Forschungsprojekte an der Professur Deitelhoff
Forschungsschwerpunkte
- Internationale Politische Theorie (insbesondere: Demokratie- und Herrschaftstheorien, Opposition und Widerstandsphänomene)
- Normen- und Institutionentheorien
- Global Governance
- Sicherheitspolitik
- Soziale Bewegungen
Laufende Projekte
Zeitenwenden. Normative Ordnungen im Umbruch?
Das Forschungszentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt startet ein neues Forschungsprogramm mit Förderung durch den Stiftungsfonds Commerzbank im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft: „Zeitenwenden. Normative Ordnungen im Umbruch?“ Über fünf Jahre werden dafür 750.000 € bereitgestellt.
Ausgangspunkt ist die aktuelle Krise der internationalen und nationalen Ordnungen, die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 verstärkt sichtbar wurde. Das Programm untersucht, wie politische, gesellschaftliche und normative Strukturen unter Druck geraten und welche neuen Formen von Ordnung, Demokratie und Zusammenhalt daraus entstehen können.
Zentrale Themenfelder sind: Krise und Zukunft der Demokratie, Wandel der Weltordnung, Toleranz und Freiheit sowie Perspektiven der Nachhaltigkeit. Das Programm steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff und Prof. Dr. Rainer Forst und vereint Expertisen aus verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen.
Neben der wissenschaftlichen Forschung legt das Programm besonderen Wert auf den öffentlichen Dialog. Geplant sind Gastprofessuren, Fellowships, Ringvorlesungen und Formate wie die „Frankfurter Stadtgespräche“, um den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern.
Weitere Informationen: https://normativeorders.net/news/zeitenwenden-normative-ordnungen-im-umbruch-2/
Leibniz Lab „Pandemic Preparedness“
Im Mittelpunkt dieses Forschungsschwerpunkts steht die Widerstandsfähigkeit des Gesundheitssystems. Im Rahmen des Leibniz Lab „Pandemic Preparedness“ werden nationale und internationale Erfahrungen der letzten Pandemie systematisch ausgewertet, Lehren gezogen und weiterentwickelt. Arbeitspaket 10 konkretisiert dies durch die Identifizierung von Elementen der Pandemievorbereitung, die in einem globalen Pandemievertrag geregelt werden sollten, sowie durch die Entwicklung einer diskursethisch fundierten Strategie zur Einigung auf einen durchsetzungsfähigen Vertrag (Leibniz Lab – Pandemiemanagement, IfW, PRIF).
Ein besonderer Fokus liegt auf städtischen Infrastrukturen, da sich Atemwegserreger in urbanen Räumen besonders schnell verbreiten. Die Arbeit verbindet Fragen nach gesunden Lebensbedingungen und Risikomanagement mit der Entwicklung von Methoden, um Gesundheitsdatenbanken dezentral und datenschutzkonform zu verknüpfen.
Ziel ist es, Richtlinien für ein widerstandsfähiges Gesundheitssystem zu erarbeiten, das in Krisenzeiten alle notwendigen Kapazitäten effizient mobilisieren kann. Dabei werden auch Fragen der Ressourcenverteilung untersucht: Wer bekommt wann welche Versorgung? Die Simulation möglicher Maßnahmen im Voraus hilft, systemische Defizite frühzeitig zu erkennen und zu beheben.
Zukünftigen Herausforderungen kann nur begegnet werden, wenn zentrale Interessenkonflikte innerhalb der Gesellschaft und global ausgewogen geregelt werden. Ein geplanter globaler Pandemievertrag soll nationale Bemühungen koordinieren und aufeinander abstimmen. Arbeitspaket 10 liefert die Grundlage dazu, indem es zentrale Bestandteile der Pandemievorbereitung herausarbeitet und auf eine faire Umsetzung eines Übereinkommens hinarbeitet.
LOEWE-Forschungsgruppe „Weltordnungen im Konflikt“
Die LOEWE-Forschungsgruppe „Weltordnungen im Konflikt“ untersucht, wie Krisen und Konflikte auf Weltordnungen einwirken, wie diese Effekte messbar sind und unter welchen institutionell-normativen sowie materiellen Bedingungen Konflikte zur Stabilisierung von Ordnungen beitragen können. Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie eine tragfähige Sicherheits- und Friedensordnung auf europäischer und globaler Ebene gestaltet werden kann, die Spannungen und Krisen produktiv bearbeitet.
Die Forschungsgruppe erarbeitet theoretische Grundlagen zum Verhältnis von Konflikt und Ordnung, sammelt empirisches Wissen über institutionelle Strukturen der Konflikt- und Krisenbearbeitung und entwickelt diese Erkenntnisse im Dialog mit Gesellschaft und Politik weiter. So sollen wissenschaftlich fundierte Ansätze entstehen, die auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der Friedens- und Sicherheitsordnung reagieren können.
Die Gruppe ist Teil des LOEWE-Programms, dem hessischen Förderprogramm für Spitzenforschung (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz), das herausragende Forschungsvorhaben in Hessen unterstützt.
Weitere Informationen: https://www.prif.org/forschung/weltordnungen-im-konflikt
PATTERN: How Does the Past Matter? Der russische Aggressionskrieg gegen die Ukraine und der Kalte Krieg
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die europäische Sicherheitsordnung schwer beschädigt und Europa in einen Zustand der Konfrontation versetzt, der nur mit den gefährlichsten Phasen des Kalten Krieges vergleichbar ist. Das Projekt PATTERN untersucht, welche Lehren aus historischen Analogien des Kalten Krieges für die aktuelle sicherheitspolitische Lage gezogen werden können, betont jedoch, dass diese nur im Rahmen einer reflektierten historisch-politischen Analyse valide sind.
Vor diesem Hintergrund richtet PATTERN den Fokus auf die Frage, wie historische Erfahrungen genutzt werden können, um die gegenwärtige Konfrontation mit Russland und anderen antagonistischen Großmächten in geregelte Formen von Abschreckung, Koexistenz oder Kooperation zu überführen. Das Projekt verfolgt einen Ansatz der angewandten Geschichtswissenschaft, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergangener Konflikte herauszuarbeiten und wiederkehrende Konfliktmuster abzuleiten. Das so generierte Wissen wird sowohl politischen Entscheidungsträgern als auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Schwerpunkt liegt auf drei zentralen Politikfeldern: nukleare Bedrohungen und Risiken, hybride Kriegsführung und Krisenmanagement. PATTERN verbindet Historiker*innen und Wissenschaftler*innen der internationalen Beziehungen, um die Anwendbarkeit der Lehren aus dem Kalten Krieg auf aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen zu prüfen. Das Projekt profitiert von der Kooperation zwischen dem Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) und dem Berliner Kolleg Kalter Krieg des Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin (IfZ), unterstützt von einem Netzwerk internationaler Expert*innen.
Weitere Informationen: https://www.prif.org/forschung/projekte/pattern
Zusammenhalt in Zeiten des Krieges
Im Rahmen des Forschungsprogramms „Gesellschaftlicher Zusammenhalt in der Transformation“ des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt untersucht das Arbeitspaket "Zusammenhalt in Zeiten des Krieges", wie militärische Konflikte den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland beeinflussen. Analysiert werden die Reaktionen auf vier Kriege, an denen Deutschland in den letzten Jahrzehnten beteiligt war: im Kosovo, in Afghanistan, in Mali und in der Ukraine. Untersucht wird, wie sich Vertrauen in staatliche Institutionen sowie die Beziehungen zwischen sozialen Gruppen verändern.
Die Teilnahme an militärischen Konflikten kann unterschiedliche Effekte haben: Unter bestimmten Bedingungen stärkt sie das gesellschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl, in anderen Fällen führt sie zu Polarisierung und Vertrauensverlust in staatliche Institutionen. Zentrale Forschungsfragen sind, warum militärische Konflikte unter bestimmten Bedingungen Zusammenhalt fördern, während sie unter anderen Bedingungen spalten.
Die Forschung stützt sich auf bestehende Ansätze, die unterschiedliche Effekte militärischer Konflikte erklären. Zwischenstaatliche Konflikte fördern tendenziell Zusammenhalt, während Bürgerkriege und asymmetrische Auseinandersetzungen eher zu gesellschaftlicher Spaltung führen. Darüber hinaus werden die Rolle von Medienberichterstattung, politischer Kommunikation und Aktivitäten sogenannter „Polarisierungsunternehmer:innen“ berücksichtigt.
Empirische Daten zur gesellschaftlichen Reaktion auf die vier Kriege bilden die Grundlage für die Analyse der Mechanismen, die politisierende und polarisierende Effekte von Konflikten erzeugen. Politisierende Effekte betreffen das Verhältnis der Bürger:innen zu politischen Institutionen, während Polarisierung die Beziehungen zwischen verschiedenen sozialen Gruppen betrifft.
Weitere Informationen: https://fgz-risc.de/forschung/projektdatenbank/details/A_10
CrisEn - Umweltkrisen – Krisenumwelten
Das Leibniz-Forschungsnetzwerk „Umweltkrisen – Krisenumwelten“ untersucht die Wahrnehmung und Regulierung von Umweltveränderungen als Krisen. Krisen werden dabei als Bedrohungen verstanden, die als dringlich, existenziell und in ihren politischen Folgen ungewiss erlebt werden, wodurch sie ein politisches Krisenmanagement auslösen.
Das Netzwerk erforscht, unter welchen Bedingungen Umweltveränderungen als Krise wahrgenommen oder bestritten werden und welche Governance-Arrangements ein effektives und nachhaltiges Krisenmanagement fördern. Dabei werden sowohl naturwissenschaftliche als auch gesellschaftliche Perspektiven einbezogen, um die Wechselwirkungen zwischen Umweltveränderungen und gesellschaftlicher Wahrnehmung besser zu verstehen.
Die Forschung dient zudem der Förderung der Resilienz heutiger Gesellschaften gegenüber Umweltveränderungen und betrachtet Krisenszenarien auch als Chancen für eine nachhaltigere Entwicklung.
Weitere Informationen: https://www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/leibniz-forschungsnetzwerke/krisen-einer-globalisierten-welt
Abgeschlossene Projekte
ConTrust: Vertrauen im Konflikt – Politisches Zusammenleben unter Bedingungen der Ungewissheit
Konflikte sind in gesellschaftlichen Kontexten unvermeidlich, machen ein Zusammenleben aber nicht unmöglich. Entscheidend für stabile Interaktionen ist Vertrauen: Es erzeugt eine „ungesicherte Sicherheit“, die niemals vollständig eingelöst werden kann, aber das Fundament gesellschaftlichen Zusammenlebens bildet. ConTrust untersucht, wie Vertrauen entsteht, sich bildet und in Konflikten bewährt.
Als gemeinsame Forschungsinitiative der Goethe-Universität und der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF/HSFK) verfolgt ConTrust einen interdisziplinären Ansatz. Die Initiative überschreitet konventionelle disziplinäre Grenzen und verbindet empirische und normative Analysen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den neuen Qualitäten von Ungewissheit, die etwa während der Corona-Pandemie sichtbar wurden, sowie den Medien, in denen Vertrauen und Misstrauen kommuniziert werden. Darüber hinaus wird untersucht, dass Vertrauen nicht immer positiv ist: Auch autoritäre Formen können freiheitsverneinend und politisch destruktiv wirken.
Ziel der Initiative ist es, Vertrauen in zentralen Konfliktkontexten – von demokratischen Strukturen über internationale Politik und Märkte bis hin zu Wissensdiskursen und Medien – zu diagnostizieren, zu fördern und stabilisieren zu helfen. Dafür werden unter anderem herausragende Junior- und Mid-Career-Forscher*innen gezielt gefördert und neue Professuren am Standort Frankfurt eingerichtet. Die Sprecher*innen des Programms am Zentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt sind Prof. Nicole Deitelhoff und Prof. Rainer Forst.
Weitere Informationen: https://contrust.uni-frankfurt.de/
Legitimitätspolitik durch Dialogforen? Die Weltwirtschaftsinstitutionen und ihre Kritiker
Internationale Institutionen sind in der Krise. Neben Staaten kommt die Kritik insbesondere von zivilgesellschaftlichen Akteure und Akteurinnen. Gerade die Weltwirtschaftsorganisationen, die seit den 1990er Jahren wiederholt in den Fokus zivilgesellschaftlicher Proteste geraten sind, haben als direkte Reaktion durchgängig Dialogforen entwickelt.
In diesen Dialogforen sollen zivilgesellschaftliche Vertreter und Vertreterinnen die Möglichkeit erhalten, in einen direkten Austausch mit den kritisierten Institutionen zu treten. Dialogforen zielen somit darauf zivilgesellschaftliche Kritik aufzunehmen und die in Frage gestellte Legitimität internationaler Organisationen wiederherzustellen. Zunächst als Zeitenwende im Umgang mit zivilgesellschaftlicher Kritik gefeiert, werden diese Foren mittlerweile stark kritisiert und ihnen Versagen vorgeworfen.
Die Forschung hat sich aber bisher kaum explizit mit den Dialogforen internationaler Institutionen beschäftigt. Das Projekt „Legitimitätspolitik durch Dialogforen?“ stellt deshalb Dialogforen in den Mittelpunkt und geht der Frage nach, ob die Kritik an der Öffnung internationaler Organisationen und der Schaffung von Dialogforen berechtigt ist. Dazu wird die Ausgestaltung und Praxis von Dialogforen verschiedener Institutionen über Zeit und im Vergleich untersucht. Darüber hinaus soll erforscht werden, woran es liegt, wenn Dialogforen die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen.
Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Drifting Apart: Internationale Institutionen in der Krise
Austritte aus internationalen Organisationen oder Vereinbarungen haben in den letzten Jahren wiederholt die internationale Politik geprägt – vom Brexit über den vorübergehenden Austritt der USA aus der Pariser Klimavereinbarung bis hin zu den Austritten Burundis und der Philippinen aus dem Internationalen Strafgerichtshof. Solche Dissoziationen belasten nicht nur die betroffenen Institutionen, sondern können auch die Beziehungen zwischen den austretenden Staaten und jenen, die die Institution erhalten wollen, langfristig beeinträchtigen.
Das interdisziplinäre Projekt „Drifting Apart“ (2019–2023) zeigt, dass dauerhafte Spannungen besonders dann entstehen, wenn Austritte als Ausdruck von Wertekonflikten wahrgenommen werden – also als Zeichen grundlegender unterschiedlicher Wertvorstellungen und nicht nur von finanziellen oder machtpolitischen Auseinandersetzungen. Darüber hinaus sind solche Dissoziationen häufig in strategische Konflikte zwischen Staaten und in innenpolitische Entwicklungen eingebettet, was die Konfliktlösung erschwert.
Das Projekt wurde unter Federführung des PRIF im Leibniz-Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt“ entwickelt und brachte vier Leibniz-Institute zusammen: PRIF, das German Institute of Global and Area Studies (GIGA, Hamburg), das Institut für Zeitgeschichte (IfZ, München) und das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF, Potsdam). Untersucht wurden fünf historische und aktuelle Fälle von Dissoziation, deren Ergebnisse in einem Forum der interdisziplinären Zeitschrift Historical Social Research veröffentlicht wurden. Das Projekt wurde durch die Leibniz-Gemeinschaft aus Mitteln des Leibniz-Wettbewerbs gefördert.
Weitere Informationen: https://www.prif.org/forschung/projekte/drifting-apart
Gesellschaft Extrem: Radikalisierung und Deradikalisierung in Deutschland
Extreme politische Ansichten gewinnen zunehmend an Bedeutung, auch in Deutschland. Radikalisierungen treten auf der rechten und linken Seite des politischen Spektrums sowie im Kontext religiösen Sektierertums auf. Das Projekt „Gesellschaft Extrem“ untersucht die Mechanismen individueller und kollektiver Radikalisierung, um der Entwicklung zu einer „Gesellschaft der Extreme“ vorzubeugen und liberale Werte sowie demokratische Institutionen zu stärken. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt nahm am 1. Juli 2017 seine Arbeit auf.
Das Projekt arbeitet interdisziplinär und vergleichend: Es erhebt systematisch den Stand der Radikalisierungsforschung, entwickelt Handlungsoptionen gegen Radikalisierung und stärkt demokratische Werte. Zudem findet ein intensiver Wissensaustausch zwischen Forschung und Praxis statt. Die Koordination erfolgt unter der Leitung von Prof. Dr. Christopher Daase, Prof. Dr. Nicole Deitelhoff und Dr. Julian Junk durch ein HSFK-Team.
In enger Zusammenarbeit mit fünf einschlägigen Forschungsinstituten und Praxispartnern wurden unterschiedliche Perspektiven bearbeitet: Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld untersucht individuelle Radikalisierungsprozesse, das Institut für Empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der Humboldt-Universität Berlin Gruppenradikalisierung, und das PRIF/HSFK analysiert gesellschaftliche Radikalisierung. Das Violence Prevention Network arbeitet an Deradikalisierungsmaßnahmen, das International Center for the Study of Radicalisation and Political Violence (ICSR) am King's College London an Online-Radikalisierung, und das Nationale Zentrum für Kriminalprävention (NZK) an der Evaluation von Präventions- und Deradikalisierungsmaßnahmen.
Alle wesentlichen Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit über Online- und Offline-Angebote zugänglich gemacht und auf einer Abschlusskonferenz gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) präsentiert. Weitere Informationen: https://gesellschaftextrem.hsfk.de/
Krisen in einer globalisierten Welt
In einer globalisierten Welt nehmen Krisen eine neue Qualität an. Nicht nur wirken sie als fundamentale Funktionsstörungen ökonomischer, sozialer, politischer oder ökologischer Systeme weit über nationale Grenzen hinaus, häufig sind unterschiedliche Krisenlagen auch über einzelne Teilsysteme hinweg so komplex miteinander verflochten, dass ihnen zu begegnen immer höhere Anforderungen an koordiniertes Handeln stellt.
Im Leibniz-Forschungsverbund Krisen einer globalisierten Welt arbeiten 24 Leibniz-Institute aus vier Sektionen zusammen, um inter- und transdisziplinär die Mechanismen und Dynamiken von Krisen und deren wechselseitige Interdependenzen besser zu verstehen. Die themenbezogene, aber auch themenübergreifende Bündelung sozial-, geistes- und naturwissenschaftlicher Expertise ermöglicht es, aus der systematischen Analyse heraus praxisrelevantes Wissen zu generieren, das zur Einschätzung und zum Umgang mit gegenwärtigen Bedrohungslagen sowie zur Früherkennung sich krisenhaft zuspitzender Entwicklungen dienen kann.
Weitere Informationen: http://www.leibniz-krisen.de/start/
Internationale Normen im Streit: Kontestation und Normrobustheit
(mit Lisbeth Zimmermann)
Können Normen zerfallen? Oder verändern sie nur ihre Gestalt über Zeit? Diese Fragen sind in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund gerückt. Der liberale Optimismus der 1990er Jahre, dass sich grundlegende Normen nach dem Ende der Blockkonfrontation weltweit durchsetzen würden, ist in den letzten Jahren nachhaltig erschüttert worden. Selbst basale Menschenrechtsnormen bleiben nicht unangefochten: Immer wieder bricht Streit um internationale Normen wie das Folterverbot oder die internationale Schutzverantwortung aus.
Kontestation: Schwächendes oder stärkendes Mittel von Normen?Ebenso umstritten wie diese Normen ist in der Forschung, welche Auswirkungen der Streit um Normen auf ihre Robustheit hat, ob er zur Schwächung oder zur Stärkung der Normen beiträgt. Während eine Hypothese lautet, dass Kontestation per se Normen schwächt, sieht eine konkurrierende Hypothese in der Kontestation selbst eine normative Kraft, die Normen über die kontinuierliche Aktualisierung in ihrer Geltung bestärkt.
Das Forschungsprojekt „Internationale Normen im Streit. Kontestation und Normrobustheit“ erforscht, unter welchen Bedingungen Kontestation Normen schwächt bzw. stärkt. Wir verfolgen Kontestationsverläufe in vier Normensets stark umstrittener Normen (Internationale Schutzverantwortung, Internationaler Strafgerichtshof, Folterverbot, Verbot kommerziellen Walfangs) und kontrastieren diese mit zwei Fällen vollständig verfallener Normen (Sklaverei und Kapereischifffahrt).
Publikationen
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Deitelhoff, Nicole/Zimmermann, Lisbeth (2019): Norms under Challenge: Unpacking the Dynamics of Norm Robustness, in: Journal of Global Security Studies, 4:1, 2-17, https://academic.oup.com/jogss/article/4/1/2/5347906.
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Deitelhoff, Nicole/Zimmermann, Lisbeth (2018): Things We Lost in the Fire: How Different Types of Contestation Affect the Robustness of International Norms, International Studies Review, 31.12.2018.
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Zimmermann, Lisbeth/Deitelhoff, Nicole/Lesch, Max (2018): Unlocking the agency of the governed: contestation and norm dynamics, in: Third World Thematics: A TWQ Journal, 1–18, DOI: 10.1080/23802014.2017.1396912.
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Arcudi, Antonio (2017): The International Criminal Court in Difficult Times: Challenges for the 16th Assembly of States Parties, PRIF BLOG, 4.12.2017.
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Zimmermann, Lisbeth (2017): More for Less: The Interactive Translation of Global Norms in Postconflict Guatemala, in: International Studies Quaterly, DOI: 10.1093/isq/sqx044.
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Lesch, Max (2017): Praxistheorien und Normenforschung in den Internationalen Beziehungen – Zum Beitrag der pragmatischen Soziologie, in: diskurs, 1–23, www.diskurs-zeitschrift.de/(...).
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Arcudi, Antonio (2016): Der Internationale Strafgerichtshof auf der Anklagebank, HSFK-Report Nr. 11/2016, Frankfurt/M.
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Arcudi, Antonio (2016): Die Responsibility to Protect im Kreuzfeuer der Kritik. Zum Zusammenhang von Normkontestation und Normerosion, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen, 23:2, 78–111, DOI: 10.5771/0946-7165-2016-2-78.
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Wolff, Jonas/Zimmermann, Lisbeth (2016): Between Banyans and battle scenes. Liberal norms, contestation, and the limits of critique, in: Review of International Studies, 42:3, 513–534, DOI: 10.1017/0260210515000534.
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Nicole Deitelhoff/Lisbeth Zimmermann (2014): From the Heart of Darkness. Critical Reading and Genuine Litening in Constructivist Norm Research. A Reply to Stephan Engelkamp, Katharina Glaab, and Judith Renner, in: World Political Science Review 10:1, 17-31.
- Nicole Deitelhoff/Lisbeth Zimmermann (2013): Aus dem Herzen der Finsternis. Kritisches Lesen und wirkliches Zuhören der konstruktivistischen Normenforschung. Eine Replik auf Stephan Engelkamp, Katharina Glaab und Judith Renner, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen, 20:1, 61-74.
- Nicole Deitelhoff/Lisbeth Zimmermann (2013): Things We Lost in the Fire. How Different Types of Contestation Affect the Validity of International Norms, HSFK Arbeitspapiere, 18/2013, Frankfurt/M.
- Nicole Deitelhoff (2012): Scheitert die Norm der Schutzverantwortung? Normanwendung und Normbegründung im Streit um die Schutzverantwortung, in: Friedenswarte, Themenheft zur Schutzverantwortung, i.E.
- Nicole Deitelhoff (2009): The Discursive Process of Legalization. Charting Islands of Persuasion in the ICC case, in: International Organization 63: 1, 33-66.
Weitere Informationen: https://www.hsfk.de/forschung/projekt/internationale-normen-im-streit-kontestation-und-normrobustheit/
Dissidenz: Herrschaft und Widerstand in der internationalen Politik
(mit Prof. Dr. Christopher Daase, Ben Kamis, Jannik Pfister, Sebastian Schindler, Thorsten Thiel)
Die fortschreitende Globalisierung führt nicht nur zu einer Verdichtung internationaler und transnationaler Beziehungen, sondern auch zu einer Akzentuierung des Widerstands gegen globale Ordnungspolitik. Zunehmender Widerstand gegen liberale Wirtschaftsmodelle, die Missachtung internationaler Regeln und offener Protest gegen „westliche Werte“ sind Anzeichen dafür. Die zentrale Frage dieses Projektes ist, wie transnationale Herrschaft und transnationaler Widerstand zusammenhängen. Der Herrschaftscharakter innerhalb der Teilordnungen globalen Regierens manifestiert sich in einer polyzentrischen, nicht direkt mit dem nationalstaatlichen Souveränitätsgedanken vergleichbaren Form. Nichtsdestotrotz fordert aber das von Regulierungsnormen, Institutionen und Diskurslagen verstetigte „Räderwerk der Macht“ von den Regelungsadressaten Anpassungsleistung und Folgebereitschaft ein. Wie und wann bildet sich aber Widerstand gegen diese Form von Herrschaft aus? In welcher Form und wo artikuliert er sich? Diese Fragen sind bisher weitgehend unerforscht. Das Forschungsprojekt hat daher das Ziel, dem Phänomen der Dissidenz - jenes Widerspruchs, welcher die Spielregeln des Systems nicht anerkennt und unkonventionelle Organisations- und Artikulationsformen wählt - auf den Grund zu gehen und eine empirische Kartierung der Ausprägungen vorzunehmen, die Herrschaft und Widerstand annehmen.
Weitere Informationen unter www.dissidenz.net.
Publikationen
- Anderl, Felix/Daase, Christopher/ Deitelhoff, Nicole/ Kempf, Victor/ Pfister, Jannik/ Wallmeier, Philip (2019): Rule and Resistance Beyond the Nation State. Contestation, Escalation, Exit, London: Rowman & Littlefield.
- Daase, Christopher/Deitelhoff, Nicole (2019): Opposition and Dissidence, in: Journal of International Political Theory 15: 1, 11–30.
- Daase, Christopher/Deitelhoff, Nicole/ Kamis, Ben/ Pfister, Jannik/ Wallmeier, Philipp (2017): Herrschaft in den Internationalen Beziehungen. Wiesbaden: Springer.
- Daase, Christopher/ Deitelhoff, Nicole (2015): Jenseits der Anarchie: Widerstand und Herrschaft im internationalen System, in: Politische Vierteljahresschrift 56: 2, 299-318.
Alternativlos? Gesellschaftlicher Protest in der Globalisierungskritischen Bewegung zwischen Opposition und Dissidenz
(mit Dr. Priska Daphi und Felix Anderl)
Die Alterglobalisierungsbewegung ist die medial am stärksten wahrgenommene zeitgenössische Protestbewegung gegen internationale Institutionen. Seit dem Paukenschlag des “Battle of Seattle” 1999 begleiteten ihre Protestaktionen regelmäßig Weltwirtschaftsgipfel und internationale Verhandlungsrunden, ihr Einfluss reicht bis in gegenwärtige Proteste. Öffentlich sichtbar wird darin ein radikaler Widerspruch von Teilen der transnationalen Zivilgesellschaft gegen internationale Institutionen und die in ihnen verkörperten Normen. Zugleich ist die Bewegung kaum von einheitlichen Zielen oder Strategien geprägt. Ein grundlegender Konsens über die Kritik an der neoliberalen bzw. kapitalistischen Globalisierung trifft auf konfligierende Zielvorstellungen und Strategien. Damit hängt auch die Positionierung der Gruppierungen zu politischen Ordnungsstrukturen auf der nationalen und internationalen Ebene zusammen. Während einige Gruppierungen ihre Ziele innerhalb der institutionalisierten Kanäle politischer Teilhabe verfolgen, verletzen andere bewusst die geltenden Spielregeln politischer Einflussnahme bis hin zur Anwendung von (sporadischer) Gewalt. Die Gründe für diese Unterschiede sind bislang kaum erforscht. Das Teilprojekt vergleicht unterschiedliche Gruppierungen innerhalb der Bewegung, um anhand ihrer Entwicklungen (von Opposition über gewaltlose Dissidenz bis hin zu gewaltsamer Dissidenz und umgekehrt) mögliche Faktoren zu identifizieren, die gesellschaftlichen Protest in die Dissidenz hinein und wieder aus ihr herausführen, sowie um eine Diskussion der gesellschaftlichen Bedeutung dissidenter Bewegungen in zeitgenössischen Demokratien zu ermöglichen.
Weitere Informationen: http://dissidenz.net/
Publikationen
- Daphi, Priska/ Deitelhoff, Nicole/ Rucht, Dieter/ Teune, Simone (2017): Protest in Bewegung? Zum Wandel von Bedingungen, Formen und Effekten politischen Protests. Sonderheft Leviathan, Baden-Baden: Nomos.


