DFG/ANR-Projekt: Political Representative Claims

A Global View (France, Germany, Brazil, India, China)

Projektkoordinatoren für Deutschland: Prof. Dr. Brigitte Geißel (http://www.fb03.uni-frankfurt.de/42424030/bgeissel)

Wissenschaftliche Projektmitarbeiterin: Dr. Petra Guasti
Studentische Projektmitarbeiterin: Viola Joschko


und Prof. Dr. Thomas Heberer (https://www.uni-due.de/oapol/?page_id=625&lang=en)

Prof. Yves Sin­to­mer, Centre de Recher­ches Socio­lo­gi­ques et Poli­ti­ques de Paris (CRESPPA)
http://www.sintomer.net/

Sté­pha­nie Tawa Lama-Rewal, Centre d’Etudes de l’Inde et de l’Asie du Sud (CNRS-EHESS) Paris
http://ceias.ehess.fr/index.php?1187

Laufzeit: April 2016 – März 2019

Finanzierung: DFG und ANR

 

Projektbeschreibung

Etablierte Formen politischer Repräsentation befinden sich derzeit in einer Krise, sichtbar beispielsweise am sinkenden politischen Vertrauen. Weltweit bilden sich gleichzeitig (neue) Ansprüche politischer Repräsentation (representative claims) heraus. Jedoch konzentriert sich die Forschung nach wie vor weitgehend auf Wahlen bzw. Mandate sowie auf einzelne Länder. Umfassende Analysen aus vergleichend-globaler Perspektive zu (neuen) ‚representative claims‘ fehlen noch weitgehend. Das geplante Forschungsprojekt will einen Beitrag zur Behebung dieser Desiderate leisten. Dabei fokussiert es auf representative claims in Frankreich und Deutschland – zwei führende Demokratien in der Europäischen Union, die derzeit aktiv mit neuen Konzepten von Repräsentation experimentieren – sowie auf drei BRICS-Staaten: Brasilien – die größte Demokratie in Lateinamerika mit innovativen Partizipationsverfahren mit konkurrierenden representative claims –, Indien – die weltweit größte Demokratie und ein Vorreiter im Feld der Quotenregelungen –, sowie China – ein nicht-demokratisches Regime mit gleichwohl spezifischen representativen claims.

Ausgehend von deutscher und französischer politischer Theorie dienen ‚Klassiker‘ politischer Repräsentation als Ansatzpunkt unseres vorläufigen Konzepts. Wir gehen indessen davon aus, dass Repräsentation via Wahlen und Mandat zwar zentral ist, aber für das Verständnis aktueller Entwicklungen nicht mehr ausreicht. Eine weitgehende Perspektive ist notwendig. Unsere Prämisse lautet, dass die Entwicklung politischer Repräsentation eng verzahnt ist mit der Zunahme verschiedener representative claims, d.h. mit Sachverhalten, in denen Akteure den Anspruch erheben, im Namen von anderen zu sprechen und zu handeln. Solche representative claims gehen häufig einher mit einer Kritik an fehlender Repräsentation spezifischer Gruppen und der damit verbundenen Forderung, die Repräsentationsdefizite zu beheben. Obwohl representative claims weltweit zunehmen, fehlen bislang ein Analyserahmen und eine Typologie, die ein grundlegenderes Verständnis dieser Prozesse ermöglichen. Das geplante Forschungsprojekt wird diese konzeptuelle Leerstelle füllen.

Es werden representative claims in den fünf ausgewählten Ländern aus vergleichend-globaler Perspektive identifiziert, analysiert und typologisiert. Dabei konzentrieren wir uns auf zwei Forschungsfelder: 1. Öffentliche Debatten zu representative claims auf nationalstaatlicher Ebene (nationale Parlamente und Medien), und 2. representative claims in partizipativen Verfahren auf lokaler Ebene. Unsere Forschung wird im Wesentlichen auf qualitativen Methoden der Datensammlung beruhen (Dokumenten- und Internetrecherche, teilnehmende Beobachtung, Experteninterviews usw.). Die Datenanalyse erfolgt nach der erweiterten Methode der Representative Claim Analysis. Zur Generalisierung der Fallstudien arbeiten wir mit dem ‚case-thinking‘- Ansatz. Wir werden Muster von und eine Typologie zu representative claims identifizieren – nutzbar für “terminological, classificatory and heuristic means’ (Weber 1921) – sowie Theorien zur Repräsentation weiter entwickeln.