I. Einleitung
Das Studienangebot des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften, bestehend aus dem Institut für Soziologie und dem Institut für Politikwissenschaft, zeichnet sich durch ein breit gefächertes Lehrangebot sowie durch Forschungsstärke und Internationalität aus. Es umfasst konsekutive Bachelor- und Masterstudiengänge sowie zusätzliche Angebote in und für die Lehramtsausbildung. Historisch versteht sich der Fachbereich als eng mit der Tradition der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule verbunden; heutzutage orientiert er sich in Forschung und Lehre im Sinne einer paradigmenoffenen Gesellschaftswissenschaft an einem großen Spektrum von wissenschaftstheoretischen Schulen, methodischen Paradigmen und fachlichen Spezialisierungen. Charakteristische Elemente der Sozialwissenschaften in Frankfurt sind:
II. Verständnis und Ausdifferenzierung des universitären Leitbilds Lehre
Universitäre Lehre und forschendes Lernen
Die Lehre am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften zeichnet sich durch eine große Vielfalt und Breite sozialwissenschaftlicher Themen aus. Während die Eingangsphasen aller Studiengänge durch die Herstellung eines gemeinsamen Überblicks gekennzeichnet sind (Propädeutikum und verschiedene Einführungsveranstaltungen in den Bachelorstudiengängen; Vorlesungen oder Ringvorlesungen in den meisten Masterstudiengängen), mündet dies in einer großen inhaltlichen Wahlfreiheit für Studierende, die eine durch curriculare Freiräume in den Studienordnungen unterstützte, individuelle Schwerpunktsetzung erlaubt und die gezielte Spezialisierung in Teildisziplinen und Methoden ermöglicht. Der Fachbereich ist bestrebt, diese Freiräume beizubehalten und individuelle Studienverläufe zu fördern und gleichzeitig eine breite Orientierung anzubieten. Zudem orientiert sich der Fachbereich an dem Ideal der forschungsorientierten Lehre, sichtbar etwa an den in einem Großteil der Masterstudiengänge des Fachbereichs implementierten curricularen Forschungspraktika, die es Studierenden erlauben, im Rahmen eines Themenschwerpunkts eigene Forschungsfragen zu entwickeln und empirisch zu untersuchen und so Einblick in die tatsächliche sozialwissenschaftliche Forschung zu erhalten. In den einführenden Veranstaltungen in die Studiengänge werden die Studierenden besonders mit den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis vertraut gemacht. Der Fachbereich bekennt sich zu der Zivilklausel, die als Präambel der Grundordnung der Universität vorangestellt ist, und achtet auf deren Einhaltung in der Lehre.
Gute Rahmenbedingungen für Lehren und Lernen
Dem Fachbereich ist es ein großes Anliegen, Studierende darin zu unterstützen, ihr Studium erfolgreich und ohne unerwünschte Verzögerungen abzuschließen. So gibt es für alle Studiengänge detaillierte exemplarische Studienverlaufspläne, und bei der Überarbeitung und Neueinrichtung von Studiengängen wird auf eine gute Studierbarkeit und ausgewogene Curricula geachtet. Um der wachsenden Herausforderung, Erwerbs- und Sorgearbeit mit dem Studium in Einklang zu bringen, gerecht zu werden, ist die Flexibilisierung des Studiums eine Aufgabe, der sich der Fachbereich sowohl bei den Beratungsangeboten als auch bei der Weiterentwicklung von Studiengängen verstärkt annimmt. Mit seinem Beratungsangebot ist der Fachbereich bestrebt die Studierenden in allen Phasen ihres Studiums informierend und beratend zu begleiten, sie in den relevanten administrativen Prozessen ihres Studiums zu unterstützen und mit Blick auf Berufsfeldorientierung Perspektiven über das Studium hinaus aufzuzeigen. Das Team „Studium und Lehre“ innerhalb des Dekanats wurde in den vergangenen Jahren weiter professionalisiert und bietet damit Lehrenden und Studierenden wichtige Service-Leistungen. Dies ging einher mit einer Strukturierung der Lehrplanung und weiterer für die Lehre wichtiger Prozesse. Sowohl im regulären Haushalt als auch im Haushalt zur Verbesserung der Qualität in Studium und Lehre (QSL) werden regelmäßig finanzielle Mittel eingestellt, die via Tutorien, „Autonomen Tutorien“, Exkursionen, PC-Pools etc. weitere Differenzierungsmaßnahmen von Lehre erlauben. Auch existiert ein Notfallfonds, um kurzfristige (oftmals krankheitsbedingte) Ausfälle von Lehre zu kompensieren. Die hierbei entwickelten Finanzierungsmodelle werden im Konsens zwischen den Statusgruppen nachhaltig gestellt und haben sich in der Vergangenheit als sehr hilfreich erwiesen. Der Fachbereich sieht als eine seiner zentralen Aufgaben die stetige Weiterentwicklung und Verbesserung des Bereichs Studium und Lehre unter Berücksichtigung und Abwägung der Bedürfnisse der verschiedenen an der Lehre beteiligten Statusgruppen (Studierende, Lehrende, administrativ-technische Mitarbeiter*innen). Maßnahmen sind regelmäßige Austauschtreffen unter und zwischen den Statusgruppen, Evaluationen und Bedarfserhebungen.
Professionalität in der Lehre
Der Fachbereich legt Wert auf eine hohe Qualität in der Lehre. Zentrale Instrumente hierbei sind regelmäßig durchgeführte Veranstaltungsevaluationen, Fallauswertungen aus der Studienfachberatung sowie eine umfassende Evaluation der Studiengänge durch die zentralen Stellen der Universität. Lehrende werden in ihrem Bemühen um kontinuierliche didaktische Weiterqualifizierung und Innovationsfreude unterstützt. Auch in Berufungsverfahren des Fachbereichs findet der Aspekt der Lehre Berücksichtigung, insofern Lehrevaluationen und Konzeptpapiere für Lehrveranstaltungen Bestandteil der einzureichenden Bewerbungsunterlagen sind und in den Gesprächen mit der Berufungskommission die Lehrkompetenz eine zentrale Rolle spielt.
Internationalisierung
Die Internationalisierung von Studium und Lehre am Fachbereich ist zentraler Bestandteil eines strategischen hochschulpolitischen Gesamtkonzepts. Schwerpunkte der Internationalisierungsstrategie sind die Erhöhung der internationalen Studierendenmobilität, die insbesondere durch den systematischen Ausbau des Netzwerks an Kooperationen gestärkt wird, sowie das Bestreben, den Anteil an Lehrangeboten in der Wissenschaftssprache Englisch sukzessive zu erhöhen, da sie das Fundament der neuen englischsprachigen Masterprogramme bilden. Mit dem Referat für Internationales unterhält der Fachbereich eine eigene Beratungsstelle für Incomings sowie Outgoings. Die Studienordnungen sind so gestaltet, dass sie Auslandsaufenthalte durch entsprechende Mobilitätsfenster im Curriculum erleichtern und Möglichkeiten zur Anerkennung vorsehen. Darüber hinaus fördert der Fachbereich die Mobilität von Doktorand*innen und Lehrenden durch gezielte Informationsangebote und Beratung zu internationalen Lehrformaten (z.B. Digital Exchange, Summer Schools) in einer immer stärker interkulturell geprägten Wissenschaftslandschaft sowie das Selbstverständnis einer Willkommenskultur für Gastwissenschaftler*innen und Lehrende aus dem Ausland. Ziel ist es, das Konzept der „Internationalisation at home“ nachhaltig zu etablieren. Der verstärkte Austausch zwischen lokalen und internationalen Studierenden sowie Lehrenden ermöglicht es in hohem Maße, interkulturelle Perspektiven bei der Umsetzung von Lehrveranstaltungen miteinzubeziehen sowie die Diversitätskompetenz aller Beteiligten am Fachbereich zu stärken.
Digitalisierung
Digitale Elemente sind ein wichtiger Bestandteil der Lehre am Fachbereich, sowohl formal als auch inhaltlich. Insbesondere in der Methodenausbildung ist ein softwaregestütztes Lernen und Lehren sowie der Umgang mit forschungsrelevanter Software integral für die didaktische Konzeption und Durchführung von Lehrveranstaltung. In den einführenden Vorlesungen sowie anderen Großveranstaltungen kommen digitale Lehr-/Lernformate zum Einsatz, etwa im Bereich Prüfungen (E-Klausuren). Der Fachbereich verfügt über eigene PC-Pools, die für Lehrveranstaltungen eingesetzt werden können und auch für die freie Nutzung durch die Studierenden belegbar sind. Zudem sind die Untersuchung digitaler Medien, von Mediennutzung und Medienkompetenz regelmäßig Gegenstand von Lehrveranstaltungen und sollen in Anbetracht ihrer zunehmenden Bedeutung in Zukunft vertieft werden. Der Fachbereich sieht sich selbst in der Pflicht sein bestehendes Portfolio an digitalen Angeboten zu erhalten und weiter auszubauen. Neben der Infrastruktur und den Beratungsangeboten zu Hard- und Software im Methodenbereich, möchte er den Erhalt und die Integration von digitalen Inhalten in der Lehre weiter sicherstellen und perspektivisch ausbauen.
Gender und Diversität
Der Fachbereich versteht die Diversität sowohl der Studierenden als auch der Lehrenden durch eine Heterogenität in Bezug auf Gender, Dis/ability, sozioökonomische und kulturelle Hintergründe sowie Erfahrungen von Behinderungen, sozioökomischen Verhältnissen und möglichen Behinderungsgraden gekennzeichnet. Auf diese Diversität wird nicht nur besondere Rücksicht genommen, sie wird auch als Bereicherung und Chance begriffen. Mit Blick auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis strebt der Fachbereich als Selbstverpflichtung seit langem eine gezielte Förderung von Frauen bei Stellenbesetzungen an und legt bereits bei der Vergabe von Lehraufträgen und Tutorien Wert auf eine paritätische Verteilung. Darüber hinaus strebt der Fachbereich die Förderung von transgeschlechtlichen, intergeschlechtlichen und nicht-binären Personen an. Die Vielfalt der Studierenden wird durch den Zulassungsausschuss – bei Wahrung der Chancengleichheit – bewusst gefördert, unter anderem, indem die typischen Probleme bildungsbenachteiligter bzw. ausländischer Studierender bei Bewerbung und Zulassung im Verfahren berücksichtigt werden. In der Beratungs- und Unterrichtspraxis wird auf die z.T. besonderen Probleme von Studierenden aus Arbeiter*innenfamilien, aus dem Ausland, mit Migrationsgeschichte oder in besonderen Lebenslagen eingegangen. Die Integration gender- und diversitätsrelevanter Lehrinhalte ist zudem fester Bestandteil der Lehre am Fachbereich und auch curricular in allen Studienangeboten verankert. Der Fachbereich bietet zudem mit dem in Kooperation mit dem Cornelia Goethe Centrum organisierten BA (Nebenfach) Gender Studies einen inter- und transdisziplinär angelegten Studiengang auf diesem Gebiet an und ist bestrebt, die Expertise und Sensibilität für intersektionale Fragen und soziale Diversität weiter auszubauen. Auch im Bereich der Forschung sind Geschlechterverhältnisse, Intersektionalität, soziale bzw. globale Ungleichheit und Formen der Diskriminierung Schwerpunkte an beiden Instituten.
Interdisziplinarität
In besonderem Maße kennzeichnend für den Fachbereich ist der hohe Anteil an interdisziplinär ausgerichteten Lehrveranstaltungen. Interdisziplinär sind auch die meisten der am Fachbereich verankerten Forschungsprojekte, sodass fachübergreifende Fragestellungen und Ansätze in die Lehre einfließen. Dies gilt auch für die Vernetzung und den Austausch mit universitären und außeruniversitären Forschungs- und Praxiseinrichtungen. Dazu zählen u.a. das Forschungszentrum Normative Ordnungen, das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF - Peace Research Institute Frankfurt), das Institut für Sozialforschung, das Sigmund-Freud-Institut, das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und das Institut für sozial-ökologische Forschung. Die Lehre profitiert maßgeblich von diesen Kooperationen, was sich u.a. in der Einrichtung von Kooperationsprofessuren und Lehraufträgen dort angesiedelter Mitarbeiter*innen ausdrückt. Dadurch ist sichergestellt, dass Impulse aus aktuellster Forschung unmittelbar in die Lehre des Fachbereichs einfließen. Dem Fachbereich ist außerdem daran gelegen, Studierenden durch Kooperationspartner innerhalb wie außerhalb der Universität die fachliche und berufspraktische Vielfalt und Anwendungsmöglichkeiten der vermittelten Inhalte aufzuzeigen und zugänglich zu machen. Gezielte Verzahnungen der soziologischen und politikwissenschaftlichen Studiengänge sorgen zudem für einen engen Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden der beiden Institute des Fachbereichs. Zudem ist der Fachbereich an interdisziplinären Studiengängen der Universität beteiligt. Seine Angebote sind auch für Studierende vieler anderer Fachrichtungen anrechenbar, so dass auch hier regelmäßiger interdisziplinärer Austausch gelebt wird.