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Klassenrepräsentation und die Professionalisierung von Politik: Karriereverläufe und politische Ungleichheit in vergleichender Perspektive (ClassRep)


Förderung: Emmy Noether-Programm der DFG

Laufzeit: Juni 2026 - Mai 2032

Wer sitzt im Parlament, und mit welchen Konsequenzen für politische Repräsentation? Diese Fragen stellen sich mit neuer Dringlichkeit, denn die Zusammensetzung der Parlamente hat sich stark verändert. Menschen mit Arbeiterhintergrund sind zunehmend unterrepräsentiert, während gleichzeitig ein Anstieg von „Berufspolitiker*innen“ zu beobachten ist, die den größten Teil ihres Berufslebens in politiknahen Berufen verbracht haben. Das vorgeschlagene Projekt analysiert, wie sich diese Trends auf politische Repräsentation auswirken. Dies ist gerade vor dem Hintergrund relevant, dass die Entfremdung von Bürger*innen und Politiker*innen zunimmt und neue Forschung zeigt, dass der Klassenhintergrund der Abgeordneten ihr Verhalten prägt.


Gleichzeitig bestehen erhebliche Forschungslücken. Erstens wissen wir wenig darüber, welche spezifischen „Klassenerfahrungen“ die Wege ins Parlament und das Verhalten der politischen Eliten prägen. Zweitens ist das Zusammenspiel von Klasse und Geschlecht wenig erforscht, obwohl vielerorts segregierte Arbeitsmärkte unterschiedlichen Klassenerfahrungen für Männer und Frauen bedingen.


Das ClassRep-Projekt adressiert diese Forschungslücken mit einem innovativen Forschungsdesign. Anstatt den sozialen Hintergrund von Abgeordneten allein über Bildungsabschluss oder Beruf vor Eintritt ins Parlament zu erfassen, untersucht das Projekt gesamte Karriereverläufe. So kann analysiert werden, wie verschiedene Bildungs- und Berufswege sowohl die Chancen auf politische Ämter als auch das Verhalten im Parlament beeinflussen. 


Basierend auf einer neuen ländervergleichenden Datenbank mit detaillierten Berufsbiographien von Abgeordneten werden im ersten Teil des Projektes ‚typische' klassenbasierte Karrierewege ins Parlament identifiziert und institutionelle Faktoren herausgearbeitet, die politische Karrieren unterschiedlicher Gruppen fördern. Zusammen mit ergänzenden Expert*inneninterviews mit Abgeordneten und organisierten Interessengruppen wird sodann analysiert, warum sich die Karrierewege über Zeit geändert haben, welche geschlechtsspezifischen Unterschiede bestehen und wie sich innerparteiliche Nominierungsprozesse auswirken.


Im zweiten Teil werden die Folgen für die politische Entscheidungsfindung untersucht. Hierzu werden die biografischen Daten mit Informationen zum Erfolg der Abgeordneten im Parlament (erreichte Positionen, Dauer usw.), ihrer Selbstidentifikation und ihrem legislativen Verhalten (parlamentarische Anfragen, Beiträge in Ausschüssen) verknüpft. Diese Verbindung von Einstellungen und legislativen Verhaltensweisen mit detaillierten Informationen über klassen- und geschlechtsspezifische Erfahrungen bietet eine einzigartige Chance, unser Verständnis von Gruppenrepräsentation für demokratische Repräsentation und Politikgestaltung zu erweitern.