Sozialmodelle spätbronzezeitlicher Gesellschaften (soziologisches Teilprojekt)

Logo

 

 

 


Prähistorische Konfliktforschung: Burgen der Bronzezeit zwischen Taunus und Karpaten

 

Antragstellung: Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty, PD Dr. Matthias Jung

Projektbearbeitung: PD Dr. Matthias Jung, Dr. Andy Reymann, Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty

Förderinstitution: Land Hessen (Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz)

Zeitraum der Förderung: 01. Januar 2016 bis 31. Dezember 2018

Den theoretischen Bezugsrahmen für die Rekonstruktion bronzezeitlicher Sozialstrukturen bilden zwei aktuelle Diskurse der Bronzezeitforschung: Zum einen der Verweis auf die ägäische Bronzezeit als Ausgangspunkt einer etappenweise bis nach Mitteleuropa ausstrahlenden Entwicklung der Zentralisierung und Machtkonzentration, kulminierend in der Person eines machtvollen Einzelherrschers bzw. einer »Elite«. Zum anderen ein Diskurs, den man schlagwortartig mit »Beyond Elites« bezeichnen könnte und der sich gegen eine einseitige Fixierung der traditionellen Bronzezeitforschung auf die Angehörigen von »Eliten« richtet. Beide Diskurse nehmen auf neoevolutionistische Stufenmodelle der Entwicklung von Gesellschaften Bezug, in denen zunehmende Komplexität mit zunehmender Hierarchisierung und Verstetigung einhergeht. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des Teilprojektes, Modelle zur Verfasstheit bronzezeitlicher Gesellschaften zu erarbeiten, ohne dabei von vornherein auf nicht näher spezifizierbare »Eliten« einerseits und einen neoevolutionistisch inspirierten Theorieeklektizismus andererseits zu rekurrieren. Impulse gehen stattdessen aus von ethnologisch-kulturanthropologischen Studien zu Mechanismen gesellschaftlicher Integration jenseits vertikaler Machtausübung, es sind mit anderen Worten Modelle zu entwickeln, die nicht wie selbstverständlich Sozialstruktur auf Herrschaftsorganisation reduzieren und sich andeutende Siedlungshierarchien mit sozialen Hierarchien identifizieren.

Tagung

Interdisziplinäre Fachtagung »Kulturen und Ordnungsformen der Gewalt. Theoretische Ansätze und epochenspezifische Narrative«. 23.–24. November 2017; Goethe-Universität Frankfurt am Main, organisiert von Ferdinand Sutterlüty, Matthias Jung und Andy Reymann.

Projektpublikationen

Jung, Matthias, Militärorganisation und Sozialorganisation. Interdependenz, Koevolution, archäologische Nachweisbarkeit. Erscheint in: Ethnograpisch-Archäologische Zeitschrift.

Jung, Matthias, Welche Rückschlüsse lässt ein differenziertes Waffenrepertoire auf Militärorganisation und Kriegführung zu? Bronzezeitliche Bewaffnungen im Lichte ethnographischer Evidenzen. Erscheint in: Daniel Neumann/Gisela Woltermann (Hrsg.), Spezialisierungen in der Bronzezeit. Archäologische Quellen und Modelle.

Jung, Matthias, Narrative über die Bronzezeit in der deutschsprachigen Archäologie. Erscheint in: Rüdiger Krause/Svend Hansen (Hrsg.), »Prehistoric Conflict Research ‒ Bronze Age Hillforts between Taunus and Carpathian Mountains«.

Jung, Matthias, Zwischen Quellenkritik und Marketing – zur Identifizierung der Heuneburg mit der »Polis Pyrene«. Erscheint in: Raimund Karl/Jutta Leskovar (Hrsg.), Interpretierte Eisenzeiten VI. Fallstudien, Methoden, Theorie. Tagungsbeiträge der 7. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie. Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich.

Jung, Matthias, Wanderungsnarrative in der Ur- und Frühgeschichtsforschung. In: Felix Wiedemann/Kerstin P. Hofmann/Hans-Joachim Gehrke (Hrsg.), Vom Wandern der Völker. Migrationserzählungen in den Altertumswissenschaften. Berlin Studies of the Ancient World 41 (Berlin: Topoi 2017) 161–187.

Jung, Matthias, Was ist eine »Keltenfürstin«? Notiz zu eisenzeitlichen Sozialstrukturen. In: Christin Keller/Katja Winger (Hrsg.), Frauen an der Macht? Neue interdisziplinäre Ansätze zur Frauen- und Geschlechterforschung. Universitätsforschungen zu Prähistorischen Archäologie 299 (Bonn: 2017) 25‒39.

English