Internationale Institutionen, insbesondere Vereinte Nationen

Die Vorstellung eines anarchisch strukturierten Selbsthilfesystems, wie sie längere Zeit die IB prägte, wurde mit dem Forschungsfokus auf zwischenstaatliche Kooperation überwunden: Die Existenz internationaler Institutionen – verstanden sowohl im engeren Sinne als physisch vorhandene Organisationen als auch im weiteren Sinne als zwischen den Akteuren getroffene Übereinkünfte und existierende Konventionen – ist Ausdruck der Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit der Akteure. Das globale institutionelle Netz hat sich in den letzten sechs Jahrzehnten quantitativ wie qualitativ stark verdichtet: Neue Organisationen wie die WTO und regionale Zusammenschlüsse sind entstanden und bestehende – wie die Vereinten Nationen – sind seit ihrer Gründung erheblich ausdifferenziert worden. Einen wahren Boom an Neugründungen hat es auch im nicht-staatlichen Bereich mit den Nichtregierungsorganisationen gegeben. Mit der Anzahl von internationalen Organisationen wuchs auch die Anzahl zwischenstaatlicher Abkommen, aber auch deren Verbindlichkeitsgrad und die Regelungstiefe.
Von dieser Bestandsaufnahme und einem breiten Institutionenbegriff ausgehend, befassen wir uns in verschiedenen Politikfeldern mit Fragen, die im Zusammenhang mit der Entstehung, Wirkung und Veränderung von internationalen Institutionen stehen: Wie lassen sich unterschiedliche institutionelle Arrangements erklären? Unter welchen Bedingungen sind bestehende Institutionen effektiv? Wovon hängt ihre Legitimität ab? Inwiefern tragen internationale Institutionen zum Frieden bei?
Im Hinblick auf die Vereinten Nationen, die mit dem Ziel gegründet wurden, zu einer friedlicheren Welt beizutragen, interessiert uns neben diesen Fragen und der allgemeinen Perspektive auf die Rolle der UN in der Weltpolitik insbesondere die Analyse institutionellen Wandels, der mit dem Stichwort „UN-Reform“ erfasst wird. Hierunter fallen sowohl substantielle Veränderungen, wie die Verabschiedung neuer internationaler Normen im Rahmen der Vereinten Nationen, als auch organisationale und prozedurale Wandlungsprozesse, etwa die Gründung neuer Organe oder die Modifikation von Mechanismen der Entscheidungsfindung.


Friedens- und Konfliktforschung

Konflikte als Positionsdifferenzen zwischen zwei Akteuren sind ein integraler Bestandteil des menschlichen Miteinanders. Sie tragen zum gesellschaftlichen Fortschritt bei, so lange sie nicht gewalttätig ausgetragen werden. Die (kritische) Friedens- und Konfliktforschung will einen Beitrag dazu leisten, dass der Grad der gewaltförmig ausgetragenen Konflikte abnimmt. Als interdisziplinäre Forschung untersucht sie u.a. aus der Psychologie, der Erziehungswissenschaft, den Sozial- und Naturwissenschaften heraus die Entstehung, die Austragung und die (friedliche) Bearbeitung von gewaltförmigen Konflikten. Wir tragen zur Friedensforschung aus der politikwissenschaftlichen Perspektive der Internationalen Beziehungen bei, in dem wir internationale Interaktionen analysieren. Wir interessieren uns hierbei vor allem für Friedensprozesse, also den langfristigen Aufbau friedlicher Strukturen, um einen gewaltförmigen Konfliktaustrag längerfristig zu verhindern: Welchen Beitrag können internationale Institutionen zum Frieden leisten? Wie wirken sich die verdichtenden normativen Netze auf das Verhalten der Akteure aus? In welchem Verhältnis stehen internationale Institutionen und das Bemühen um eine Annäherung an eine transnationale Gerechtigkeit? Diese Fragen sind von einem weiten Friedensverständnis angeleitet.


Theorien der Internationalen Beziehungen

Die Disziplin der Internationalen Beziehungen („IB“) ist von einer Vielzahl verschiedener, bisweilen konkurrierender Theorien charakterisiert, welche die Strukturen, Prozesse und Akteure der internationalen Beziehungen unterschiedlich deuten. Verstärkt ab den 1970er Jahren entwickelten sich verschiedene theoretische Weltbilder, welche es in Form einer Brille dem Betrachter / der Betrachterin ermöglichen, bestimmte Aspekte im unendlichen Meer vermeintlicher Fakten zu erkennen, genauer zu betrachten und logisch zu ordnen. Theorien sind somit zum einen der Hintergrund, vor welchem bestimmte „Fakten“ sortiert und dargestellt werden. Zum anderen ermöglichen Theorien, bestimmte (teilweise kausale) Zusammenhänge zwischen verschiedenen Fakten herzustellen. Jede Arbeit der Internationalen Beziehungen lässt sich daher in der einen oder anderen Form – implizit oder explizit – theoretisch verorten, bzw. nimmt zumindest Bezug zu bestimmten theoretischen Diskussionen und Vorarbeiten. Anders ausgedrückt, jede Aussage über vermeintlich empirische Fakten ist stets theoriegeleitet. Dieses Verständnis von Theorien wollen wir sowohl in der Lehre vermitteln als auch in der eigenen Forschung vertreten. Der Theorienpluralismus der Disziplin bietet dabei eine produktive Bezugsfolie und erlaubt, theoretisch bewusst und reflektiert zu forschen. Gleichzeitig sollte der Bezug zu den bekannten Theorien jedoch differenziert und kritisch und nicht in Form eines paradigmatischen „Schubladendenkens“ geschehen. Letztlich ist eine Brille eine Sehhilfe und kein Selbstzweck.


Global Governance | Privatisierung der Weltpolitik

Seit Anfang der 1990er Jahre gibt es in den Internationalen Beziehungen eine Debatte über veränderte Formen des Regierens. Diese spaltet sich auf in einen empirisch-analytischen Strang, der die neuen Regierensformen untersucht und einen normativen Part, der skizziert, wie gutes globalen regieren aussehen könnte oder sollte. Beide Varianten des Global Governance-Diskurses haben aber einen gemeinsamen Ausgangspunkt, nämlich die Anerkennung, dass Globalisierung zu einer Veränderung von Staatlichkeit beigetragen hat. Herkömmliche Vorstellungen von nach außen wie innen vollkommen souveränen Staaten gelten als überholt. Regieren (governance) findet nicht nur in und zwischen Staaten statt, sondern auch unter Einbeziehung von nicht-staatlichen Akteuren. Diese heterogene Akteursgruppe, zu der Nichtregierungsorganisationen (NGOs) genauso zählen wie Unternehmen wirkt zunehmend an der Regelsetzung, vor allem aber auch Regeldurchsetzung mit. Die zunehmende Einbeziehung von privaten Akteuren in das Regieren stellt einen zentralen Bestandteil der Global Governance dar. Die anderen beiden sind die damit einher gehende neuen Regierensformen, die vermehrt auf horizontales statt hierarchisches Regieren setzen, sowie die Einbindung verschiedener politischer Ebene jenseits des Nationalstaates in die Regelsetzung (multilevel governance). Uns interessieren vor allem zwei Themen: Erstens analysieren wir die empirischen Veränderungen: Warum kommt es zu neuen governance-Formen? Welches Interesse haben also die verschiedenen Akteure am Regieren – warum lassen sie sich hierauf ein? Zweitens stellen wir die normative Frage des Mehrwerts dieser Regierensformen: Wie sind die neuen governance-Modelle zu bewerten? Erhöhen sie die Effektivität und Legitimität oder unterlaufen sie gerade die Ansprüche, die an ein demokratisches und legitimes Regieren gestellt werden.


Normen in den Internationalen Beziehungen

Internationale Normen – verstanden als kollektive Standards angemessenen Verhaltens, die sich in Gebote und Verbote übersetzen lassen – prägen heute das Bild der internationalen Beziehungen und sind ein integraler Bestandteil des institutionellen Gefüges. Dies ist nicht nur in eher als weich geltenden Bereichen wie der Umwelt- und Menschenrechtspolitik der Fall, sondern gilt zunehmend auch für den Sicherheitsbereich. Die konstruktivistische Normenforschung ist seit den 1990er Jahren zu einem wichtigen Strang der IB geworden, und hat bis dato dominierende rationalistische Ansätze um wichtige Einsichten darüber ergänzt, wie Entstehung und Einhaltung von internationalen Normen unter Rückgriff auf das Konzept der Akteursidentität erklärt werden können. Als zentrale Akteure für die Normierung der internationalen Beziehungen wurden sogenannte norm entrepreneurs identifiziert; dies sind staatliche und – in großem Maße – nicht-staatliche Akteure, die die Normgenerierung vorantreiben.
Unsere Arbeit konzentriert sich auf einige bislang weniger ausgeleuchtete Probleme der Normenforschung: Während letztere in großen Teilen immer noch sehr staatszentriert ist, interessieren uns beispielsweise Normdynamiken, die sich transnational – also zwischen privaten Akteuren – entfalten. Anders als eher optimistische, auf die Entstehung von Normen zielende Ansätze, untersuchen wir auch Gegenentwicklungen, also Prozesse der Erosion von Normen. Ein weiterer unserer Forschungsschwerpunkte liegt auf der Durchsetzung von Normen, zu der es nach wie vor eher wenig theoretische Literatur und empirische Studien gibt.


Interaktive Lehr- & Lernmethoden

Studierende erwerben Wissen und Kompetenzen sowohl innerhalb von Veranstaltungen (Präsenzphase) als auch durch das eigenständig organisierte Selbststudium (Vor- und Nachbereitungsphase). Es ist ein großes Anliegen des Arbeitsbereiches, die Präsenzphase durch interaktive Lehr- und Lernmethoden für alle so produktiv und gewinnbringend wie möglich zu gestalten. Daher arbeiten wir in verschiedenen Lehrveranstaltungen mit verschiedenen Lehrformen wie das Lösen von Individual-, Kleingruppen- oder Plenaraufgaben, das Nutzen von Impulsen in Form von Bildern, Videos, Presseartikeln, etc. sowie verschiedene Moderations- und Diskussionsmethoden wie Kartenabfrage, Podiumsdiskussion oder Postergestaltung. Im Mittelpunkt einer Veranstaltung steht demnach die selbstständige Erarbeitung, Vertiefung und Diskussion von Inhalten durch die Studierenden. Unser Ziel ist es, durch den Rückgriff auf interaktive Methoden die Sitzungen einer Veranstaltung abwechslungsreich und spannend zu gestalten und dabei gleichzeitig eine intensive Auseinandersetzung mit den Seminartexten und Diskussionsgegenständen zu ermöglichen. Durch die intensive Beteiligung von Studierenden im Seminar ist letztlich ein nachhaltigerer Lerneffekt zu erwarten und die gemeinsame Zeit im Seminar wird weniger als Pflichtveranstaltung denn als produktives Forum mit angenehmer Lernatmosphäre wahrgenommen. Das Lehrangebot des Arbeitsbereiches umfasst außerdem auch Simulationsspiele zu politischen Verhandlungsprozessen wie das National Model United Nations in New York (Weitere Informationen zur Frankfurter Delegationen) und das MainMUN in Frankfurt.