit: Oktober 2012 - Dezember 2016 | Finanzierung: Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

2016 STATEC – Students’ Attitudes on the European Economic Crisis
Einstellungen von Studierenden im Zeichen der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise. Entwicklung und Evaluation einer europaweiten Erhebung

Einstellungen junger Erwachsener kann eine herausragende Prägekraft hinsichtlich unserer gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Zukunft zugesprochen werden. Die an den Universitätsstandorten Duisburg-Essen und Frankfurt a. M. durchgeführte Studie soll Aufschluss geben über die bei Studienanfänger(inne)n in den Studiengängen „Volkswirtschaftslehre“, „Sozialwissenschaften“ sowie „Politik und Wirtschaft“ vorherrschenden Deutungen der Finanz- und Euro-Krise. Unter Berücksichtigung sozio-ökonomischer und geschlechtsspezifischer Merkmale soll das Projekt insbesondere diesbezügliche persistente Urteile identifizieren, indem Zusammenhänge von Einstellungen, Verhaltensweisen und Handlungsabsichten ermittelt werden. Zugleich soll die explorative Vorstudie den Weg für eine bundes- und europaweite Erhebung ebnen. Wahrscheinliche nationale Unterschiede in den „Schuldzuschreibungen“ hinsichtlich der Eurokrise sind schließlich mit Herausforderungen hinsichtlich des Ziels der Stärkung der europäischen Zivilgesellschaft und des Abbaus von national geprägten Vorurteilen in den jüngeren Generationen verbunden.

Projektleitung: Prof. Dr. Tim Engartner und Prof. Dr. Till van Treeck | Projektbearbeitung: Eva Schweitzer-Krah | Laufzeit: März 2015 – Juni 2016 | Finanzierung: Stiftung Mercator

2015 Konzeption, Entwicklung und Durchführung von Planspielen für die sozialwissenschaftliche Lehre

Das Projekt zielt auf die Entwicklung, Erprobung und Evaluation von im Feld der politischen Bildung angesiedelten Planspielen, die gemeinsam mit studentischen Kleingruppen konzipiert wurden. Nach einer Einführung in die didaktisch-methodischen Charakteristika von Planspielen als innovativen Lehr-/Lernformaten wurden diese praktisch erprobt, um ihre Eignung für den Einsatz in der universitären sowie in der (außer)schulischen Lehre sicherzustellen. Davon ausgehend werden nun vom Projektteam Planspiele mit den inhaltlichen Schwerpunkten „Tarifverhandlungen“ und „Kommunalpolitik“ entwickelt. Zudem werden verschiedene Workshops zum Themenfeld „Planspiele“ durchgeführt, um Nachwuchswissenschaftler/innen im Bereich der empirischen Unterrichtsforschung zu schulen. Zudem wird die Durchführung von Projektseminaren an weiterführenden Schulen im Rhein-Main-Gebiet angestrebt, so dass Schüler/innen verschiedener Schultypen einzelne Module – flankiert von Exkursionen – mitgestalten können. Die Evaluation der Planspiele und Seminare erfolgt unter Berücksichtigung einer Vergleichsgruppe, um die Lerneffekte herausarbeiten zu können.

Projektleitung: Prof. Dr. Tim Engartner und Markus Siewert | Projektbearbeitung: Maria Theresa Meßner | Laufzeit: September 2013 - Februar 2015 | Finanzierung: Förderfonds Lehre der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Bundesministerium für Bildung und Forschung


2013 Evaluation des Bewertungsrasters für den „Materialkompass Verbraucherbildung“

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) will auch künftig unter Zuhilfenahme von Gutachter(inne)n Unterrichtsmaterialien auf der Grundlage des so genannten „Materialkompasses“ prüfen (vgl. www.materialkompass.de). Im Rahmen des von uns durchgeführten Projekts wird das bestehende Bewertungsraster evaluiert und überarbeitet. Dazu werden ausgewählte Gutachter/innen hinsichtlich ihrer Erfahrungen mit dem Bewertungsraster interviewt, wobei die qualitativ angelegten Interviews sowohl auf inhaltliche als auch formale Aspekte abzielen. Anschließend erfolgt eine Überprüfung der Bewertungsfaktoren unter fachlichen, didaktischen und gestalterischen Kriterien. Hintergrund dieses Projekts ist die Entwicklung, dass Unterrichtsmaterialien nicht mehr nur in Form von Schulbüchern angeboten werden, sondern zunehmend auch von Unternehmen, Interessensverbänden, Stiftungen und NGOs. Bei deren Unterrichtsmaterialien finden die aufwändigen Prüfungs- und Zulassungsverfahren in den jeweiligen Kultusministerien – anders als bei Schulbüchern – keine Anwendung.

Projektleitung: Prof. Dr. Tim Engartner | Projektbearbeitung: Christoph Bauer | Laufzeit: August 2012 – Dezember 2013 | Finanzierung: Verbraucherzentrale Bundesverband

2013 Förderung einer kompetenz- und partizipationsorientierten Lehr- und Lernkultur am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Das Projekt zielt auf eine Weiterentwicklung bestehender und die Erprobung und Implementierung neuer selbstorganisierter und partizipativer Lehr- und Lernkonzepte für die sozialwissenschaftliche Ausbildung. Verbunden ist es mit dem Anspruch, einen Anstoß zur Etablierung „neuer“ Lehr- und Lernkulturen zu geben, mit Hilfe derer die Ausbildung einer praxisbezogenen wissenschaftlichen Handlungskompetenz der Studierenden in besonderem Maße gefördert wird. Hierzu zählen neben Fachwissen vor allem

  • Reflexions- und Transferkompetenz,
  • forschungsorientiertes Problembewusstsein,
  • Selbstorganisation wissenschaftlicher Lernprozesse,
  • die Verknüpfung von Fach- und Methodenkompetenz sowie
  • verschiedene Ebenen der Sozialkompetenz.

Das Ziel besteht darin, mittels einer Erhebung der aktuellen Praxis kompetenz- und partizipationsorientierter Lehrkonzepte sowie einer gezielten Erprobung und Evaluierung Erfolg versprechender Konzepte einen Erfahrungsaustausch über Lehrkonzepte zur Förderung aktiver und selbstbestimmter Lernprozesse in Gang zu setzen.

Projektleitung: Sylvia Heitz, Daniel Kahnert, Dr. habil. Silvia Krömmelbein, Dr. Sandra Reitz, Margit Rodrian-Pfennig | Laufzeit: Herbst 2010 - Frühjahr 2013 | Finanzierung: Förderfonds Lehre der Goethe-Universität Frankfurt am Main


2013 Gesellschaftliche Transformationen und Transformationen des Selbst: Forschungsperspektiven Kritischer Politischer Bildung und ihrer Didaktik

Ein aktuelles Forschungsprojekt in Kooperation mit der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg widmet sich der Frage, welche Konsequenzen neue Formen der (Selbst)Regierung und politischen Steuerung für die Vergesellschaftung und politische Bewusstseinsbildung von jungen Menschen haben. Das Erkenntnisinteresse für die sozialwissenschaftliche Fachdidaktik richtet sich dabei auf die veränderten gesellschaftlichen Voraussetzungen politischer Selbst- und Mitbestimmung in postparlamentarischen Demokratien. Ziel ist die Weiterentwicklung eines kritisch-emanzipatorischen Ansatzes der politischen Bildung, der Jugendliche vor dem Hintergrund der Reflexion eigener Entgrenzungs- und Ausgrenzungserfahrungen zur Analyse sozialer Interessenkonflikte sowie veränderter Macht- und Herrschaftsstrukturen befähigt.

An dem Projekt sind Jun. Prof. Dr. Andreas Eis (Universität Oldenburg), Dr. David Salomon, Christoph Bauer, Juliane Hammermeister, Sylvia Heitz und Anke Prochnau (alle Universität Frankfurt) beteiligt gewesen.

2012 Erstellung und Erprobung eines Kooperationsmodells Erste/Zweite Phase (universitäre Politikdidaktik / Fachleitungen von Studienseminaren) mit dem Schwerpunkt Mediennutzung/Medienkompetenz

Eine Kooperation der Frankfurter Politikdidaktik mit den verschiedenen Studienseminaren (Fachleiterinnen und Fachleiter für Politik/Sozialkunde) der Region Frankfurt soll etabliert und dokumentiert werden. Im Mittelpunkt soll dabei der Aufbau einer digitalen Medienbank, insbesondere Unterrichtsmitschnitte und Interviews mit Lehrerinnen/Lehrern sowie Schülerinnen/Schülern stehen. Dieses Datenmaterial soll dann im Rahmen einer zu etablierenden Kooperation zwischen Erster und Zweiter Phase der fachbezogenen Lehrerbildung in gemeinsamen Veranstaltungen für fallrekonstruktiv-hermeneutische Deutungsarbeit zur Verfügung stehen.

Von universitärer Seite sind an diesem Projekt Sylvia Heitz und Frank Nonnenmacher verantwortlich beteiligt gewesen.