Abschlussbericht

Abschlussbericht zum DFG-Projekt „Ergebnisse dialogorientiert-partizipativer Verfahren. Metaanalytische Pilotstudie zu bundesrepublikanischen Bürgerhaushalten und Lokale-Agenda-21-Prozessen“

 

Das Pilotprojekt verfolgte ein zweifaches Ziel. Erstens führte das Projekt eine systematische Bestandsaufnahme von Befunden zu bundesrepublikanischen dialogorientierten, partizipativen Verfahren durch (inhaltlich), um auf dieser Basis Hypothesen zu testen und Theorien weiter entwickeln zu können. Zweitens testete das Projekt, ob Metaanalysen in einem Feld möglich und lohnenswert sind, in dem qualitative Primärstudien überwiegen (methodologisch).

Zu dialogorient-partizipativen Verfahren lautet die Forschungsfrage nicht länger, ob diese ‚funktionieren‘ oder ‚nicht funktionieren‘ und ob sie ‚gute oder schlechte Effekte‘ haben. Vielmehr lautet die Fragestellung heute, welche dialogorientiert-partizipativen Verfahren mit welchen Akteurskonstellationen bei welchen Problemstrukturen in welchen Kontexten welche Ergebnisse generieren. Das Forschungsprojekt beantwortete diese Frage auf Grundlage einer selbst erstellten Datenbank. Eine solche Datenbank ermöglichte es, existierende Hypothesen empirisch-systematisch zu prüfen und aktuelle Demokratietheorien weiterzuentwickeln. Das Projekt verband dabei deliberations-theoretische Ansätze mit sozialpsychologischen und institutionentheoretischen Perspektiven.

Das zweite, methodologische Ziel fokussierte auftretende Probleme bei der Standardisierung und Quantifizierung qualitativer Daten und geeignete Lösungsmöglichkeiten.

Um die beiden Zielsetzungen des Projekts zu erreichen, wurden wissenschaftliche Fallstudien zu bundesrepublikanischen Bürgerhaushalten und Verfahren der Lokalen Agenda 21 untersucht. Es hat sich gezeigt, dass eine Auswertung der vorhandenen wissenschaftlichen Studien nicht zu einer vollständigen Datenbank führt und weitere Datenerhebungen, beispielsweise die Recherche in Verwaltungsberichten, Protokollen oder Informationen auf Webseiten sowie die Durchführung von Interviews mit Experten (AutorInnen VerwaltungsmitarbeiterInnen, ModeratorInnen) sinnvoll waren.

Aus methodologischer Sicht ist festzuhalten, dass eine Metaanalyse von Fallstudienergebnisse möglich und sinnvoll sowie zeitaufwändig ist. Hinzu kommt, dass möglicherweise zur Füllung der Datenlücken weitere Datenquellen herangezogen werden mussten. Dieser zusätzliche Arbeitsaufwand erwies sich in unserem Fall als ausgesprochen erfolgreich. Viele Datenlücken konnten mit überschaubarem Aufwand geschlossen werden, so dass zu vielen Variablen statistische Berechnungen möglich sind.

Aus inhaltlicher Sicht lassen sich insbesondere zwei Punkte festhalten: Bundesrepublikanische Bürgerhaushalte und Verfahren der Lokalen Agenda 21 hatten nur dann Auswirkungen auf Policy-Entscheidungen, wenn die jeweilige Kommune bereits im Vorfeld finanzielles und inhaltliches Engagement gezeigt hat. Konkret ließen sich entsprechende Effekte nur nachweisen, wenn die Kommune spezielle Mitarbeiter für Beteiligungsverfahren eingestellt hatte und wenn sie sich mittels eines Partizipations-Konzeptes zu strukturierter Bürgerbeteiligung verpflichtet hat. Im Umkehrschluss heißt das: „Billige“ Verfahren („wir machen eine online-Plattform“ oder „wir laden mal alle Bürger zum Gespräch ein“) sowie eine ausschließlich symbolische Teilnahme am bzw. Unterstützung des Verfahrens durch den Bürgermeister oder andere Mitglieder des kommunalen Entscheidungsgremiums waren ohne Policy-Effekte. Keine Effekte hatten ebenfalls der Demokratietyp (Konkordanz- oder Konkurrenzdemokratie) sowie die beiden Faktoren Reichtum und Größe der Kommune. Gab es in der untersuchten Kommune aber bereits Erfahrungen mit dialog-orientieren Verfahren, dann wirkte sich dies positiv auf die Policy-Entscheidungen aus. Ein weiteres interessantes inhaltliches Ergebnis aus dem Pilotprojekt ist, dass eine Vielzahl an Faktoren die Auswirkungen der untersuchten Verfahren auf Political Efficacy erklären können. Entsprechende Effekte ließen sich nachweisen, wenn die Kommune wiederum spezielle Mitarbeiter für Beteiligungsverfahren eingestellt hatte und wenn sie ein Partizipations-Konzept verabschiedet hatte, wenn in der Bürgerschaft dialog-orientierte Verfahren positiv wahrgenommen wurden, wenn die Deliberationsqualität gut war sowie die Verfahren inklusiv waren. Daneben zeigten sich Effekte der untersuchten Verfahren auf Political Efficacy in Abhängigkeit von der Größe und vom Reichtum der Kommune sowie in Abhängigkeit von der Teilnahme an Bürgermeisterwahlen: Je kleiner und reicher eine Kommune ist und je höher die Wahlbeteiligung ist, desto eher verbessern dialog-orientierte Verfahren Political Efficacy.

'Zum ausführlichen Abschlussbericht'

 

Kontakt:

Prof. Dr. Brigitte Geißel (geissel@soz.uni-frankfurt.de)

Dr. Pamela Heß (hess@soz.uni-frankfurt.de)