Dr. des. Claudia Willms

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Claudia Willms, M.A.
Fachbereich 03 - Gesellschaftswissenschaften
Institut für Soziologie
PEG-Gebäude
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
60323 Frankfurt am Main

Raum 3.G154
Tel.: : +49 (0)69-798 36611
Willms (at) soz.uni-frankfurt.de

Sprechstunde: nach Vereinbarung

- von Mai 2013 bis Mai 2015 Vertreterin im Frauenrat 03

VITA ARBEITSSCHWERPUNKTE  |  LEHRE  |   PUBLIKATIONEN  |  Projekt „Franz Oppenheimer“


Kurzvita

  • Oktober 2016: Dissertation "Liberaler Sozialist, Zionist, Utopist: Deutsch-jüdische Identitätskonstruktionen am Beispiel von Franz Oppenheimer (1864-1943)" abgeschlossen und als Cotutelle-de-thèse in Frankfurt und Basel eingereicht.
  • gemeinsam mit Prof. Lichtblau Kuratorin der Ausstellung "Liberaler Sozialist, Zionist, Utopist. Der Soziologe und Nationalökonom Franz Oppenheimer 1864-1943" (Ausstellung an der Goethe-Universität, 14. April - 20. Juni 2014, erneute Präsentation im Foyer des PEG während des Wintersemesters 2014/15)
  • seit April 2013: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie, Professur Lichtblau
  • 2012-2013: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rahmen des Fritz-Thyssen-Projekts „Leben und Werk Franz Oppenheimers (1864-1943)“, Uni Frankfurt
  • 2012: Konzeption der pädagogischen Führung bzw. des Stadtteilspaziergangs "Jüdisches Leben im Frankfurter Stadtteil Ostend", im Auftrag des Fritz-Bauer-Instituts
  • 2009–2012: Mitarbeiterin am Projekt „Vor dem Holocaust – Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen“ des Pädagogischen Zentrums von Fritz-Bauer-Institut und Jüdischem Museum Frankfurt
  • 2009-2011: Durchführung pädagogischer Führungen durch die Dauerausstellung, Museum für Kommunikation, Frankfurt am Main
  • 2009: Magistra Artium, Titel der Arbeit: "Streetart zwischen Alltagskultur und Kunstwelt. Eine kritische Sicht auf unterschiedliche Repräsentationspraktiken einer postmodernen Subkultur"
  • 2006: Studienaufenthalt an der Universität Stockholm, Department of Social Anthropology
  • 2000–2009: Magisterstudium in den Fächern Kulturanthropologie, Soziologie und Ethnologie an der Universität Frankfurt am Main

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Arbeitsschwerpunkte:

  • Alterität und Marginalisierung
  • Stadtforschung
  • Subkulturen und alternative Kunstproduktion
  • Jüdische Kultur und Geschichte
  • Geschichte der Fotografie
  • Feministische Theorie

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Lehre

Lehre im Wintersemester 2016/17

  • Die Subkultur der Subkultur (Bildungswissenschaften)

Lehre im Sommersemester 2016

  • Geschichte, Biographie und Sozialwissenschaft - Zu den Möglichkeiten der Rekonstruktion historischer Erfahrungswelten (Blockseminar)

Lehre im Sommersemester 2015

  • Siegfried Kracauers' Gesellschaftsbiographie: Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit (Blockseminar)

Lehre im Wintersemester 2014/15

  • Streetart: Ein Phänomen der Jugend(sub)kultur (Bildungswissenschaften)

Lehre im Sommersemester 2014

  • Studieren erforschen - Das Alltagsleben der Studierenden am FB 03 (Blockseminar)

Lehre im Wintersemester 2013/14

  • Eine soziologische Analyse des Phänomens Street-Art (Bildungswissenschaften)

Lehre in vergangenen Semestern

  • Klassische Texte der Soziologie (in Verbindung mit Prof. Lichtblau)

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Publikationen und Tagungsbeiträge

  • "Der Jerusalemer Nachlass von Franz Oppenheimer (1864-1943)", in: Zyklos 2 - Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie, Wiesbaden 2015, S. 167-176.
  • Ausstellungskatalog "Liberaler Sozialist, Zionist, Utopist: Der Soziologe und Nationalökonom Franz Oppenheimer (1864-1943) - Eine Ausstellung historischer Photographien", erschienen im Privatdruck und zu bestellen unter: willms at soz.uni-frankfurt.de oder abzuholen im PEG, Raum 3.G154.
  • "Professor der Soziologie: Franz Oppenheimer in Frankfurt am Main (1919-29)" Vortrag auf dem Symposium "Mäzene. Gelehrte. Bürger. Jüdisches Engagement und jüdische Gelehrsamkeit in der Frankfurter Universitätsgeschichte", 27. Mai 2014.
  • "Eduard Hoffmann-Krayer und die Jüdische Volkskunde von 1917-1936", in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 104/1- Themenheft Jüdische Kulturen, Basel 2014, S. 13-19.
  • "Liberaler Sozialist, Zionist, Utopist: Deutsch-jüdische Identitätskonstuktionen am Beispiel Franz Oppenheimer", Vortrag bei den 53. Mündener Gesprächen, 15. März 2014.
  • Rezension zu "Bomb it, Miss Tic! Mit der Graffiti-Künstlerin in Paris", in: Fiber. werkstoff für feministische popkultur, heft 20/2012, S. 106.
  • "Fotografie und Erinnerung", in: Aufbau – Das jüdische Monatsmagazin, Juni 2012, S. 10-14.
  • www.vor-dem-holocaust.de (Projekt des Fritz-Bauer-Instituts unter der Leitung von Monica Kingreen), online seit April 2011.
  • "Sprayer im White Cube. Streetart zwischen Alltagskultur und kommerzieller Kunst" (Magisterarbeit), erschienen bei: Tectum, Marburg 2010.
  • "Dave the Chimp", in: Urban Art - Werke aus der Sammlung Reinking, Weserburg 2009, S. 98-101.
  • Menschen sind die Stadt - Eine andere Sicht auf Orte, In: Schilling/Klös: Stadt ohne Eigenschaften. Frankfurt – Einsichten von außen, Frankfurt 2005, S. 251-281.

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Leben und Werk Franz Oppenheimers (1864-1943)

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Das Oppenheimer-Projekt

Ich bin Wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekt „Leben und Werk Franz Oppenheimers 1864-1943“. Im Rahmen dieses Projekts waren im Jahre 2012 zahlreiche internationale Archivrecherchen durchzuführen (International Institute for Social History Amsterdam, Archiv des Jüdischen Museums Berlin, Central Zionist Archives Jerusalem, Universitätsarchiv Bielefeld, usw.).

Der Nationalökonom und Soziologe Franz Oppenheimer ist eine zentrale Person sowohl der deutschen als auch israelischen jüngeren Geschichte. Er war nicht nur ein umtriebiger und bekannter Wissenschaftler, sondern auch Arzt, aktiver Zionist und Schriftsteller (Sprung über ein Jahrhundert, 1934 unter dem Synonym Francis D. Pelton veröffentlicht). Er war somit ein – wie es selbst zu der Zeit um die Jahrhundertwende kaum noch möglich war – umfassender Gelehrter des frühen 20. Jahrhunderts. In Deutschland wohl eher und wenn überhaupt als der Lehrer Ludwig Erhards in Erinnerung geblieben, könnte Oppenheimer in Israel als Zeitgenosse und Freund Martin Bubers und Theodor Herzls als einer der wichtigsten Wegbereiter und Theoretiker der frühen jüdischen Besiedlung Palästinas gelten - doch auch hier scheint er nahezu vergessen...

Er hatte sein Leben und Wirken der in seiner Theorie essentiellen Idee der Aufhebung des Bodenmonopols verpflichtet, welche er durch die Schaffung von Siedlungsgenossenschaften erreichen wollte. Den Sozialismus strebte er somit mithilfe von Reformen und der tatsächlichen Liberalisierung des Marktes an und war überzeugt, dass es hierfür keiner gewalttätigen Revolutionen bedürfe.

Innerhalb der Auswertung der Archivmaterialien gibt es immer wieder erstaunliche Zusammenhänge zu entdecken, die aufzeigen, mit wie vielen Persönlichkeiten und Ideengebern seiner Zeit er in Kontakt war und die intellektuelle Auseinandersetzung suchte. Sein Leben lang blieb er der humanistischen Grundidee einer Gesellschaft der Freien und Gleichen verhaftet und versuchte diese auch zur praktischen Umsetzung zu verhelfen (Bärenklau, Merchawija, Eden, Lüdersdorf).

Oppenheimers Ansatz eines ‚liberalen Sozialismus‘ könnte m.E. in der Geschichte der Soziologie auch mehr Raum einnehmen. Allein, dass es sich bei ihm um eine der wenigen Personen mit einer konkreten Utopie handelt, macht ihn und seine Theorie zu einem bedeutsamen Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Geschichte (und könnte ebenfalls einen Anreiz für gegenwärtige Diskussionen bieten). Jedoch gibt es wohl heutzutage leider kaum mehr eine soziologische Theorie, die gleichsam die soziologischen wie auch die volkswirtschaftlichen Aspekte des gesellschaftlichen Wandels und somit auch Mitgestaltens bedenkt.


Archiv-Recherchen innerhalb des Oppenheimer-Projekts:

Februar 2012: Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main

März 2012: Archiv des Jüdischen Museums Berlin / Universitätsarchiv der Humboldt-Universität, Berlin

April 2012: International Institute of Social History, Amsterdam

Mai 2012: Universitäts-Archiv der Goethe-Universität, Frankfurt am Main /Gottfried Salomon-Delatour Nachlass, Universitäts-Archiv, Bielefeld

Juni/Juli 2012: Central Zionist Archives / Albert-Einstein-Archiv Hebrew University /Martin-Buber-Archiv Hebrew University, Jerusalem

September 2012: Horkheimer-Archiv der Universitätsbibliothek, Frankfurt am Main / Richard-Dehmel-Nachlass, Staats- und Landesbibliothek Hamburg / Interview mit dem Enkel Frank Lenart (dem Sohn von Renata Lenart, geb. Oppenheimer), München

Oktober 2012: Friedrich-Ebert-Archiv, Bonn / Bundesarchiv, Koblenz

Oktober/ November 2012: Archiv des Jüdischen Museums Berlin / Archiv des Jacob und Wilhelm Grimm Zentrums der Humboldt-Universität, Berlin / Archiv des Centrum Judaicum, Berlin / Obstbaugenossenschaft Eden, Oranienburg

November 2012: Interview mit dem Enkel Michael Oppenheimer (dem Sohn von Ludwig Oppenheimer), Frankfurt am Main

Dezember 2012: Landesarchiv Berlin

(Mai 2014: Hebräisch-Intensivkurs, Berlin)

Oktober/November 2014: Recherchereise nach Israel, Besuch der ehemaligen Siedlungsgenossenschaft Merchawia (heute ein Kibbuz), Recherche nach dem verschollenen Oppenheimer-Gemälde an der Hebrew University, Treffen mit den Enkeln Ruth Oppenheimer-Katz und Michael Oppenheimer, weitere Studien in den Central Zionist Archives

...und weitere Bild-/Archivrecherchen per Internet (University of Chicago Library, Leo-Baeck-Institute New York etc.) in Vorbereitung der Biographie von Prof. Lichtblau und Prof. Caspari: "Franz Oppenheimer. Streitbarer Ökonom und Soziologe der ersten Stunde", die im Jahre 2014 in der Reihe "Gründer, Gönner und Gelehrte" im Frankfurter Societät-Verlags erschienen ist: http://www.societaets-verlag.de/fileadmin/Pressetext_PDF/PT_Franz_Oppenheimer.pdf


Dissertationsprojekt

Oppenheimer beim wandern  frank lenart

Liberaler Sozialist, Zionist, Utopist: Deutsch-jüdische Identitätskonstruktionen am Beispiel von Franz Oppenheimer (1864-1943)

Franz Oppenheimer ist eine Persönlichkeit, an der sich exemplarisch die Geschichte und die Debatten der deutschen Juden zwischen 1871 (als die deutsche Reichsverfassung erstmals die deutschen Juden zu tatsächlich gleichberechtigten Bürgern erklärte), aber auch die innerjüdischen, zionistischen und bürgerlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Weimarer Republik (Assimilation, Liberalisierung, Antisemitismus) und die Entrechtung und systematische Verfolgung ab 1933 darstellen lässt. Als eine Person, die sich sowohl mit der deutschen Kulturnation identifizierte (sich als "deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" begriff), als auch sich aktiv der gesellschaftlichen Diskriminierung der Juden in Deutschland und Europa widersetzte, befindet Oppenheimer sich mitten auf einer Grenzlinie. Er nahm damit eine Position ein, die ständig symbolisch, kulturell, sozial und dabei persönlich sowie öffentlich ausgehandelt werden musste. Möglichkeitsräume und Anschlüsse fand er vor allem bei der im späten 19. Jahrhundert von Künstlern und Intellektuellen behandelten Sozialen Frage, bei der ersten Generation der zionistischen Bewegung um Theodor Herzl und bei den idealisierten Hoffnungen, die mit dem Entstehen der Wissenschaft der Soziologie in Hinblick auf die Lösung gesellschaftlicher Probleme und Konflikte verbunden waren (insbesondere seiner Utopie des "Liberalen Sozialismus").

In meiner Dissertation betrachte ich unter Zuhilfenahme der Methoden der Religionssoziologie, der Historischen Ethnographie (Kritische Quellenanalyse) und der Mentalitätsgeschichte die noch zu wenig erforschten Aspekte und Zusammenhänge im Leben und Werk des deutsch-jüdischen Wissenschaftlers. Meine verwendeten Materialien werden neben den veröffentlichten Texten und Büchern der teilweise erhalten gebliebene Nachlass Oppenheimers mit Briefverkehr hauptsächlich aus den Jahren 1915 und 1918/19 sein.