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Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Meldungen der Professur „Industrie- und Organisationssoziologie".

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Verdeckter Widerstand in demokratischen Gesellschaften

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Digitaler Vortrag von Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty am 18. Januar 2022, 16 Uhr c.t. i.R.d. Vortragsreihe "Kritische Soziologie"

Verdeckten Widerstand, so könnte man glauben, gab und gibt es nur in vordemokratischen, kolonialisierten und autoritär geführten Gesellschaften. In der Tat ist die Existenz verdeckten Widerstands unter demokratischen Bedingungen erklärungsbedürftig, da in Demokratien doch prinzipiell alles kritisierbar und der öffentlichen Deliberation zugänglich sein sollte. Die eher programmatisch-konzeptionellen Überlegungen sollen indessen zeigen, dass in einigen Bereichen gegenwärtiger Demokratien vielfältige Formen der verborgenen Auflehnung, Gegenwehr und Dissidenz zu finden sind. Diese Formen verdeckten, klandestinen oder getarnten Widerstands sagen diagnostisch viel über demokratische Gesellschaften und ihre Missstände im Normalbetrieb aus, wie der auf einer Buchpublikation beruhende Vortrag zeigen soll. Was ist an Demokratien falsch, wenn sich Widerstand in weiten gesellschaftlichen Bereichen nur im Verborgenen zu äußern vermag? Was ist möglicherweise am Widerstand und seinen Begründungsmustern problematisch, wenn sie sich der öffentlichen Artikulation entziehen? Das sind die Fragen, denen sich der Vortrag widmet.

Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Familien- und Jugendsoziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Alle Vorträge finden c.t. über Zoom statt; bitte melden Sie sich unbedingt bei OLAT an:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/13252886582?2

Koordination AG Kritische Soziologie -
Birgit Blättel-Mink (Goethe Universität) und Susanne Martin (IfS)
Kontakt: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de


Von Rätseln, Widersprüchen und Reflexionsblockaden - Auseinandersetzungen mit Ansätzen der Kritischen Theorie für eine reflexiv-empirische Sozialforschung

Soziologie magazin sonderheft 6

von Luki Schmitz, Birgit Blättel-Mink und Patrick Mayer (Hrsg.)

Im Soziologie Magazin, Sonderheft 6, 2021 wird anhand von fünf Forschungsprojekten aufgezeigt wie die Prämissen der Kritischen Theorie – Denken in Widersprüchen, Notwendigkeit immanenter Kritiken oder die Beziehungsformen von Subjekt und Macht – wichtige Aspekte für empirische Forschungsvorhaben darstellen. Durch diese Verbindung entstehen Forschungsperspektiven, die weder Individualkritik ohne Struktur, noch Systemkritik ohne Subjekt unternehmen.

Kurzbeschreibung zu den Forschungsprojekten:

In ihrem Text Kapitalismus und Umweltschutz? Eine kritische Analyse zur medialen Reproduktion der kapitalistischen Totalität im Umweltschutzdiskurs setzen sich Luca Börner, Anita Schenker, Marcel Schwartz und Bianca Seifried kritisch-diskursorientiert mit der Thematisierung von Umweltpolitik im Magazin SPIEGEL auseinander. Hierbei kommen sie zu der Erkenntnis, dass es eine geteilte Norm des Umweltschutzes gibt, auf die in der Berichterstattung des SPIEGELs Bezug genommen wird. Dabei teilt sich die Verantwortungszuschreibung zur Erfüllung der Norm jedoch auf die Felder Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf. Diese Trennung führt letztlich zu einer Verantwortungsdiffusion. Diese kann insofern als ideologisch verstanden werden, als dass sie die Möglichkeit bietet, einer notwendigen zusammenhängenden, gemeinsamen und damit gesamtgesellschaftlichen Erarbeitung von Lösungen für den Umweltschutz zu entkommen."

Helen Greiner, Matti-Léon Klieme, Hannah Krugmann und Georgios Mantikos nehmen in ihrem Text Bezug auf ein mediales Add-On: Werbung. Mittels einer hermeneutisch angelegten Videoanalyse zeigen sie in Love Sells. Romantische Liebe als Substitut? Ein kritischer Blick auf die kulturindustrielle Darstellung romantischer Liebe, inwiefern hegemoniale Formen romantischer Liebe in der Werbung genutzt und reproduziert werden. Durch die fetischisierte Kopplung von Liebe und Ware werden Vorstellungen von utopischen Ausbrüchen und paradiesischen Zuständen im Warenkonsum eingehegt.

Mittels einer tiefenhermeneutischen Analyse einer Gruppendiskussion werfen Melissa Dutz, Johanna Thiel und Irini Isho einen Blick auf Soziales Leiden an der neoliberalen Hochschule. Sie arbeiten heraus, dass es zu einem Widerspruch kommt zwischen der Hochschule als Ort der Reflexion, Auseinandersetzung sowie Kritik und der Unmöglichkeit, Leidenserfahrungen in diesem System gegenüber Mitstudierenden und der Hochschule zu artikulieren. Vielmehr wird der Druck, eine produktive und starke Subjektivität auszubilden, deutlich und damit eine Reflexion von Stress, Leiden, Enttäuschung blockiert.

Der Titel „Ich bin noch lang nicht ReSo“ des Beitrags von Juliane Ohnemus und Hannah Zoller ist ein Interviewzitat von einer jungen Person in einem deutschen Gefängnis. Mittels weiterer Interviews arbeiten die Autor:innen heraus, inwieweit der Resozialisationsprozess im Gefängnis einer gesellschaftlichen Integration durch Erwerbsarbeit dient. Deutlich wird, dass Arbeiten, klare Aufgaben und ein geregelter Tagesablauf als positive Erfolgsmarker von den jungen Inhaftierten selbst internalisiert werden, eine Reflexion über die Sinnhaftigkeit von Gefängnis jedoch verunmöglicht wird.

Der These, dass Stadtplanung und Häuserbau nicht bloße Konstruktions- und Bauarbeiten, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse sind, folgen Gero Alexander Robert Menzel und Tobias Reuss in ihrer Arbeit Architektur und Ideologie – Tiefenhermeneutische Analysen von Erlebnisweisen der Neuen Frankfurter Altstadt. Mit der tiefenhermeneutisch angelegten Methode des Lauten Denkens suchen sie nach Affekten, Szenen und spontanen Deutungen beim Durchqueren der Altstadt. Deutlich wird dabei eine Ambivalenz, die durch städtebauliche Rekonstruktion entsteht: Welche Geschichte wird erzählt, was soll übersehen oder vergessen werden?

Hrsg.
Luki Schmitz arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiter:in am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Dr. Birgit Blättel-Mink ist Professorin für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Patrick Mayer studiert im Master Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Soziologiemagazin, Sonderheft 6, DOI: https://doi.org/10.5281/zenedo.5347947

Link zum Heft: https://soziologieblog.hypotheses.org/soziologiemagazin


Gesellschaft unter Spannung. Verhandlungen des 40. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 2020

Dgs kongressband 2020

Birgit Blättel-Mink (Hrsg.)

Gesellschaft unter Spannung.
Beiträge des 40. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, digital, vom 14. - 24. September 2020.
veröffentlicht: 30.09.2021

https://publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband_2020/issue/view/54


Rassismus. Macht. Vergessen. Von München über den NSU bis Hanau: Symbolische und materielle Kämpfe entlang rechten Terrors

VERSCHOBEN - neuer Termin wird bekannt gegeben - Digitaler Vortrag von Dr. Onur Suzan Nobrega i.R.d. Vortragsreihe "Kritische Soziologie"

Alle Vorträge finden c.t. über Zoom statt; bitte melden Sie sich unbedingt bei OLAT an:
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Koordination AG Kritische Soziologie -
Birgit Blättel-Mink (Goethe Universität) und Susanne Martin (IfS)
Kontakt: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de

Plakat Gesamtübersicht Vortragsreihe WS 21/22


Community-Kapitalismus und die neue Kultur der Umsonst-Arbeit

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Digitaler Vortrag von Dr. Tine Haubner am 02.11.2021, 16 Uhr c.t., i.R.d. Vortragsreihe "Kritische Soziologie"

Der Gegenwartskapitalismus steckt nicht nur in einer ökonomischen, sondern längst auch in einer ökologischen, politischen und sozialen Funktionskrise. Die multiplen Krisendynamiken der letzten Jahre verdichten sich zudem zu einer Krise der sozialen Reproduktion: Jahrzehnte der Privatisierung, Deregulierung und Kommodifizierung haben private und öffentliche Sorgekapazitäten erodieren lassen, auf die der Kapitalismus mit seiner strukturellen „Sorglosigkeit“ konstitutiv angewiesen ist.

Hat sich der neoliberale Kapitalismus also gewissermaßen selbst zu Tode gesiegt? Nein – lautet die Antwort. Der Kapitalismus stellt vielmehr aufs Neue seine enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis, nimmt vom jahrelang gepredigten radikalen Individualismus Abstand und treibt die Suche nach gemeinschaftsförmigen Krisenlösungen voran. Unbezahlte Arbeit war und ist das Lebenselixier des Kapitalismus: Nicht nur die modernisierungstheoretisch gerahmte Hoffnung der Durchsetzung regulärer Lohnarbeit bleibt im globalen Maßstab unerfüllt; auch in den Zentren des globalen Nordens ist eine Rückkehr informeller, rechtlich ungeschützter Arbeitsverhältnisse zu beobachten. Und je weniger selbstverständlich unbezahlte Arbeit im Privathaushalt erbracht wird, desto größer wird die Bedeutung informeller Sorgearbeit außerhalb der Familie, die in Zeiten der Krise der sozialen Reproduktion zum Gegenstand politischer Steuerung und Aktivierung avanciert.

Vor diesem Hintergrund diskutiert der auf einer aktuellen Publikation beruhende Vortrag die Bedeutung des Community-Kapitalismus, dessen politische und moralische Ökonomie sich durch die Verzivilgesellschaftlichung der sozialen Frage und die Verknüpfung von nicht regulär entlohnter Arbeit und Gemeinschaftspolitik auszeichnet: Wie verändert sich das Verhältnis von Markt, Staat, Familie und Zivilgesellschaft? Erleben wir eine Informalisierung von Arbeit und Sorge im Gewand neuer Gemeinschaftlichkeit? Und was bedeutet das für unser Verständnis von sozialen Rechten?

Dr. Tine Haubner ist Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und forscht im Bereich Kapitalismus- und Gesellschaftstheorie sowie zur Arbeitsgesellschaft, insbesondere zu informellen oder unbezahlten Arbeitstätigkeiten, Reproduktions- und Sorgearbeit sowie freiwilliges Engagement.

Alle Vorträge finden c.t. über Zoom statt; bitte melden Sie sich unbedingt bei OLAT an:
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Koordination AG Kritische Soziologie -
Birgit Blättel-Mink (Goethe Universität) und Susanne Martin (IfS)
Kontakt: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de

Plakat Tine Haubner

Plakat Gesamtübersicht Vortragsreihe WS 21/22


Vortragsreihe Kritische Soziologie im WS 2021/22

Kritische soziologie ws 2021 22

Ihr Verständnis der Soziologie als einer Instanz der kritischen gesellschaftlichen Selbstreflexion hat die Frankfurter Soziologie weltweit bekannt gemacht und auch heute noch ist das (inter-)nationale Bild der Frankfurter Soziologie hiervon geprägt. Die AG Kritische Soziologie, die sich vor einigen Jahren aus einer Kooperation von Industrie- und Organisationssoziolog*innen am IfS (Institut für Sozialforschung) und am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften heraus entwickelt hat, wird auch im WS 2021/22 ihre erfolgreiche Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ fortführen.

Dr. Tine Haubner
Friedrich-Schiller Universität Jena
Dienstag, 02. November 2021, 16 – 18 Uhr
Community-Kapitalismus und die neue Kultur der Umsonst-Arbeit

Dr. Onur Suzan Nobrega
Goethe-Universität Frankfurt am Main
VERSCHOBEN - Neuer Termin wird bekannt gegeben !
Rassismus.Macht.Vergessen.
Von München über den NSU bis Hanau: Symbolische und materielle Kämpfe entlang rechten Terrors

Almut Poppinga und Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty
Institut für Sozialforschung (IfS) / Goethe-Universität Frankfurt am Main
Dienstag, 18. Januar 2022, 16 – 18 Uhr
Verdeckter Widerstand in demokratischen Gesellschaften

PD Dr. Susanne Schultz
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Dienstag, 15. Februar 2022, 16 – 18 Uhr
Anti-Malthusianismus in Zeiten des Klimawandels: Die Perspektive der reproduktiven Gerechtigkeit
(zugleich Antrittsvorlesung zur Privatdozentin am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften)

Alle Vorträge finden c.t. über Zoom statt; bitte melden Sie sich unbedingt bei OLAT an:
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Koordination AG Kritische Soziologie -
Birgit Blättel-Mink (Goethe Universität) und Susanne Martin (IfS)
Kontakt: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de

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Handbuch Innovationsforschung - Sozialwissenschaftliche Perspektiven

Handbuch innovationsforschung cover

von Birgit Blättel-Mink, Ingo Schulz-Schaeffer, Arnold Windeler (Hrsg.)

Das neu erschienene Handbuch erörtert umfassend das komplexe Gebiet der sozialwissenschaftlichen Innovationsforschung. Es ordnet die Innovationsforschung geschichtlich, begrifflich und vom Gegenstand her ein. Es präsentiert etablierte und sich neu herausbildende theoretische Ansätze der sozialwissenschaftlichen Innovationsforschung. Und es informiert über empirische Befunde und Entwicklungen aus einer Vielzahl von Bereichen und Feldern der Innovation.

Hrsg:
Dr. Birgit Blättel-Mink
ist Professorin für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Dr. Ingo Schulz-Schaeffer ist Professor für Soziologie an der Technischen Universität Berlin.
Dr. Arnold Windeler ist Professor für Soziologie an der Technischen Universität Berlin.

Handbuch Innovationsforschung: Sozialwissenschaftliche Perspektiven; Springer Fachmedien Wiesbaden, 2021, 1043 Seiten

Weitere Informationen


Nachhaltige Entwicklung in einer Gesellschaft des Umbruchs

Cover nachhalt  entwicklung 2021 978 3 658 31466 8

von Birgit Blättel-Mink, Thomas Hickler, Sybille Küster, Henrike Becker (Hrsg.)

Dieses Open Access Buch befasst sich mit Nachhaltiger Entwicklung unter Bedingungen eines rasanten globalen Wandels. Noch nie waren Menschen global so vernetzt und Informationen wurden so schnell um den Globus ausgetauscht wie heute, und trotzdem bestehen massive Ungleichheiten bei der gerechten Verteilung von Ressourcen, dem Schutz von Menschenrechten, dem Schutz der Natur und den gewährten Hilfestellungen bei der Anpassung an den Klimawandel. Wir greifen so stark in das Erdsystem ein, dass man zunehmend von einem durch den Menschen geprägten Erdzeitalter spricht, dem „Anthropozän“. Um die für eine Begrenzung des Klimawandels und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen unabdingbaren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationen durchzusetzen, müssen wir es wagen, eine andere Welt zu denken und die Schranken in unseren Köpfen hinterfragen. Eine interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung kann hierzu wichtige Beiträge liefern.

Die Herausgebenden

Prof.*in Dr. Birgit Blättel-Mink lehrt Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Prof. Dr. Thomas Hickler arbeitet am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (SBiK-F) in Frankfurt am Main und lehrt Biogeographie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Dr. Sybille Küster und Dr. Henrike Becker arbeiten bei GRADE - Goethe Research Academy for Early Career Researchers – an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
Nachhaltige Entwicklung in einer Gesellschaft des Umbruchs; Springer VS OPEN ACCESS, 2021, 249 Seiten

Weitere Informationen


Innovationen des Wirtschaftens

Handbuch innovationsforschung cover

neuer Beitrag von Birgit Blättel-Mink und Barbara Brandl

Blättel-Mink, Birgit / Brandl, Barbara (2020): Innovationen des Wirtschaftens. In: Blättel-Mink, Birgit / Schulz-Schaeffer, Ingo / Windeler, Arnold (Hrsg.) Handbuch Innovationsforschung. Wiesbaden: Springer VS (online first).


Polizieren von Schwarzsein in Europa. Zur Intersektionalität von I can’t breathe und abolitionistischer Flüchtigkeit

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Digitaler Vortrag von Dr. Vanessa Thompson (Europa Uni.Viadrina, Frankf.Oder) am 13.07.2021, 16-18 Uhr i.R.d. Vortragsreihe "Kritische Soziologie"

Die globalen Proteste und Mobilisierungen für Schwarze Leben nach dem Tod von George Floyd, Breonna Taylor und Tony McDade haben auch in Deutschland zu öffentlichen Auseinandersetzungen und kontroversen Debatten über Rassismus und polizeiliche Diskriminierung und Gewalt geführt. Anti-rassistische Bewegungen und selbstorganisierte Initiativen verweisen bereits seit mehreren Jahren darauf, dass auch in Deutschland und Europa rassistisches Polizieren für viele Menschen zum Alltag gehört. Der Beitrag untersucht polizeiliche Diskriminierung vor dem Hintergrund rassistischer Konjunkturen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz aus einer schwarz-feministischen Perspektive. In Auseinandersetzung mit kritischen Theorien der Polizei und mit Bezug auf ein ethnographisches Projekt mit rassismuskritischen Kollektiven werden intersektionale Gewaltmodalitäten des differentiellen Polizierens als Artikulation der punitiven Wende untersucht. Abschließend werden soziale Kämpfe gegen Polizeigewalt sowie Politiken der Flüchtigkeit und ihr Verhältnis zu abolitionistischer Demokratie (W.E.B. Du Bois) ausgelotet.

Der Vortrag findet über Zoom statt, bitte melden Sie sich bei folgendem Olat-Ordner an:
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Ihr Verständnis der Soziologie als einer Instanz der kritischen gesellschaftlichen Selbstreflexion hat die Frankfurter Soziologie weltweit bekannt gemacht und auch heute noch ist das (inter-)nationale Bild der Frankfurter Soziologie hiervon geprägt. Die AG Kritische Soziologie, die sich vor einigen Jahren aus einer Kooperation von Industrie- und Organisationssoziolog*innen am IfS (Institut für Sozialforschung) und am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften heraus entwickelt hat, wird auch im nächsten Semester ihre erfolgreiche Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ fortführen.

Koordination: Birgit Blättel-Mink und Luigi Wenzl
Kontakt: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de


Die Neue Frankfurter Altstadt - Tiefenhermeneutische Zugänge zu Architektur und Ideologie

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Digitaler Vortrag von Gero Menzel und Tobias Reuss am 22.06.2021, 16 -18 Uhr im Rahmen der Vortragsreihe "Kritische Soziologie"

An die Versuche anschließend, Kritische Theorie und kritische Soziologie mit Psychoanalyse zu verknüpfen, eröffnet sich für die Gesellschaftswissenschaften ein empirischer Zugang, der von jener allerdings nur sehr verhalten behandelt wird. Dabei bedarf kritische Gesellschaftswissenschaft der Psychoanalyse, will sie die Erlebnisstrukturen und Erlebnisweisen der Subjekte in ihre Analyse miteinbeziehen und sich ihrer Forschungsobjekte als lebendiger Individuen gewahr werden. Es gilt somit Synergieeffekte herzustellen zwischen einer von der Psychoanalyse inspirierten Erlebnisanalyse und einer gesellschaftswissenschaftlich organisierten Ereignisanalyse.
Forschungspraktisch realisieren sich diese Überlegungen beispielhaft in Alfred Lorenzers Texten zur Tiefenhermeneutik und den daran anknüpfenden methodologischen Ansätzen. Die mit der Tiefenhermeneutik zur Methode empirischer Forschung umgearbeitete Psychoanalyse bietet einen Ansatzpunkt für kritische Sozialforschung. Lorenzers Überlegungen greifen die Ausführungen Adornos und Horkheimers zu Psychologie und Psychoanalyse auf. Daraus entwickelt er ein (tiefen)hermeneutisches Verfahren, welches individuelles Erleben und individuelle Praxis im Spannungsfeld von leiblicher Triebbestimmtheit und Sprache verortet. Unter den Vorzeichen dieser Vermittlung rückt die kritische Analyse individueller Erlebnisstrukturen in den Blick.
Daran versuchen wir mit unserem, aus einem Forschungsseminar „Empirische Sozialforschung in der Tradition Kritischer Theorie“ angeboten von Birgit Blättel-Mink und Luki Schmitz hervorgegangenem, Forschungsprojekt anzuknüpfen: Anhand des Beispiels einer sozialpsychologischen Analyse der Erlebnisstrukturen der zuletzt breit diskutierten Frankfurter Neuen Altstadt, die sich auf die Entwürfe einer tiefenhermeneutischen Architekturanalyse nach Søren Nagbøl beruft, sollen kritische Potentiale und Limitationen einer psychoanalytisch inspirierten empirischen Sozialforschung herausgestellt werden. Das Forschungsprojekt zielt dabei darauf ab, die Erlebnisweisen in ihrem geographisch-architekturellen und sozialen-gesellschaftlichen Kontext herauszuarbeiten und für eine Analyse des Ensembles Neue Altstadt fruchtbar zu machen, dies soll im Vortrag abschließend reflektiert werden.

Der Vortrag findet über Zoom statt, bitte melden Sie sich bei folgendem Olat-Ordner an:
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Zur Hypostasierung des Lebensverlaufs in der Sozialstrukturanalyse. Ein Einblick in kritischer Absicht

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Digitaler Vortrag von PD Dr. Yasemin Niephaus am 01.06.2021, 16 - 18 Uhr im Rahmen der Vortragsreihe Kritische Soziologie

Die Lebensverlaufsforschung ist innerhalb des Forschungsbereichs der Sozialstrukturanalyse sehr wirkmächtig. Dies lässt sich beispielsweise dadurch belegen, dass die meisten Inhaber und Inhaberinnen von Professuren und Lehrstühlen zur Sozialstrukturanaylse diese zumeist aus der Perspektive der Lebensverlaufsforschung betreiben.
Es wäre möglich, diese Entwicklung als Ausdruck des durch die Lebensverlaufsforschung ermöglichten Erkenntnisgewinns über die Sozialstruktur zu betrachten. Diese Interpretation mag sich unter Zugrundelegung einer verteilungsstrukturellen Konzeption von Sozialstruktur anbieten. Allerdings wurde diese bereits mehrfach kritisiert bezüglich ihres mangelnden Beitrages zur soziologischen Kernaufgabe, die Verfasstheit von Gesellschaften zu analysieren. Autoren wie Karl-Martin Bolte, Friedrich Fürstenberg, Max Haller und Stanley H. Udy sind hier beispielhaft zu nennen.
Steht nicht der mit einer verteilungsstrukturellen Konzeption von Sozialstruktur einhergehende Gliederungsaspekt von Struktur im Vordergrund, sondern vielmehr der Gefügeaspekt des Strukturbegriffes, kann man nicht umhin, die Lebensverlaufsforschung als eine Geschichte der Hypostasierung von Sozialstruktur zu lesen, die Qualität des Lebensverlaufs als Kategorie der Sozialstrukturanalyse in Frage zu stellen und diesen vielmehr als Ausdruck einer längsschnittlichen Perspektive auf individuell verortbare Struktureinflüsse zu interpretieren, wobei die Qualität der Struktureinflüsse nicht im Vordergrund der Betrachtung steht.

Der Vortrag findet über Zoom statt, bitte melden Sie sich bei folgendem Olat-Ordner an:
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Ihr Verständnis der Soziologie als einer Instanz der kritischen gesellschaftlichen Selbstreflexion hat die Frankfurter Soziologie weltweit bekannt gemacht und auch heute noch ist das (inter-)nationale Bild der Frankfurter Soziologie hiervon geprägt. Die AG Kritische Soziologie, die sich vor einigen Jahren aus einer Kooperation von Industrie- und Organisationssoziolog*innen am IfS (Institut für Sozialforschung) und am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften heraus entwickelt hat, wird auch im nächsten Semester ihre erfolgreiche Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ fortführen.

Koordination: Birgit Blättel-Mink, Friedericke Hardering und Luigi Wenzl
Kontakt: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de


Mehr als ein Lückenfüller: Zivilgesellschaftliche Solidarität im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaats

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Digitaler Vortrag von Dr. Mike Laufenberg am 27.04.21, 16 - 18 Uhr im Rahmen der Vortragsreihe Kritische Soziologie

Auch im SoSe 2021 veranstalten wir wieder eine Vortragsreihe zur Kritischen Soziologie. Wir starten mit  Dr. Mike Laufenberg, der im SoSe 2021 Prof. Dr. Sarah Speck vertritt.

Mehr als ein Lückenfüller: Zivilgesellschaftliche Solidarität im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaats

Nachdem zivilgesellschaftliches Engagement in den (kritischen) Sozialwissenschaften lange eher affirmativ erforscht wurde, entwickelt sich seit geraumer Zeit ein regelrechter Zivilgesellschaftspessimismus. Insbesondere die kritische politische Ökonomie des sozialen Engagements wendet ein, dass freiwillige Arbeit im Kontext einer anhaltenden sozialen Reproduktionskrise zunehmend sozialpolitisch instrumentalisiert wird, um strukturelle Defizite in der sozialen Daseinsvorsorge zu kompensieren. Diese Lückenfüllerthese greift jedoch zu kurz, um das widersprüchliche Verhältnis von Zivilgesellschaft und Sozialstaat angemessen zu fassen. Um das zu korrigieren, gilt es, analytisch jene emanzipatorischen Rationalitäten und Potenziale zivilgesellschaftlichen Engagements in den Blick zu nehmen, die eine Kritik an den Unzulänglichkeiten und Zumutungen des Wohlfahrtskapitalismus enthalten. Das 'sorgende Gemeinwesen' rückt damit als Schauplatz für politische und soziale Kämpfe um Umverteilung, Anerkennung und Partizipation in den Blick, dessen Mobilisierungs- und Organisierungspotenziale soziologisch systematischer zu untersuchen sind.

Der Vortrag findet über Zoom statt, bitte melden Sie sich bei folgendem Olat-Ordner an:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/8242298883

Ihr Verständnis der Soziologie als einer Instanz der kritischen gesellschaftlichen Selbstreflexion hat die Frankfurter Soziologie weltweit bekannt gemacht und auch heute noch ist das (inter-)nationale Bild der Frankfurter Soziologie hiervon geprägt. Die AG Kritische Soziologie, die sich vor einigen Jahren aus einer Kooperation von Industrie- und Organisationssoziolog*innen am IfS (Institut für Sozialforschung) und am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften heraus entwickelt hat, wird auch im nächsten Semester ihre erfolgreiche Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ fortführen.

Koordination: Birgit Blättel-Mink, Friedericke Hardering und Luigi Wenzl
Kontakt: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de


George Ritzer: Die McDonaldisierung der Gesellschaft

neuer Beitrag von Birgit Blättel-Mink und Dirk Dalichau

Blättel-Mink, Birgit / Dalichau, Dirk (2021): George Ritzer: Die McDonaldisierung der Gesellschaft. In: Kraemer, Klaus / Brugger, Florian (Hrsg.). Schlüsselwerke der Wirtschaftssoziologie. Wiesbaden: Springer VS, S.307-312.


Die Doppelmoral von der Geschicht': Die wohlfahrtsstaatliche Erzählung auf dem Prüfstand

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Digitaler Vortrag von Stephan Lessenich im Rahmen der Vortragsreihe "Kritische Soziologie" am 19. Januar 2021, 16 -18 Uhr

In der wissenschaftlichen Selbstbeschreibung des europäischen Wohlfahrtsstaats ist eine Erzählung dominant, die ihn als – wenn auch national unterschiedlich ausgeprägte – weltweit einzigartige Form der Institutionalisierung sozialer Solidarität versteht, die seit den 1980er-Jahren durch die neoliberale Transformation (gleichsam von außen) in Gefahr geraten sei. Der Beitrag setzt dieser Erzählung eine andere entgegen: Auch schon vor der „neoliberalen Revolution“ lebte das europäische Solidaritätsarrangement davon, dass es auf Kosten eines gesellschaftlichen „Außen“ organisiert wurde und systematisch Dritte schädigte. Solidarität in den europäischen „Externalisierungsgesellschaften“ funktioniert nur als exkludierende: Sie ist durch strukturelle soziale Schließungen nach innen, insbesondere aber – vermittelt über die Institution der „citizenship“ – nach außen charakterisiert. Insofern zeichnet sich das europäische Wohlfahrtsnarrativ durch eine fundamentale normative Selbstüberschätzung aus: Indem er „Solidarität“ eindimensional als nationalgesellschaftlichen Zusammenhalt ausbuchstabiert, verfährt der Wohlfahrtsstaat tatsächlich nach einem doppelten moralischen Standard.

Stephan Lessenich ist Professor für soziale Entwicklungen und Strukturen am Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Seine Lehr- und Forschungsinteressen liegen in den Bereichen von Wohlfahrtsstaatstheorie und Kapitalismusanalyse, der politischen Soziologie sozialer Ungleichheit sowie der Soziologie des Alter(n)s.

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AG Kritische Soziologie

Koordination:     Birgit Blättel-Mink, Friedericke Hardering und Luigi Wenzl
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Nachhaltiger Konsum, Prosuming und Digitalisierung

Consumer social responsibility

neuer Beitrag von Birgit Blättel-Mink

Blättel-Mink, Birgit (2020) Nachhaltiger Konsum, Prosuming und Digitalisierung - Gegenkultur(en) des Konsumerismus? In: Heidbrink, Ludger/Müller, Sebastian (Hrsg.): Consumer Social Responsibility - Zur gesellschaftlichen Verantwortung von Konsumenten.Marburg: Metropolis-Verlag S. 35-54.


Adultismus und Familialismus in den Diskursen ums Recht – Paradoxien der Rechte der Kinder

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Digitaler Vortrag von Sarah Mühlbacher im Rahmen der Vortragsreihe Kritische Soziologie am 16.02.2021, 16 - 18

Die Frage nach den Rechten der Kinder ist höchst umstritten. Im Vortrag soll es um diskursive Verhandlungen der Reformen in diesem Bereich in Recht, Politik und Wissenschaft gehen. Die Reformgeschichte der letzten Jahrzehnte ist von der Gleichzeitigkeit rechtlicher Ein- und Ausschlüsse geprägt. Dem Versuch, die rechtliche Stellung der Kinder zu verbessern, stehen immense Beharrungskräfte entgegen. Der Adultismus des Rechts führt dazu, dass die rechtlichen Regelungen, die eigentlich die Situation der Kinder verbessern sollen, lediglich Erwachsene adressieren. Familialistische rechtliche Regelungen benachteiligen alle Care-Arrangements jenseits der kleinfamilialen triadistischen Norm. Gleichzeitig werden solche Ausschlussmechanismen im rechtlichen Diskurs selbst benannt und sind Gegenstand von Streit. Besonders interessieren die Auseinandersetzungen über jene Reformen, in denen der Versuch der progressiven Öffnung selbst zu neuen Ausschlüssen führt. Im Vortrag werden diese Thesen anhand von empirischem Material zur Diskussion gestellt. Die Dichotomie von Autonomie und Fürsorgebedürftigkeit, auf der der Adultismus des Rechts – so die These – wesentlich beruht, soll aus einer differenz- und care-zentrierten Perspektive einer Kritik unterzogen werden. Daran anschließend fragt der Vortag nach Formen von Beteiligung, die nicht auf der Vorstellung solipsistischer autonomer Handlungsfähigkeit beruhen, sondern auf Interdependenz und Praktiken der Sorge und die damit Kindern ermöglichen, als „differente Gleiche“ zu partizipieren statt als rechtlich Unmündige ausgeschlossen zu werden.

Sarah Mühlbacher ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt. Ihre Lehr- und Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Intersektionaler Perspektiven auf Kindheit, des Familialismus des Rechts sowie der Feministischen Rechtstheorie.

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AG Kritische Soziologie

Koordination:     Birgit Blättel-Mink, Friedericke Hardering und Luigi Wenzl
Kontakt:   b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de


Grenzen des Konsums im Lebensverlauf: Gelegenheiten, Hürden und Gestaltungsspielräume

neuer Artikel von Melanie Jaeger-Erben, Birgit Blättel-Mink u.a.

Jaeger-Erben, Melanie/Blättel-Mink, Birgit/Fuchs, Doris/Götz, Konrad/Langen, Nina/Rau, Henrike (2020) Grenzen des Konsums im Lebensverlauf: Gelegenheiten, Hürden und Gestaltungsspielräume. In: Consumption limits over a lifetime: Opportunities, obstacles and the scope of change | GAIA 29/4  S. 218 – 223


Akademische Sorgearbeit in der Krise

Artikel von Kendra Briken, Birgit Blättel-Mink und Alexandra Rau

Briken, Kendra /Blättel-Mink, Birgit/ Rau, Alexandra (2020): Akademische Sorgearbeit in der Krise. In: HfPV - spectrum, Wiesbaden, 4-6.


Klimakrise - Forschung Frankfurt 2.2020

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2 Artikel von Birgit Blättel-Mink im aktuellen Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität

Mensch und Klimakrise

Ich konsumiere, also bin ich - Warum nachhaltiges Konsumverhalten so schwierig ist

von Birgit Blättel-Mink 

Vom Wissen zum Handeln 

Gesamtausgabe 2.2020 Forschung Frankfurt


Multiparadigmatisches Tohuwabohu in Zeiten disziplinären „Wabuwabus“ - Hermeneutische Theorievergleiche als ‚Lösung‘?

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Digitaler Vortrag von Luigi Wenzl im Rahmen der Vortragsreihe "Kritische Soziologie" am 15. Dezember 2020

Ausgangspunkt des Vortrages ist die ‚heillose‘ Unordnung bzw. das Tohuwabohu einer präparadigmatischen Multiparadigmatik ‚der‘ Soziologie. Bestimmungs-, Bearbeitungs- und Qualifizierungsbemühungen aller, die sich damit forschungsbezogen belasten, sind ebenso plural wie die disziplinäre Binnenpluralität, die sie zu bearbeiten suchen. Zu allem ‚Überdruss‘ ist die deutsche Soziologie nun organisationsstrukturell und -politisch entzweit. Die AS-Ausgründung war begleitet gewesen von der Entfaltung ‚scharfer‘, ‚tribaler‘ Konfliktpraktiken, die über Organisationsmitgliedschaften konturiert werden. Dieses disziplinäre Wabuwabu neigt so dann zur Produktion von ‚Schimpfklatsch‘, der sich gegen das je paradigmatisch Fremde richtet. Trotz diverser Annäherungsbemühungen scheint die Ausgangslage insgesamt verfahren. Verständigung, gar Einigung ist unwahrscheinlich. Die Theorievergleichsdebatte, so ein Kernargument, hält jedoch einige Möglichkeiten parat, die paradigmenpolitische Lage der Soziologie forschungspraktisch ‚abzukühlen‘. Ob und wie hermeneutische Theorievergleiche sowohl das disziplinäre Wabuwabu und darüber navigierte Theoriefremdzugriffe zu ‚disziplinieren‘ wissen als auch theorierelative und -übergreifende Lernhorizonte koordinieren können, ist Gegenstand des Vortrages. Um es schon einmal vorwegzuschicken, die Frage kann mit einem entschiedenen wie vorsichtigen Jein beantwortet werden. 

Luigi Wenzl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich „Industrie- und Organisationssoziologie“ im Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt. Seine Lehr- und Forschungsinteressen liegen in den Bereichen der allgemeinen Soziologie, Organisationssoziologie und der bildungswissenschaftlichen Ungleichheitsforschung.

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Koordination:     Birgit Blättel-Mink, Friedericke Hardering und Luigi Wenzl
Kontakt:   b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de


Vortragsreihe "Kritische Soziologie" im WS 2020/21

Ihr Verständnis der Soziologie als einer Instanz der kritischen gesellschaftlichen Selbstreflexion hat die Frankfurter Soziologie weltweit bekannt gemacht und auch heute noch ist das (inter-)nationale Bild der Frankfurter Soziologie hiervon geprägt. Die AG Kritische Soziologie, die sich vor einigen Jahren aus einer Kooperation von Industrie- und Organisationssoziolog*innen am IfS (Institut für Sozialforschung) und am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften heraus entwickelt hat, wird auch im WS 2020/21 ihre erfolgreiche Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ fortführen.

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Koordination:     Birgit Blättel-Mink, Friedericke Hardering und Luigi Wenzl
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Luigi Wenzl (Goethe-Universität, Frankfurt am Main)
Dienstag, 15. Dezember 2020, 16 – 18 Uhr
Multiparadigmatisches Tohuwabohu in Zeiten disziplinären „Wabuwabus“ - Hermeneutische Theorievergleiche als ‚Lösung‘?

Stephan Lessenich (LMU, München)
Dienstag, 19. Januar 2021, 16 – 18 Uhr
Die Doppelmoral von der Geschicht': Die wohlfahrtsstaatliche Erzählung auf dem Prüfstand

Lars Meier (Goethe-Universität, Frankfurt am Main)
Mittwoch (!), 03. Februar 2021, 16 – 18 Uhr
Öffentlicher Raum - ein kritischer soziologischer Blick

Sarah Mühlbacher (IfS, Frankfurt am Main)
Dienstag, 16. Februar 2021, 16 – 18 Uhr
Adultische und familialistische Annahmen in den
Diskursen ums Recht – Paradoxien des Kindeswohls
und der Kinderrechte

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Was im Lockdown unsichtbar bleibt - Drei Perspektiven auf die "Systemrelevanz" von Care-Arbeit in der Corona-Krise

von Birgit Blättel-Mink, Sarah Speck und Helma Lutz, Goethe Universität Frankfurt

Die Care-Arbeit, unterbezahlt und größtenteils unsichtbar, erhält in den Zeiten von Corona eine unerwartete Aufmerksamkeit. Das hilft denjenigen, die vor allem und in ganz unterschiedlichen Feldern die Care-Arbeit leisten, jedoch kaum. Drei Soziologinnen, die sich aus unterschiedlicher Perspektive mit Care-Arbeit auseinandersetzen, beschäftigen sich mit den Gründen dafür und formulieren drei Thesen:

Link zum Covid-19-Blog des Cornelia Goethe Centrums

1. Die Unsichtbarkeit von Care-Arbeit verschärft sich in der Pandemie – trotz scheinbarer öffentlicher Fokussierung

Trotz des allmählichen Rückgangs des ‚männlichen Ernährermodells‘ leisten Frauen noch immer den Hauptanteil der unbezahlten Familienarbeit und der beachtliche gender pay gap zuungunsten der Frauen erhält sich so kontinuierlich; vergleichbare Entwicklungen lassen sich auch für die Hochschulen beobachten, in denen Sorgearbeit als konstitutiver und gleichzeitig unsichtbarer Bestandteil der Lehrtätigkeit meist Frauen überlassen wird, denen damit weniger Zeit für wissenschaftliche Profilierung bleibt. Diese Mechanismen der Reproduktion von Ungleichheit verschärfen sich in der Pandemie noch einmal.

2. Die Pandemie versetzt dem sowieso nur langsam voranschreitenden Prozess der geschlechtergerechten gesellschaftlichen Arbeitsteilung einen weiteren Dämpfer

Erste Studien belegen, dass die durch den ‚Lockdown’ anfallende Mehrarbeit in den Privathaushalten in heterosexuellen Kleinfamilien vor allem von Frauen geschultert wird. Die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit führt zur Überbelastung von Frauen und wird Folgen für Berufs- und Karrierewege haben. Auch für viele Wissenschaftlerinnen ergeben sich durch den Wegfall der Care-Infrastruktur Mehrbelastungen durch Haushaltsarbeit, Homeschooling und (Klein-)Kinderbetreuung, die konzentrierte Arbeitsstunden kaum mehr zulassen. Die Hoffnung, dass durch eine ‚Neuordnung des Privaten‘ eine geschlechtergerechte Umverteilung der abgewerteten Care-Arbeit realisiert werden kann, ist damit vorläufig in weite Ferne gerückt.

3. Der ‚Lockdown‘ innereuropäischer Grenzen macht die Fragilität einer ökonomisierten, internationalen Arbeitsteilung in der Fürsorge sichtbar, die auf Kosten von Migrantinnen aus osteuropäischen Ländern geht.

Die Folgen der europäischen Grenzschließungen für die geschätzten 500 000 transnationalen Migrantinnen aus Osteuropa, die in deutschen Haushalten pflegebedürftige ältere Menschen rund um die Uhr versorgen, und die von ihnen Betreuten, sind fatal. Das in diesem Bereich etablierte Rotationssystem von mehrwöchigen Pflegeperioden wird durch das Virus angetastet und legt die Fragilität eines Gesundheitssystems offen, dass unter Ausnutzung ökonomischer Differenzen die 24-Stunden-Pflege erfunden hat, um Betreuungskosten zu drücken und sich über das ‚Outsourcing‘ der Fürsorgeverantwortlichkeit zu entledigen.

Quellen:
Flaherty, C. (2020): No room of one’s own
Kohlrausch B., Zucco, A. (2020): Corona trifft Frauen doppelt – weniger Erwerbseinkommen und mehr Sorgearbeit,WSI Policy Brief Nr. 40, Mai 2020


„Geschlechtsspezifische Sozialisation“ revisited: Persistenzender Ungleichheit im Diskurs der Gleichheit

Vortrag von Sarah Speck im Rahmen der Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ am 07. Juli 2020

Ausgehend von einer interviewbasierten Studie zu geschlechtsbezogenen Deutungen und Praktiken im Kontext familialer Eltern-Kind-Beziehungen, nimmt der Vortrag die ‚alte‘, für die Geschlechtersoziologie hoch relevante Frage geschlechterdifferenzierender Sozialisation in den Blick. Im Kern steht dabei die Frage, wie Eltern heute - und zwar insbesondere solche, für die die Gleichheit der Geschlechter eine Selbstverständlichkeit ist - die ’Tatsache’ verhandeln, dass ihre Kinder zu Mädchen oder Jungen werden.

Anhand von Interviews mit Eltern aus akademischen Milieus wird die These entwickelt, dass wir hier, wie in anderen gesellschaftlichen Feldern, von einer paradoxen Entwicklung sprechen können: Die normative Orientierung an Geschlechteregalität trägt selbst zu ‚traditionellen Mustern‘ und zur Perpetuierung von Strukturen der Ungleichheit bei. 

Sarah Speck ist seit Januar 2020 Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung an der Goethe-Universität und Mitglied des Kollegiums des Instituts für Sozialforschung . Neben der Geschlechterforschung liegen ihre Arbeitsschwerpunkte und Interessen u.a. in der Paar- und Familiensoziologie, im Wandel der Erwerbswelt, in der Soziologie der Intimität und in der feministischen Gesellschaftstheorie.

Aufgrund der Corona-Krise wird der Vortrag am 07.07.2020 von 16 bis 18 Uhr digital stattfinden. Bitte melden Sie sich über zugehörigen OLAT-Link an.


Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ im Sommersemester 2020


Schriften zur interdisziplinären Frauen- und Geschlechterforschung

Prospekt der von Birgit Blättel-Mink mitherausgegebenen Schriftenreihe

Die Schriftenreihe zur interdisziplinären Frauen- und Geschlechterforschung dient als Plattform für unterschiedliche Publikationen im Themenfeld Frauen- und Geschlechterforschung, wie z. B. Forschungs- oder Tagungsberichte oder auch herausragende Qualifikationsarbeiten.

Die Reihe ist offen für Beiträge, die eine interdisziplinäre Perspektive einnehmen, sei dies auf theoretischer, empirischer oder auf anwendungsbezogener Ebene.

Zum Prospekt


Innovationssysteme: Technologie, Institutionen und die Dynamik der Wettbewerbsfähigkeit

Neuauflage des Sammelbandes von Birgit Blättel-Mink

Innovationen entstehen im Kontext interaktiver Lernprozesse systemisch vernetzter Akteure. Im Zentrum strukturell und institutionell eingebetteter Innovationsnetzwerke, die an der Generierung und Diffusion von Innovationen beteiligt sind, stehen private Wirtschaftsunternehmen. Sie kooperieren vorrangig mit öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen, Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie mit Finanzdienstleistern. Historisch betrachtet sind Innovationssysteme zunächst auf nationalstaatlicher Ebene entstanden. Die Globalisierung führt jedoch zur Ausdifferenzierung lokaler, regionaler und supranationaler Arrangements.

Der Sammelband ist in drei Blöcke gegliedert. Der erste Block enthält deutsche Übersetzungen von Grundlagentexten des Innovationssysteme-Ansatzes. Im zweiten Block werden einzelne theoretische Aspekte vertiefend analysiert. Der dritte Block enthält Studien zur Ausdifferenzierung des deutschen Innovationssystems.

Blättel-Mink, Birgit/Ebner, Alexander (Hrsg.) (2020) Innovationssysteme: Technologie, Institutionen und die Dynamik der Wettbewerbsfähigkeit. 2. Auflage. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.


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Fortschritt oder Emanzipation? Brauchen kritische Gesellschaftstheorien die Idee des Fortschritts?

Digitaler Vortrag von Peter Wehling im Rahmen der Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ am 02. Juni 2020

In jüngster Zeit sind der Begriff und die Idee des Fortschritts (wieder) zum expliziten Thema in kritischer Gesellschaftstheorie und Sozialphilosophie geworden. Während Peter Wagner (2018) explizit für eine Erneuerung der Idee des Fortschritts plädiert, konstatiert Amy Allen (2019) zwar das „Ende des Fortschritts“ als eurozentrisches Narrativ, schlägt gleichzeitig aber ebenfalls eine modifizierte, „nach vorne blickende“ Konzeption von Fortschritt vor. In dem Vortrag wird demgegenüber, ausgehend von der radikalen Fortschrittskritik Walter Benjamins und von aktuellen Überlegungen Jacques Rancières zum Verhältnis von Zeit und Emanzipation, die These entwickelt, dass kritische Gesellschaftstheorie gegenüber jeglicher Idee des Fortschritts auf Distanz bleiben sollte. Denn als totalisierende Denkform und sozial hierarchisches Zeitregime gerät diese Idee in Widerspruch zur Perspektive radikaler Demokratie und gesellschaftlicher Emanzipation. Emanzipation von (vermeintlichen) historischen Zwängen und Notwendigkeiten kann nicht als Fortschritt oder durch Fortschritt erreicht werden, sondern muss als Befreiung emanzipatorischer Politik von der Idee des Fortschritts gedacht und praktiziert werden.

Peter Wehling ist PD am Institut für Soziologie, Biotechnologie, Natur und Gesellschaft, Goethe-Universität. Seine Forschungsinteressen: Wissenschafts- und Technikforschung, Wissenssoziologe, Soziologie der Biopolitik, Biomedizin und Bioethik, Soziologische u. Gesellschaftstheorie und kritische Soziologie, Umweltsoziologie, s.a. Forschungsprojekt „Anlageträger. Genetisches Wissen und die Entstehung einer neuen bisozialen Identität“.

Aufgrund der Corona-Krise wird der Vortrag am 02.06.2020 von 16 bis 18 Uhr digital stattfinden. Bitte melden Sie sich über zugehörigen OLAT-Link an.


Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ im Sommersemester 2020


Wasser im Anthropozän - Der Einfluss des Menschen auf den natürlichen Wasserkreislauf

Veranstaltung der Bürger-Uni am 20. Mai 2020 als Webinar

Das populäre Bild vom natürlichen Wasserkreislauf funktioniert im Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen, nicht mehr. Demografische und ökonomische Entwicklungen, aber auch der Klimawandel haben diesen Kreislauf verändert. Dies zeigt sich unter anderem an großräumig veränderten Niederschlagsmustern, sinkenden Grundwasserspiegeln und einer veränderten chemischen Zusam-mensetzung von Wasserkörpern. Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit von Wasser in guter Qualität und ausreichender Menge für eine nachhaltige Entwicklung von Gesellschaften unabdingbar.

Die „Soziale Hydrologie“ versucht den natürlichen Wasserkreislauf als ein vom Menschen signifikant beeinflusstes System neu zu verstehen. Sie zeigt damit enge Bezüge zur Sozialen Ökologie: Beide Ansätze integrieren gesellschaftliche Prozesse als wichtige Steuergrößen der Wasserressourcen in ihrer Forschung – dabei spielen materielle wie symbolische Ebenen eine Rolle.

Im Rahmen ihres Vortrags zeichnen die Wissenschaftler des Frankfurter ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung die Debatte um das Anthropozän nach und zeigen am Beispiel nationaler und internationaler Forschungsprojekte den Einfluss des Menschen auf den natürlichen Wasserkreislauf. Im Anschluss an den Vortrag soll in einem gemeinsamen Gespräch die Frage diskutiert werden, ob und wie eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen aussehen kann und welche konkreten Gestal-tungsmöglichkeiten hier bestehen.

Die Veranstaltung findet am 20.05.2020 um 18:30 - 19:30 Uhr in Form eines Webinars statt. Interessierte können sich bis zum 19.05. hier anmelden.


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Organisationen in Zeiten der Digitalisierung

VERLÄNGERT: Call for Papers zur Schriftenreihe „Sozialwissenschaften und Berufspraxis“

Sie ist schon sehr lange kein Neuland mehr, die Digitalisierung. Aus sozialwissenschaftlicher Sicht sind allerdings längst noch nicht alle Veränderungen ausgeleuchtet, die in Organisationen unter dem Begriff „Digitalisierung“ als Innovation subsumiert und seit langer Zeit vollzogen werden oder sich auch erst in Planung befinden.

Mit diesem Band möchten wir dazu beitragen diese vielfältigen Prozesse, die einen sozialen Wandel in und durch Organisationen initiieren, sedimentieren und beschleunigen, durch soziologische Analysen abzubilden.

Dieser call der Reihe Sozialwissenschaften und Berufspraxis zielt auf das Interesse und die Motivation von Soziolog*innen und Sozialwissenschaftler*innen, die Situationen bzw. Projekte in allen organisational eingebundenen soziologischen beruflichen Praxen im Hinblick auf Digitalisierungsprozesse kritisch zu reflektieren: in Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, in Organisationen des Gesundheitswesens und der Pflege, in Bildungs-, Forschungs- und Beratungseinrichtungen aller Art, in privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen - von der Infrastruktur, Nahrungsmittelproduktion Güterproduktion bis zu Verlagen, Unternehmen im Kontext von Kultur- und Unterhaltungsindustrie, Marketing und Werbung.

Folgende Formate sind intendiert:

  • Konzeptionelle oder empirische Hauptbeiträge (20-25 Seiten; 30 bis 40 Tsd. Zeichen)
  • Aus der Praxis der empirischen Forschung (auch für Qualifikationsarbeiten; 12-15 Seiten; 20- 25 Tsd. Zeichen)
  • Von Praxen und Projekten (Berichte aus der soziologischen Praxis; 12-15 Seiten; 20 – 25 Tsd. Zeichen)

Wir freuen uns auf Ihr Abstract mit Angabe des geplanten Formats (3.000 - 4.000 Zeichen) bis 30. Juni 2020 an Prof. Dr. Rita Stein-Redent.

Die ausgewählten Beiträge sollen bis Ende November 2020 vorliegen. Es ist ein peer review-Verfahren vorgesehen. Die Publikation ist für August 2021 geplant.


Zum ausführlichen Call for Papers


Wert und Kritik der Patente. Wirtschaftssoziologische Betrachtungen geistigen Eigentums

Vortrag von Veit Braun im Rahmen der Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ am 12.05.2020 über Zoom

Wie kann die Soziologie geistiges Eigentum kritisch verstehen? Am Beispiel von Biotech- und Saatgutpatenten will ich eine Ideengeschichte immateriellen Eigentums und seiner Kritik skizzieren. Patente sind seit ihrer Entstehung immer wieder auf Kritik gestoßen, haben sich aber auch fortlaufend weiterentwickelt und erfüllen heute andere Funktionen als vor 100 oder 200 Jahren. Sie sind nicht nur Instrumente zum Schutz und zur Vergütung von Forschungsinvestitionen; seit geraumer Zeit werden sie auch als Gradmesser für die Innovationsfähigkeit von unternehmen und Staaten herangezogen. Dabei ist der Wert, der sich hinter dem Konzept "Patent" verbirgt, alles andere als eindeutig. Der Vortrag fragt nach den verschiedenen Arten von Wert, die dem Patent unterstellt werden, sowie den jeweiligen Formen von Kritik, die daran anschließen. In der Auseinandersetzung mit geistigem Eigentum muss sich die Soziologie der Vielfalt seiner Funktionen stellen, statt es auf eine davon zu reduzieren. Das erschwert insbesondere einen konstruktiven Beitrag zur Debatte um die Finanzierung von "Innovationen" und ihrer Reform.

Veit Braun ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im ERC-Projekt CRYOSOCIETIES am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt. Seine Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle von Wirtschafts- Wissenschafts- und Rechtssoziologie.

Aufgrund der Corona-Krise wird der Vortrag am Dienstag, den 12. Mai um 16:00 Uhr über Zoom stattfinden. Bitte melden Sie sich über den zugehörigen OLAT-Link zu dem Vortrag an.


Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ im Sommersemester 2020


Existentielle Probleme und Machtkritik

Vortrag von Thomas Scheffer im Rahmen der Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ am 28.04.2020 über Zoom

In den gegenwärtigen Krisenzeiten findet eine neuerliche „Entdeckung der Gesellschaft“ (Nassehi) statt. Diese Entdeckung ist spezifisch: sie betont ‚unsere‘ Abhängigkeit von handlungsfähigen Apparaten – aktuell etwa Intensivstationen, Testlabore, Homeoffices -, also solchen gerichteten soziomateriellen Einheiten, die die Bearbeitbarkeit existentieller Probleme ermöglichen.

Der Vortrag zeigt die konzeptionelle Lücke auf, die mit dem Begriff des Apparats gefüllt werden könnte, bestimmt den Begriff im Lichte insbesondere der ethnographischen Laborstudien und setzt sich mit der Machtkritik als Apparatekritik auseinander. Im Ergebnis plädiert der Vortrag für eine (kritische) Soziologie der Kapazitäten, die den Problemen inklusive der unterschiedlichen Betroffenheiten einen zentralen Status einräumt.     

Thomas Scheffer ist Professor für Soziologie und Sozialpsychologie mit dem Schwerpunkt der interpretativen Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Aufgrund der Corona-Krise wird der Vortrag am Dienstag, den 28. April um 16:00 Uhr über Zoom stattfinden. Bitte melden Sie sich über den zugehörigen OLAT-Link zu dem Vortrag an.


Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ im Sommersemester 2020


Vortragsreihe „Kritische Soziologie“

Sommersemester 2020

Die Vorträge finden jeweils dienstags von 16:00 bis 18:00 im IG-Farben-Nebengebäude NG 1.741a statt.

Koordination:     Birgit Blättel-Mink, Friedericke Hardering, Stephan Voswinkel und Luigi Wenzl
Kontakt:   b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de


28. April 2020

Thomas Scheffer (Goethe-Universität)

Existentielle Probleme und Machtkritik

Der Vortrag findet über Zoom statt, bitte melden Sie sich bei OLAT an.


12. Mai 2020

Veit Braun (Goethe-Universität)

Wert und Kritik der Patente. Wirtschaftssoziologische Betrachtungen geistigen Eigentums


02. Juni 2020

Peter Wehling (Goethe-Universität)

Fortschritt oder Emanzipation? Brauchen kritische Gesellschaftstheorien die Idee des Fortschritts?


07. Juli 2020

Sarah Speck (Goethe-Universität)

„Geschlechtsspezifische Sozialisation“ revisited: Persistenzender Ungleichheit im Diskurs der Gleichheit


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Birgit Blättel-Mink ist Dekanin des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften

ab 01. April 2020

Birgit Blättel-Mink übernimmt zum 1. April 2020 das Amt der Dekanin von Heike Holbig. Die Leitung des Dekanats teilt sie sich mit Thomas Scheffer (Prodekan, zuständig für Promotionen, Forschung und Nachwuchsförderung) und Birgit Becker (Studiendekanin, zuständig für Lehre und Studium; Interims-Studiendekanin Heather Hofmeister im Wintersemester 2019/20).


Das Innovationsverständnis von Joseph A. Schumpeter

Neuer Beitrag von Birgit Blättel Mink

Joseph A. Schumpeter, einer der innovativen Nationalökonomen des letzten Jahrhunderts, verknüpft in seinem Innovationsansatz das persönliche Element im Wirtschaftsleben mit Prozessen wirtschaftlicher Entwicklung.

Er verortet die Funktion reinen Unternehmertums im Stören des Strebens nach Gleichgewicht auf dem Markt durch die Neukombination der Produktionsmittel einer Volkswirtschaft. Sein Innovationsverständnis reduziert sich nicht auf technische Innovationen und er betrachtet die kapitalistische Unternehmung und die Dynamiken des Wirtschaftslebens als in die Gesamtgesellschaft eingebettet.

Blättel-Mink B. (2020): Das Innovationsverständnis von Joseph A. Schumpeter. In: Blättel-Mink B., Schulz-Schaeffer I., Windeler A. (Hrsg.) Handbuch Innovationsforschung. Springer VS, Wiesbaden.


Weitere Informationen


P&G Nachhaltigkeitspreis 2020

Bewerbungen bis zum 31. März 2020 möglich

Seit 1972 wird jährlich zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses der Johann Wolfgang Goethe-Universität für die beste im Jahresablauf entstandene umweltrelevante oder auf ökologische Nachhaltigkeit fokussierte wissenschaftliche Arbeit der Nachhaltigkeitspreis verliehen. Auch im Jahr 2020 soll wieder der Procter & Gamble Nachhaltigkeitspreis für die beste wissenschaftliche Arbeit, die im Jahresablauf an unserer Universität auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit (Umweltforschung) entstanden ist, verliehen werden.

Bewerben können sich alle Universitätsangehörigen, die seit dem 01. April 2019 entsprechende Arbeiten angefertigt haben. Die beste wissenschaftliche Arbeit (in der Regel eine Dissertation), die sich mit Fragen aus der Nachhaltigkeits- bzw. Umweltforschung befasst, wird mit € 7.000,- prämiert. Daneben gibt es noch einen mit € 2.500,- dotierten Förderpreis, mit dem üblicherweise Master- oder Bachelorarbeiten ausgezeichnet werden.

Hauptpreis 7.000 Euro  Förderpreis 2.500 Euro

Zur Bewerbung um den Preis sind folgende Unterlagen online einzureichen: Ein selbstverfasstes Anschreiben, in dem nachvollziehbar dargestellt wird, worin die Umweltrelevanz bzw. der Nachhaltigkeitsaspekt der Arbeit besteht (1-2 Seiten), sowie eine pdf-Version der Arbeit. Bewerbungen in digitaler Form sind bis 31. März 2020 möglich an:

Kuratorium Procter & Gamble Nachhaltigkeitspreis, Umweltbibliothek
c/o Frau Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Institut für Soziologie

E-Mail: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de


Weitere Informationen


Geschlecht und soziale Ungleichheit @ Work

Doktorand*innenworkshop des Instituts für Sozialforschung mit Birgit Blättel-Mink

Ziel des Workshops ist es, gemeinsam konkrete und solidarische Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Geschlecht und sozialen Ungleichheiten@work zu entwerfen. Den Austausch und das Sichtbarmachen von verschiedenen Perspektiven möchten wir zur Grundlage nehmen, um das eigene akademische, politische und soziale Blickfeld zu erweitern. Es geht uns dabei nicht nur um die Schilderung individueller Alltagsberichte, sondern um die gesellschaftlichen Dimensionen und die Möglichkeiten praktischer Kritik.

Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink und PD Dr. Astrid Franzke (stellv. Geschäftsführerin Mentoring Hessen) werden unsere Diskussion und Überlegungen mit zwei Impulsvorträgen einleiten. Am späten Nachmittag gibt es die Möglichkeit, in kleineren Gruppen Dissertationsprojekte in ihrem work-and-progress-Zustand zu diskutieren und sich zu beraten. Bitte bringt dafür ein kurzes Abstract mit (max. 2 Seiten) das als Grundlage der Diskussion dienen kann.

Der Workshop findet am Dienstag, den 24.03.2020 von 10:00 bis 17:15 Uhr statt.

Es wird um eine formlose Anmeldung bis zum 15.3.2020 unter c.mauritz@em.uni-frankfurt.de gebeten.


Programm und Organisatorisches


Der Gegenwart antworten: post-anthropozentrische Soziologie und postheroische Kritik

Vortrag von Katharina Hoppe im Rahmen der Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ am 12. Februar 2020

Vor dem Hintergrund der Zuspitzung ökologischer Krisen und den damit einhergehenden Artikulationen des Unmuts über eine Politik, die diesen Krisen nicht angemessen begegnet, fragt der Vortrag nach Anforderungen an soziologische Analysen, die dieser Gemengelage gerecht werden können. Der Beitrag diskutiert die Frage, welche Form der Theoriebildung gegenwartsangemessen ist und skizziert eine ethische Haltung des Antwortens auf die Welt und mit der Welt als entscheidend. Dabei soll deutlich werden, welche Verschiebungen eine post-anthropozentrische Perspektive hier evoziert und welche Implikationen diese für eine kritische Soziologie hat. Ein Modus postheroischer Kritik, der Freiheit von der Notwendigkeit her begreift, wird sich für einen Kritikbegriff als produktiv erweisen, der die Einsichten post-anthropozentrischer Theoriebildung ernst nimmt.

Katharina Hoppe ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich „Biotechnologie, Natur und Gesellschaft“ im Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt. Ihre Lehr- und Forschungsinteressen liegen in den Bereichen der allgemeinen Soziologie, soziologischen, politischen und feministischen Theorie sowie der soziologischen Auseinandersetzung mit ökologischen Krisen.

Die Veranstaltung im Rahmen der Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ findet am Mittwoch, den 12.02.2020, um 16 Uhr c.t. im Raum SH 3.101 (Seminarhaus) statt.


Vortragsreihe „Kritische Soziologie" im Wintersemester 2019/2020


Bedrohte Wissenschaftsfreiheit

Ausstellung vom 16. Januar bis zum 14. Februar

Im Rahmen der Third Mission Aktivitäten der Goethe-Universität gibt es zur Zeit – noch bis 14. Februar 2020 - im Foyer des PEG die Ausstellung „Bedrohte Wissenschaftsfreiheit“ zu sehen. Studierende der Philipps-Universität Marburg stellen dort Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit aktuellen und zurückliegenden Formen der Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit vor. Dazu gehören die Infragestellung der Leistungen der Gender Studies in Deutschland, die Schließung der Central European University in Budapest oder die Entscheidung des brasilianischen Präsidenten die öffentlichen Gelder für die Soziologie und die Philosophie an den Hochschulen des Landes deutlich zu reduzieren. Die im Rahmen eines Studium-Generale-Projektes durchgeführten Studien fanden unter Leitung von Ursula Birsl statt. Sie ist in Marburg Professorin für „Demokratieforschung mit den Schwerpunkten EU, Politische Systeme im europäischen Vergleich und BRD“.


Bericht der Ausstellungseröffnung

In ihrem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung hob Ursula Birsldie Notwendigkeit hervor, diese Phänomene in ihrer Vielschichtigkeit einer genaueren wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen. Professorin Birgit Blättel-Mink vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität, auf deren Initiative hin die Ausstellung nach Frankfurt geholt wurde, dankte in ihrem Grußwort den Studierenden für ihre Bereitschaft, sich der Diskussion zu stellen, aber auch dem Präsidium der Goethe-Universität für die finanzielle und organisatorische Unterstützung. Sie verwies zudem auf die zehn Thesen zur Wissenschaftsfreiheit,  die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen in Deutschland erarbeitet wurden, und die dazu dienen sollen, die Wissenschaftsfreiheit auch in Zukunft zu gewährleisten. Weitere Grußworte kamen von der Prodekanin des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften, Professorin Birgit Becker und von der Präsidentin der Goethe-Universität Professorin Birgitta Wolff. Die Besucher*innen der Vernissage hatten im Anschluss die Gelegenheit, mit den Studierenden zu diskutieren.

Die Ausstellung kann vom 16.01. bis zum 14.02.2020 Mo. - Fr. zwischen 08:00 und 18:00 im Foyer des PEG-Gebäudes, Campus Westend, besucht werden.


Zur Fotostrecke der Ausstellungseröffnung


Adornos Fortschrittsbegriff: Veränderungen in die Katastrophe oder Möglichkeiten von Befreiung?

Vortrag von PD Dr. Christine Resch (Hoschschule Ludwigshafen) am 22. Januar 2020

Adorno hat die klassische Vorstellung von Fortschritt entscheidend modifiziert. Er hat argumentiert, dass die Entwicklung der Produktivkräfte zugleich eine Entwicklung der destruktivkräfte und damit Herrschaft bedeutet. Das bedingt nicht notwendig Pessimismus, vielmehr lässt sich damit eine minimalistische Idee von Fortschritt begründen: als Verhinderung der Selbstzerstörung der Menschheit und als Anspruch, dass niemand mehr hungern soll, weltweit. Von einer neuen Produktionsweise kann nicht mehr erwartet werden, dass das zwingend Fortschritt als Befreiung bedeutet. Vielmehr bedarf es des permanenten Widerstands gegen Herrschaft, als die immerwährende Gefahr von Rückschlägen.

Christine Resch ist Privatdozentin am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität, vertritt zurzeit eine Professur an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Ihre Arbeitsschwerpunkte umfassen Kritische Theorie, Kunst- und Kultursoziologie, soziale Ausschließung und Partizipation.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ und als Begleitveranstaltung zum Jubiläum „100 Jahre Soziologie an der Goethe-Universität“ im Institut für Sozialforschung statt.

Der Vortrag findet am Mittwoch, den 22. Januar 2020, um 16 Uhr c.t., im Raum SH 5.104 (Seminarhaus Campus Westend) statt.


Vortragsreihe„Kritische Soziologie" im Wintersemester 2019/2020