PROMOTIONEN UND HABILITATIONEN (chronologisch)

2017
Dr. Christoph Bauer

"Subjektorientierung"?
Kritik des Subjektbegriffs in der Didaktik der schulischen politischen Bildung

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Frank Nonnenmacher)

Das autonome Subjekt ist programmatisch Ziel und Ausgangspunkt jeglicher politischer Bildung. Gleichzeitig kann für die wissenschaftliche Politikdidaktik festgestellt werden, dass der Subjektbegriff unterbestimmt ist; je praxisbezogener die fachdidaktischen Konzepte ausfallen, desto deutlicher wird diese Unterbestimmung. Der Autor greift für eine Neubestimmung des didaktischen Anspruchs der Subjektorientierung zunächst auf die Kritische Lernpsychologie Klaus Holzkamps zurück, um das autonom lernende Subjekt zu betonen. Damit dieses Subjekt, das nicht zuletzt unter dem Paradigma der Kompetenzorientierung überhöht angerufen und sozialwissenschaftlich nicht hinterfragt wird, als Begriff der politischen Bildung nicht ausgehöhlt und seines emanzipatorischen Gehalts beraubt wird, erfolgen Anleihen bei der Sozioanalyse Pierre Bourdieus. Mit deren Hilfe können subjektive Theorien (z.B. fachliche Annahmen von SchülerInnen) auf ihre Entstehung und gesellschaftliche Verwobenheit untersucht werden (didaktische Sozioanalyse). Erst dadurch erscheint es möglich, politische Bildung so zu denken, dass Lernende in ihren sozialen Handlungsspielräumen und -grenzen gesehen und pädagogische Arbeiten entwickelt werden können, die die je individuelle Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten (Emanzipation) als Ziel verfolgen.


2016

Marie Winckler

Politische Selbstbilder und politische Bildung. Eine rekonstruktive Studie mit Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Tim Engartner)

Wie werden wir zu politisch denkenden und handelnden Menschen? Diese Frage beschäftigt die politische Sozialisationsforschung und die Entwicklungspsychologie ebenso wie die Forschung im Feld der politischen Bildung. Schenkt man Jugendstudien und ihrer medialen Rezeption Glauben, ist das Verhältnis zwischen Politik und Jugend von Enttäuschung und Entfremdung gekennzeichnet. Unklar bleibt dabei aber oft, was Jugendliche eigentlich genau meinen, wenn sie zum Ausdruck bringen, sich nicht für Politik zu interessieren – denn was ist für sie politisch? Das Dissertationsprojekt rekonstruiert, auf welche Art und Weise Heranwachsende mit der Entwicklungsaufgabe der politischen Identitätsbildung umgehen, welche politischen Selbstbilder sie in der Auseinandersetzung mit welchen Erfahrungs- und Deutungsgemeinschaften entwickeln und in welchem Verhältnis dazu ihre Erfahrungen im Politikunterricht stehen. Die empirische Basis des Projekts bilden Leitfadeninterviews mit 13 bis 15-jährigen Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulformen, die mit Hilfe der Dokumentarischen Methode interpretiert werden. Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer Typologie politischer Selbstbilder sowie die Beschreibung von Möglichkeiten, Grenzen und verpassten Chancen der Herstellung von Passungsverhältnissen zwischen Politikunterricht einerseits und politischen Selbstbildern von Schülerinnen und Schülern andererseits.