DFG/ANR-Projekt: (New) Political Representative Claims:

A Global View (France, Germany, Brazil, India, China)

Projektkoordinatoren für Deutschland: Prof. Dr. Brigitte Geißel und Prof. Dr. Thomas Heberer.

Laufzeit: April 2016 – März 2019

Finanzierung: DFG und ANR

Stellenausschreibung für eine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in (Postdoc, 13 TV-L, Vollzeit).

Projektbeschreibung

Etablierte Formen politischer Repräsentation befinden sich derzeit in einer Krise, sichtbar beispielsweise am sinkenden politischen Vertrauen. Weltweit bilden sich gleichzeitig (neue) Ansprüche politischer Repräsentation (representative claims) heraus. Jedoch konzentriert sich die Forschung nach wie vor weitgehend auf Wahlen bzw. Mandate sowie auf einzelne Länder. Umfassende Analysen aus vergleichend-globaler Perspektive zu (neuen) ‚representative claims‘ fehlen noch weitgehend. Das geplante Forschungsprojekt will einen Beitrag zur Behebung dieser Desiderate leisten. Dabei fokussiert es auf representative claims in Frankreich und Deutschland – zwei führende Demokratien in der Europäischen Union, die derzeit aktiv mit neuen Konzepten von Repräsentation experimentieren – sowie auf drei BRICS-Staaten: Brasilien – die größte Demokratie in Lateinamerika mit innovativen Partizipationsverfahren mit konkurrierenden representative claims –, Indien – die weltweit größte Demokratie und ein Vorreiter im Feld der Quotenregelungen –, sowie China – ein nicht-demokratisches Regime mit gleichwohl spezifischen representativen claims.

Ausgehend von deutscher und französischer politischer Theorie dienen ‚Klassiker‘ politischer Repräsentation als Ansatzpunkt unseres vorläufigen Konzepts. Wir gehen indessen davon aus, dass Repräsentation via Wahlen und Mandat zwar zentral ist, aber für das Verständnis aktueller Entwicklungen nicht mehr ausreicht. Eine weitgehende Perspektive ist notwendig. Unsere Prämisse lautet, dass die Entwicklung politischer Repräsentation eng verzahnt ist mit der Zunahme verschiedener representative claims, d.h. mit Sachverhalten, in denen Akteure den Anspruch erheben, im Namen von anderen zu sprechen und zu handeln. Solche representative claims gehen häufig einher mit einer Kritik an fehlender Repräsentation spezifischer Gruppen und der damit verbundenen Forderung, die Repräsentationsdefizite zu beheben. Obwohl representative claims weltweit zunehmen, fehlen bislang ein Analyserahmen und eine Typologie, die ein grundlegenderes Verständnis dieser Prozesse ermöglichen. Das geplante Forschungsprojekt wird diese konzeptuelle Leerstelle füllen.

Es werden representative claims in den fünf ausgewählten Ländern aus vergleichend-globaler Perspektive identifiziert, analysiert und typologisiert. Dabei konzentrieren wir uns auf zwei Forschungsfelder: 1. Öffentliche Debatten zu representative claims auf nationalstaatlicher Ebene (nationale Parlamente und Medien), und 2. representative claims in partizipativen Verfahren auf lokaler Ebene. Unsere Forschung wird im Wesentlichen auf qualitativen Methoden der Datensammlung beruhen (Dokumenten- und Internetrecherche, teilnehmende Beobachtung, Experteninterviews usw.). Die Datenanalyse erfolgt nach der erweiterten Methode der Representative Claim Analysis. Zur Generalisierung der Fallstudien arbeiten wir mit dem ‚case-thinking‘- Ansatz. Wir werden Muster von und eine Typologie zu representative claims identifizieren – nutzbar für “terminological, classificatory and heuristic means’ (Weber 1921) – sowie Theorien zur Repräsentation weiter entwickeln.


DFG/ANR-Projekt: Political Representative Claims

A Global View (France, Germany, Brazil, India, China)

 

Projekt Title: (Neue) politische Repräsentationsansprüche repräsentative Ansprüche: Eine globale Perspektive (Frankreich, Deutschland,  Brasilien, China , Indien) CLAIMS

(New) Political Representative Claims: A Global View (France, Germany, Brazil, China, India) CLAIMS

Ein Deutsch-Französisches Forschungsprojekt gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der französischen L’Agence Nationale De La Recherche (ANR).

Laufzeit: May 2016 - April 2019

Projekt Koordinatoren:

Prof. Dr. Brigitte Geißel, Goethe Universität Frank­furt

Prof. Dr. Tho­mas Hebe­rer, Universität Duisburg-Essen

Prof. Yves Sin­to­mer, Centre de Recher­ches Socio­lo­gi­ques et Poli­ti­ques de Paris (CRESPPA)

Sté­pha­nie Tawa Lama-Rewal, Centre d’Etudes de l’Inde et de l’Asie du Sud (CNRS-EHESS) Paris

Projekt Beschreibung

Das System der repräsentativen Demokratie steht heute weltweit unter erheblichem Druck. Bestehende Institutionen des repräsentativen Systems verlieren zunehmend an Bedeutung und Legitimationskraft, welche für eine wirksame demokratische Entscheidungsfindung und Umsetzung erforderlich sind. Die Symptome dieses Prozesses - z.B. sinkendes Vertrauen in formelle Institutionen, Mitgliederverluste der Parteien und ein zunehmend distanziertes Verhältnis zwischen Bürgern und ihren Vertretern – werden als zentrale Herausforderungen bestehender Demokratien betrachtet.

Die gegenwärtige Demokratie verliert ihren legitimierenden Anker. Viele Bürger empfinden den Wahlakt nicht mehr als effektiven Ausdruck ihrer Interessen denn politischen Parteien wird vorgeworfen, sie würden ihre Repräsentationsfunktion verfehlen. Daher wird es für die politischen Parteien und gewählten Vertreter  zunehmend schwierig, an ihrer Monopolstellung als (formale) Vertreter festzuhalten.

Jedoch stellt die heutige repräsentative Demokratie wahrscheinlich nicht das Ende der demokratischen Entwicklung dar. Im Gegenteil, innerhalb etablierter Demokratien wie z.B. Frankreich und Deutschland finden Prozesse von großer politischer Transformation statt und neue sowie konsolidierende Demokratien des globalen Südens wie Brasilien und Indien rücken davon ab, etablierte westliche Modelle blindlings zu duplizieren.

Zur gleichen Zeit erzeugt weltweit eine Vielzahl von Akteuren in verschiedenen Situationen eine Kakophonie von representative claims (Repräsentationsansprüche). Es ist nicht mehr klar, wer für wen spricht und warum er / sie das Recht hat, dies zu tun. Ein neuer konzeptioneller und analytischer Rahmen ist notwendig, um diese representative claims sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene konzeptuell zu erfassen und  zu vergleichen.

Das CLAIMS Projekt befasst sich mit der drängenden Herausforderung, (neue) representative claims (politische Repräsentationsansprüche) innerhalb des auf Wahl und Parteienvertretung basierenden politischen Systems der Gegenwart, konzeptuell zu analysieren und zu verstehen. Es werden neue Konzepte und Methoden entwickelt, um die Vielfalt der repräsentativen Ansprüche, welche auf der ganzen Welt entstehen, mittels einer globalen Perspektive zu untersuchen. Wir konzentrieren uns auf die Untersuchung der representative claims anhand von Diskursanalysen.