Forschung - Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über unsere derzeitigen Forschungsinteressen und aktuelle und abgeschlossene Projekte. Informationen zu abgeschlossenen Forschungsarbeiten lassen sich zusätzlich unserer Publikationsliste entnehmen.

Aktuelle Projekte und Forschungsinteressen:

Offene oder geschlossene internationale Organisationen: Bedingungen für Politikwandel durch Kontestation (DFG-Sachbeihilfe)

Internationale Organisationen (IO) sind heute zentral an der Entwicklung, Interpretation und Überwachung der Einhaltung internationaler Regeln beteiligt. Mögliche Ineffizienzen in ihrer Arbeit erklärten Forscher*innen lange zum einen mit spezifischen Prinzipal-Agenten-Konstellationen, zum anderen mit der fortschreitenden Bürokratisierung solcher Organisationen. 

Diese Analyse scheint inzwischen überholt. Ein weltweiter Trend zu New Public Management, also zu Flexibilisierung, zu mehr Konkurrenz zwischen internationalen Organisationen sowie zu Kurzzeitbeschäftigung und Beraterverträgen hat Spuren hinterlassen. Inwiefern transnationale professionelle Netzwerke zu einer Verflüssigung und Informalisierung von internationalen Organisationen beitragen, soll in diesem Projekt untersucht werden. Außerdem wird der Frage nachgegangen, unter welchen Bedingungen internationale Organisationen ihre Politik als Reaktion auf Kontestation durch Betroffene, die von internationalen Normen und Regeln, die IOs verbreiten, eigentlich geschützt werden sollen, wandeln. Empirisch untersucht das Projekt die Organisationen WHO, ILO, UNODC und UNICEF in den Politikfeldern Kinderarbeit, Drogenkonsum und -handel, weibliche Genitalverstümmelung/-beschneidung und Menschenhandel.

Principal Investigator: Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann

MitarbeiterInnen: Dr. Nele Kortendiek, Lily Young

Laufzeit: 2019 - 2023

 

FARRIO – The Effects of Far-right Challenges on International Organizations

Das Projekt ist dem Erstarken der Neuen Rechten in der internationalen Politik gewidmet. FARRIO untersucht, welche Effekte transnationale Aktivitäten der Neuen Rechten auf die Europäische Union, die Vereinten Nationen sowie ihre Unterorganisationen in verschiedenen Politikbereichen haben. Konkret untersucht das Projekt die transnationalen Interaktionen von Regierungen mit Beteiligung der Neuen Rechten, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Bewegungen in den Feldern Migration, Frauenrechte, Gesundheit sowie Klimawandel.

Principal Investigator: Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann

MitarbeiterInnen: NN

Laufzeit: 2022-2027

 

Projekt im Rahmen von TraCe: Regional Research Center Transformations of Political Violence“

Der Bereich der friedlichen Konfliktbeilegung hat in den letzten 25 Jahren einen wahren Schub der Internationalisierung und Institutionalisierung erlebt. Peacekeeping-Missionen erhalten immer umfangreichere Mandate und brauchen größere Truppenunterstützung. Sogenannte Peacebuilding-Aktivitäten nehmen inzwischen einen Großteil der Portfolios zahlreicher internationaler Organisationen und auch vieler nationaler Entwicklungshilfeorganisationen ein. Ebenfalls wird eine Vielzahl neuartiger Institutionen erprobt (vom Internationalen Strafgerichtshof bis zu hybriden Investigationskommissionen in Nachkriegsländern). 

Zugleich haben komplexe Konflikte wie im Irak, in Syrien oder Afghanistan eine gewisse Interventionsmüdigkeit bei vielen Staaten hervorgerufen. Das frühere Ziel der nachhaltigen Friedensschaffung durch die Etablierung demokratischer Institutionen wird abgelöst durch ein neues Interesse an lokalen Lösungen, also zum Beispiel indigener Rechtsprechung oder Stammesjustiz, und an mehr „Ownership“ durch Regierungen in Konfliktgebieten. Die Umsetzungen und Auswirkungen dieses Dilemmas zwischen immer weiterer Internationalisierung bei gleichzeitiger Suche nach lokalen Lösungen ist der Fokus der Forschung zu internationalen Institutionen und Wandel politischer Gewalt.

PI: Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann im Rahmen des Verbunds TraCe

MitarbeiterIn: NN

Laufzeit: 2022-2026

 

Spezialisierung in der multilateralen Diplomatie

Außerdem wandelt sich die Art, wie Staaten in multilateralen Entscheidungsgremien innerhalb von internationalen Organisationen Politik betreiben. In vielen Bereichen beobachten wir einen Trend zur Spezialisierung – also weg von der Beschickung durch Karrierediplomaten hin zur Entsendung von ExpertInnen aus Fachministerien. In der bestehenden IB-Forschung wird das als effiziente, entpolitisierende Strategie beschrieben. Diese Spezialisierung scheint jedoch ungeplante Nebenwirkungen zu entfalten, wie in einem zweiten Projekt untersucht werden soll.

Aktuell in der Ausarbeitung

 

Abgeschlossene Projekte: 2015-2018

Internationale Normen im Streit: Kontestation und Normrobustheit (DFG-Sachbeihilfe)

Die zunehmende Umstrittenheit von Normen und Regimen der multilateralen Weltordnung liegt im Zentrum dieses Forschungsprojekts. Zum einen beobachten wir die Infragestellung vieler internationaler Normen und Regelwerke, die lange Zeit als unantastbar galten – auch durch Staaten, die entscheidend an ihrer Entwicklung beteiligt waren. Aktuelle Beispiele sind das internationale Folterverbot, der Atomwaffensperrvertrag oder die Klimarahmenkonvention. 

Zum anderen finden zentrale Machtverschiebungen im internationalen System statt. Die Dominanz des „liberalen“ Wertekonsens, getragen von einer westlichen Koalition im internationalen System seit den 1990er Jahren, scheint zu bröckeln. Zudem übernehmen „nicht-westliche“ Staaten und Regionen immer wichtigere Rollen im internationalen System. Führt dies zu einem Verfall existierender internationaler Normen – oder zu einer erneuten Stärkung? Inwiefern werden die Bedeutungen internationaler Regeln in unterschiedlichen Kontexten lokalisiert und verändert, zum Beispiel die Internationale Schutzverantwortung in China oder Brasilien? Wann haben solche Lokalisierungen Rückwirkungen auf einen globalen Konsens über bestehende internationale Normen und Regime? 

PI: Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann

MitarbeiterInnen: Dr. Max Lesch, Antonio Arcudi

Laufzeit: 2015-2018