"Familiengeschichte als Gesellschaftsgeschichte: Deklassierungserleben und postnazistische Affektbindung in drei Generationen" (Habilitationsprojekt)
Im Rahmen meiner fallrekonstruktiven Untersuchung (mittels Grounded Theory Methodologie) zeichne ich die ambivalente Verzahnung von Familien- und Gesellschaftsgeschichte nach, Subjekt- und Strukturgenese werden stets gesellschaftsanalytisch gedacht. Im Fokus meiner Studie, welche sich auch auf Ansätze psychoanalytischer Sozialpsychologie stützt, steht sowohl die Transmission von Erfahrungen über drei Generationen des 20. Jahrhunderts hinweg, als auch die empirische Erforschung autoritärer Dynamiken und Ressentiments in Verbindung mit Statusinkonsistenz und dem Erleben von Staatlichkeit. Das Habilitationsverfahren wurde am 10. Februar 2025 an der Goethe-Universität eröffnet.
„Zwischen Zeitsouveränität und Zeitpanik: Solo-Selbstständigkeit im Lebenslauf“ (Dissertation)
Im Rahmen meiner Dissertationsarbeit habe ich mich mit der berufsbiographischen Bedeutung von
Solo-Selbstständigkeit auseinandergesetzt. In meiner qualitativen Studie habe ich mit der Grounded
Theory Lebensführungsmuster von Solo-Selbstständigen im sogenannten mittleren Alter untersucht.
Das herausgearbeitete „Leben im Konjunktiv“ ist aus den sprachlichen Äußerungen der Interviewten
abgeleitet, welche kontinuierlich auf das verweisen, was sie eigentlich tun müssten – ohne dem Folge
zu leisten. Die Verwendung des Konjunktivs offenbart eine Permanenz des Handlungsdrucks, der
stetig in einen Zustand eigentümlicher Lähmung umzuschlagen droht. Der Konjunktiv ist somit nicht
nur als sprachliches Produkt, sondern als Bewältigungsmuster der Subjekte zu verstehen. Unter
Bezugnahme auf die Analysekategorie des Alter(n)s legt die Untersuchung Sollbruchstellen in der
Anrufung eines scheinbar alterslosen unternehmerischen Selbst und der Vorstellung eines
kontinuierlichen und stabilen „midlifes“ frei.