Prof. Dr. Claudius Wagemann - Forschung

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über unsere derzeitigen Forschungsinteressen und Projekte. Informationen zu abgeschlossenen Forschungsarbeiten lassen sich unserer Publikationsliste entnehmen.

Qualitative Comparative Analysis (QCA) und Comparative Configurational Methods (CCM)

Qualität angewandter QCA

Unser Team beschäftigt sich mit der stetigen Verbesserung von Standards zur Konzeptualisierung und Anwendung von QCA. Dieses Engagement basiert auf Professor Wagemanns früheren Arbeiten mit Carsten Q. Schneider (Central European University Budapest), in denen die beiden Autoren bereits 2010 eine Liste mit Handreichungen für qualitativ hochwertige QCA entwickelten. In jüngster Zeit untersuchten Claudius Wagemann et al. eine Reihe von veröffentlichten QCA aus dem Bereich der Volks- und Betriebswirtschaftslehre, während Jonas Buche und Markus Siewert vergleichbare Untersuchungen auf dem Feld der Soziologie vornahmen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen lassen schwerwiegende Probleme in der Anwendung von QCA erkennen, wodurch sogar die wesentlichen Befunde der betreffenden Veröffentlichungen in Frage gestellt werden müssen. Vor diesem Hintergrund arbeitet unser Forschungsteam derzeit an einer gründlichen, systematischen Analyse zur Qualität von QCA-Anwendungen aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Forschungsdisziplinen.

Vernetzungsaktivitäten: Publikationen, Konferenzen, Lehre

Derzeit arbeitet Claudius Wagemann zusammen mit Joachim Blatter (Universität Luzern) und Phil C. Langer (International Psychoanalytical University Berlin) an der Fertigstellung eines deutschsprachigen Buchmanuskripts zum Thema „Qualitative Methoden in der Politikwissenschaft“, welches bei Springer VS erscheinen wird. Zusätzlich wird, ebenfalls bei Springer, ein neues Methodenhandbuch für Politikwissenschaftler erscheinen, herausgegeben von Claudius Wagemann,  Achim Goerres (Universität Duisburg-Essen) und Markus Siewert. Claudius Wagemann und Markus Siewert veröffentlichen außerdem regelmäßig Einführungsartikel zur Methodenlehre in den Sozialwissenschaften. So veröffentlicht Claudius Wagemann darüber hinaus breit gefächert zum Thema QCA, z.B. im Handbuch Policy Forschung (2015, Hrsg. Wenzelburger und Zohlnhöfer) oder in Methodological Practices in Social Movement Research (2014, Hrsg. Della Porta). Markus Siewerts Beitrag zu den Themen QCA und Process Tracing wird bei Springer in Innovative Methoden in den Sozialwissenschaften (Hrsg. Jäckle) erscheinen. Darüber hinaus engagiert sich unser Team aktiv in der deutschen und internationalen QCA-Forschungsgemeinschaft, indem wir Konferenzen organisieren und in verschiedenen Forschungsinstitutionen wie der Methodenabteilung der DVPW (Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft]) oder Compasss mitarbeiten. Wir bieten außerdem regelmäßig in ganz Europa Workshops zu den Themen QCA und fallorientierte Forschungsdesigns an für Masterstudierende und Doktorand*innen an.

Forschungsteam:   Claudius Wagemann
Jonas Buche
Markus B. Siewert

Qualität von Demokratie

Fallstudie Deutschland

Basierend auf Leonardo Morlinos Ansatz, die Qualität von Demokratie auf der Grundlage von acht verschiedenen Dimensionen zu beurteilen, hat die Privatuniversität LUISS in Romein großes, vergleichendes Forschungsprojekt ins Leben gerufen, an welchem mehrere italienische und fünf internationale Teams mitarbeiten. In diesem Rahmen untersucht das Frankfurter Team die Qualität von Demokratie in Deutschland und liefert hierfür qualitative und quantitative Daten auf der Grundlage eines umfangreichen Fragenkatalogs. Das Ziel des Projekts ist es, mithilfe einer breiten Datengrundlage zu untersuchen, ob und inwieweit etwaige Veränderungen in der Demokratiequalität der untersuchten Länder (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien) auf Krisen wie die Euro- oder Finanzkrise zurückzuführen sind.

Forschungsteam:   Claudius Wagemann
Markus B. Siewert
Lars Paulus
Christoph Klement
Finanziert von:  

Italienisches Bildungsministerium „Progetto di ricerca di interesse nazionale“ (PRIN)


Italien und Deutschland: Bi- und supranationale Perspektiven

DAAD-Konferenz zu Populismus, Vorurteilen und Perspektiven. Italien und Deutschland im heutigen Europa

In öffentlichen Diskursen zu europäischer Politik ist oftmals von wachsenden populistischen Strömungen die Rede, insbesondere wenn die derzeitige Krise der Europäischen Union hinsichtlich des wieder auflebenden Nord-Süd-Gefälles thematisiert wird. Diese Tendenz zeigte sich nicht nur im Rahmen der vergangenen Europawahlen (2014), sondern spiegelt sich auch im allgemeinen Wahlverhalten auf Nationalstaatsebene oder diversen Protestbewegungen wider. Über eine genaue Definition des Begriffs Populismus besteht in den Sozialwissenschaften zwar weiterhin Uneinigkeit, fest steht aber, dass Stereotypen und Vorurteile gegenüber „anderen“ in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielen. Das ehrwürdigste Ziel der EU ist aber seit jeher die Integration verschiedener europäischer Länder, Kulturen und Identitäten. Allerdings muss eingestanden werden, dass sich dieser Prozess als länger und steiniger herausgestellt hat, als es so manche politische Vordenker der Vergangenheit vorhergesagt haben. Es scheint sogar eher, dass sich aktuell gegenteilige Entwicklungen beobachten lassen: Ereignisse wie die Eurokrise, mit ihren vielschichtigen Auswirkungen auf nationale Sparprogramme, scheinen eine Neubelebung von gegenseitigen Vorurteilen innerhalb der EU und damit eine immer größere Spaltung zwischen einzelnen Mitgliedsstaaten hervorgebracht zu haben. Die jüngsten Diskussionen zu der Verteilung von Flüchtlingen in Europa, Fragen zum europäischen Grenzschutz oder der Zuweisung von Finanzmitteln scheinen diese bedauerlichen Entwicklungen noch zu verstärken.

Die Folgen dieser akuten Krisenherde lassen sich unserer Ansicht nach wie folgt beschreiben: Erstens besteht, auf supranationaler Ebene, die Gefahr einer wachsenden Ablehnung des europäischen Projekts (nicht nur bezogen auf eine rein institutionelle Integration der EU, sondern auch auf den europäischen Austausch in politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und technologischen Bereichen). Zweitens stellen, auf binationaler Ebene, Stereotypen und Vorurteile bis dahin bewährte Kontakte, Verhandlungsmuster und Wahrnehmungen zwischen Nationalstaaten in Frage.

Wir untersuchen diese Phänomene in erster Linie hinsichtlich der deutsch-italienischen Beziehungen, berücksichtigen aber auch andere europäische Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien. Ein erster Workshop mit Expert*innen aus diesen Ländern wird am 11. und 12. November in Frankfurt stattfinden.

Antragssteller*innen:   Claudius Wagemann
Simona Piattoni
Luca Verzichelli
  Goethe Universität Frankfurt am Main
Universität Trento
Universität Siena
Mitarbeiter:   Markus B. Siewert
Nils G. Sartorius
  Goethe Universität Frankfurt am Main
Goethe Universität Frankfurt am Main
Administration:   Heike Langholz   Goethe Universität Frankfurt am Main
weitere Partner:   Cristian Vaccari
Nicolò Conti
  Royal Holloway Universität London
Telematische Universität Rom
Finanzierung   Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)


Amici come prima? Politikwissenschaftliche Perspektiven aus Deutschland, Italien und der Europäischen Union in Zeiten der Krise 

Geplanter Workshop für die „Villa Vigoni“-Diskussionsrunden

Im Rahmen des Workshops werden bis zu 15 Doktorand*innen und promovierte Wissenschaftler*innen aus Deutschland und Italien ihre Forschungsarbeiten präsentieren und diskutieren. Damit schaffen wir ein Forum und Netzwerk für einen binationalen Austausch über das deutsch-italienische Verhältnis und die Rolle beider Länder in Europa. Vorausgesetzt, dass die Finanzierung genehmigt wird, wird der Workshop im Frühjahr 2017 stattfinden.

Antragssteller*innen:   Claudius Wagemann
Simona Piattoni
Luca Verzichelli
 

Goethe Universität Frankfurt am Main
Universität Trento
Universität Siena

Mitarbeiter:   Markus B. Siewert
Nils G. Sartorius
  Goethe Universität Frankfurt am Main
Goethe Universität Frankfurt am Main
weitere Partner:   Ton Notermans    Technische Universität Tallinn / Universität Trento
Finanzierung:   Villa Vigoni

Interessengruppen und Gewerkschaften

Projektvorbereitung zum Thema Gewerkschaften mit Roland Czada (Universität Osnabrück) und Jürgen Grote (Hertie School of Governance)

Im März 2015 fand unter der Leitung von Prof. Wagemann und Andrea Pritoni (Scuola Normale Superiore di Pisa) im Rahmen der Warschauer „Joint Sessions“ des ECPR (European Consortium for Political Research) ein Workshop zum Thema Konzeptualisierung und Vergleich von Interessensgruppen (Conceptualising and Comparing Interest Groups and Interest Groups Service) statt.