Schwerpunkte in Forschung und Lehre

Bildungs- und Ungleichheitssoziologie
Qualitative Sozialforschung, insbesondere Mehrgenerationenforschung
Empirische Forschung zu Ressentiment und Autoritarismus

​ Forschungsprojekte

Projektleitung (gemeinsam mit Stephan Lessenich) »Teilnahme ohne Teilhabe: Zur Illusion der Bildungsexpansion« im SFB 1750 »[in:just] Inklusion - Anerkennung - Gerechtigkeit. Teilnahme und Teilhabe in Prozessen des Aufwachsens« an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

CO2: Teilnahme ohne Teilhabe: Zur Illusion der Bildungsexpansion [Participation without Belonging – Inclusion Illusion]

(DFG-Projekt im Rahmen des SFB 1750 [in:just], geleitet durch Dr. habil. Laura Hanemann und Prof. Dr. Stephan Lessenich, Mitarbeiterin Dr. Mareike Heller, Projektlaufzeit 04/2026-12/2029)

Mit Pierre Bourdieus These des „illusionären Charakters der Chancengleichheit“ lässt sich die deutsche Bildungsexpansion als eine Geschichte der ausschließenden Inklusion rekonstruieren, bei der die kontinuierlich gestiegenen Bildungsteilnahme der Persistenz von Bildungsungleichheit entgegensteht. Im Projekt untersuchen wir diesen widersprüchlichen Doppelcharakter über eine Analyse bildungsprogrammatischer Texte des Bildungsexpansionsdiskurses (1964-2022) und einer qualitativen Untersuchung zur Transmission von Bildungserfahrungen über drei Generationen hinweg. Wir führen dabei Einzelinterviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen und Familieninterviews mit den Jugendlichen und ihren Familien. Durch den Fokus auf soziale Flugbahnen sowie die generationale Transmission von Bildungserfahrungen (in ihren vielfältigen Ausprägungen von Anerkennung oder Missachtung) liefert das Teilprojekt einen relevanten Beitrag zur Analyse und Kritik der Persistenz von Bildungsungleichheit und zur Bedeutung von Gerechtigkeits- und Anerkennungserfahrungen. Darüber hinaus soll der viel benutzte, aber selten spezifizierte Begriff der „sozialen Herkunft“ oder des "Elternhauses" über die Analyse von häufig unsichtbar bleibenden familialen Bildungsstrategien und -erfahrungen soziologisch grundiert werden.

»Familiengeschichte als Gesellschaftsgeschichte: Deklassierungserleben und postnazistische Affektbindung in drei Generationen« (Habilitationsschrift)

Im Rahmen meiner fallrekonstruktiven Untersuchung zeichne ich die ambivalente Verzahnung von Familien- und Gesellschaftsgeschichte nach, Subjekt- und Strukturgenese werden stets gesellschaftsanalytisch gedacht. Im Fokus meiner Studie, welche sich auch auf Ansätze psychoanalytischer Sozialpsychologie stützt, steht sowohl die Transmission von Erfahrungen über drei Generationen des 20. Jahrhunderts hinweg, als auch die empirische Erforschung autoritärer Dynamiken und Ressentiments in Verbindung mit Statusinkonsistenz und dem Erleben von Staatlichkeit. Das Habilitationsverfahren wurde am 15. Juni 2026 erfolgreich abgeschlossen.

»B_05 Marginalisierungserfahrungen und Zusammenhaltserwartungen: Sozialräumliche Perspektiven«, AP im Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)

(Mitarbeit im FGZ-Projekt, Projektleitung Prof. Dr. Stephan Lessenich, Prof. Dr. Jonas Rees, Dr. Yann Rees, Prof. Dr. Andreas Zick, gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR))

Das Arbeitspaket (AP) untersucht die zusammenhaltsgefährdenden und -stiftenden Effekte sozialer Marginalisierung und interessiert sich dabei insbesondere für das Spannungsverhältnis von politischen Anrufungen gesellschaftlichen Zusammenhalts und subjektiven Wahrnehmungen ökonomischer Benachteiligung bzw. kultureller Missachtung. Empirisch geprüft wird die in der ersten Förderphase des FGZ kontrovers diskutierte Position, wonach die Kategorie des Zusammenhalts eine der gesellschaftlichen „Zone der Integration“ entstammende Ordnungsvorstellung sei. Folgt man dieser Annahme, so wird die Stabilisierung gesellschaftlicher Ordnung nicht zuletzt auf Kosten benachteiligter Gruppen hergestellt, denen seitens der Mehrheitsgesellschaft eine defizitäre soziale Leistungsbilanz attestiert wird. Das AP nimmt Marginalisierungserfahrungen von benachteiligten Gruppen in den Blick und spiegelt diese mit den gruppenspezifischen Vorstellungen und Erwartungen gesellschaftlichen Zusammenhalts. In den empirischen Fokus rücken damit von negativen Zuschreibungen, symbolischer Abwertung und potenziellem Ausschluss betroffene Gruppen: bildungsarme Haushalte (sogenannte „bildungs-ferne Milieus“, Standort Frankfurt) zum einen, Erwerbs- und Wohnungslose sowie Drogennutzende (Standort Bielefeld) zum anderen. Die im öffentlichen Diskurs als „bildungsfern“ titulierten sozialen Klassen werden seit mindestens einem Jahrzehnt in die ambivalente Position gesetzt, Adressatin fürsorglicher bildungspolitischer Intervention zu sein und damit zugleich aber als sozialstruktureller Problemfall einer flexibilisierten Wissensgesellschaft zu gelten. Von Armut Betroffene, Wohnungs- und Erwerbslose sowie Menschen mit Drogenproblemen werden auf der Ebene von Gruppenzugehörigkeiten noch deutlicher als „Andere“ konstruiert. Sie gelten als „Verlierer:innen“ der Gesellschaft und sind von stigmatisierenden Zuschreibungen betroffen. Das AP verfolgt einen sozialräumlichen Ansatz, der sich sowohl sozialräumlich auf ein relationales Verständnis von Positionen in der Sozialstruktur wie auch sozialräumlich auf lokal-territoriale Ungleichheiten bezieht. Wir interessieren uns dabei für die sozialen (und ggf. politischen) Reaktionsweisen peripherisierter Gruppen auf praktisch erfahrene Marginalisierung und subjektiv wahrgenommene Abwertung.  In diesem Sinne interessiert auch, inwiefern die Befragten den diskursiven Anrufungen gesellschaftlichen Zusammenhalts einen klassistischen Gehalt zuschreiben und ob entsprechende Wahrnehmungen eines Klassencharakters der Zusammenhaltsidee illiberale Haltungen und ressentimentale Affekte befördern.

Marginalisierungserfahrungen und Zusammenhaltserwartungen: Sozialräumliche Perspektiven

„Zwischen Zeitsouveränität und Zeitpanik: Solo-Selbstständigkeit im Lebenslauf“ (Dissertation)

Im Rahmen meiner Dissertationsarbeit habe ich mich mit der berufsbiographischen Bedeutung von
Solo-Selbstständigkeit auseinandergesetzt. In meiner qualitativen Studie habe ich mit der Grounded
Theory Lebensführungsmuster von Solo-Selbstständigen im sogenannten mittleren Alter untersucht.
Das herausgearbeitete „Leben im Konjunktiv“ ist aus den sprachlichen Äußerungen der Interviewten
abgeleitet, welche kontinuierlich auf das verweisen, was sie eigentlich tun müssten – ohne dem Folge
zu leisten. Die Verwendung des Konjunktivs offenbart eine Permanenz des Handlungsdrucks, der
stetig in einen Zustand eigentümlicher Lähmung umzuschlagen droht. Der Konjunktiv ist somit nicht
nur als sprachliches Produkt, sondern als Bewältigungsmuster der Subjekte zu verstehen. Unter
Bezugnahme auf die Analysekategorie des Alter(n)s legt die Untersuchung Sollbruchstellen in der
Anrufung eines scheinbar alterslosen unternehmerischen Selbst und der Vorstellung eines
kontinuierlichen und stabilen „midlifes“ frei.