Leben und Werk Franz Oppenheimers (1864-1943)

Dieses von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Forschungsprojekt hatte das Leben und Werk Franz Oppenheimers zum Gegenstand. Oppenheimer war ein zu seiner Zeit berühmter Nationalökonom und Soziologe, zu dessen Schülern unter anderem auch der Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland Dr. Ludwig Erhard sowie der Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Erik Nölting gehörten. Oppenheimer hat von 1919 bis 1929 die erste soziologische Professur an der Goethe-Universität Frankfurt wahrgenommen und im Laufe seines Lebens über 50 Bücher und 400 Aufsätze publiziert. Er hatte nach seinem medizinischen Studium in Berlin zeitweise als Arzt gearbeitet und sich anschließend nationalökonomischen und soziologischen Forschungen zugewendet. Er verkehrte in seiner Jugend im Friedrichshagener Dichterkreis in Berlin und war seit 1903 ein führendes Mitglied der internationalen zionistischen Bewegung, der er als nationalökonomischer Berater bei der Gründung von Siedlungsgenossenschaften in Palästina zur Verfügung stand und von der er sich seit 1913 zunehmend distanziert hatte. Oppenheimer war auch in Deutschland an der Gründung von verschiedenen landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften beteiligt, von der er sich als liberaler Sozialist und Vordenker der sozialen Marktwirtschaft vermittels einer ‚inneren Kolonisation’ die Lösung der sozialen Frage seiner Zeit erhofft hatte. Seine Gedanken fanden in den zwanziger Jahren auch Eingang in das Agrarprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Aufgrund der nationalsozialistischen Herrschaft emigrierte er Ende 1938 zunächst nach Japan und China und anschließend in die USA, wo er 1943 verarmt in Los Angeles verstarb.

Ziel dieses bis Ende 2014 finanziell geförderten Forschungsprojektes war unter anderem die Anfertigung einer wissenschaftlichen Biographie über Franz Oppenheimer, in der die Entstehung seines umfangreichen wissenschaftlichen Werkes vor dem Hintergrund seiner eigenen Lebenserfahrungen deutlich wird. Zu diesem Zweck wurden neben Interviews mit seinen beiden Enkeln Frank Lenart (München) und Michael Oppenheimer (Jerusalem) auch zahlreiche Archivrecherchen durchgeführt, da der noch erhalten gebliebene Nachlaß Oppenheimers weltweit verstreut ist. Ferner wurde eine umfangreiche Chronik der wichtigsten Stationen seines Lebens sowie ein Gesamtverzeichnis seiner zahlreichen Veröffentlichungen erstellt. Neben der von mir zusammen mit Volker Caspari (Technische Universität Darmstadt) verfassten und 2014 im Frankfurter Societäts-Verlag erschienenen Oppenheimer-Biographie habe ich auch eine Sammlung von Oppenheimers wichtigsten soziologischen Schriften herausgegeben, die im Januar 2015 bei Springer VS in Wiesbaden erschienen ist.

Literatur:


Chronik

zum Leben und Werk Franz Oppenheimers (1864-1943)


Bibliografie

zum Leben und Werk Franz Oppenheimers (1864-1943)


Nachlass

zum Leben und Werk Franz Oppenheimers (1864-1943)