​Projekte - Prof. Dr. Heike Holbig

Digital Transformation of Party-state Governance in China. From Local Practices to a Global Export Model (DITRAGOV)


Förderinstitut: Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR)

Projektteam: Prof. Dr. Heike Holbig (Projektleitung), Askan Weidemann (Projektkoordinator), Prof. Dr. Florian Butollo (Projektmitglied), Lea Schneidemesser (Projektmitglied)

Projektdauer: Oktober 2025 - September 2029

Kooperationspartner: Goethe Universität Frankfurt / GIGA German Institute for Global and Area Studies

Projektziel

Das Ziel des Vorhabens ist die Untersuchung der gegenwärtigen digitalen Transformation parteistaatlicher Governance in China, die mit einer Ausweitung von Durchgriffskompetenzen der Partei und neuen Formen der Überwachung an der gesellschaftlichen Basis, aber auch mit einem wachsenden globalen Sendungsbewusstsein einhergeht. Durch eine gezielte Zusammenführung von Chinaforschung, politikwissenschaftlichen und soziologischen Perspektiven widmet sich das interdisziplinäre Projektteam den mit dieser Transformation verbundenen organisatorisch-technologischen Umbau parteistaatlicher Governance, die hieraus neu entstehenden Operationslogiken sowie Chinas Ambitionen zum Export seines digital gestützten Governance-Modells.

Forschungsfragen 

Das Projekt widmet sich den folgenden Forschungsfragen:

  1. Wie hat sich der organisatorisch-technologische Umbau parteistaatlicher Governance auf zentraler und lokaler Ebene seit Xi Jinpings Amtsantritt 2012 vollzogen?
  2. Wie verändern sich die grundlegenden Operationslogiken parteistaatlichen Regierens im Kontext der digitalen Transformation?
  3. Welche Ambitionen Chinas zur Bereitstellung eines globalen Modells digital gestützter Governance lassen sich identifizieren?

Beitrag zur internationalen Forschung

Das Projekt adressiert mehrere Defizite der bisherigen Forschung zu digitaler Governance in China. Erstens überschätzt die politikwissenschaftliche China-Literatur häufig die Möglichkeiten einer lückenlosen digitalen Überwachung und vernachlässigt zugleich neue, durch digitale Technologien ermöglichte Formen gesellschaftlicher Teilhabe. Zweitens konzentrieren sich soziologische Debatten über kybernetisches Regieren vor allem auf Entwicklungen in liberalen parlamentarischen Demokratien und untersuchen nur selten, wie algorithmische Kontrolle autoritäre Regierungspraktiken prägt. Drittens fehlt es in der Chinaforschung häufig an einer vertieften theoretischen Auseinandersetzung mit den Operationslogiken und globalen Implikationen der digitalen Transformation parteistaatlicher Governance.

Das Projekt ist in drei aufeinander aufbauende Arbeitspakete gegliedert. Das erste Arbeitspaket (AP1) widmet sich dem organisatorisch-technologischen Umbau parteistaatlicher Governance seit 2012. Besonderer Fokus liegt auf einer neuen Institution zur Koordination digital gestützter Governance-Ansätze: der 2023 ins Leben gerufenen „ZK-Abteilung für Gesellschaftliche Arbeit“ der KPCh. AP2 untersucht die grundlegenden Operationslogiken parteistaatlichen Regierens, die im Kontext der digitalen Transformation signifikante Veränderungen erfahren, insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen technologischer Optimierung und den hierarchischen Kontrollansprüchen der Partei. AP3 befasst sich mit Chinas Ambitionen zur Bereitstellung eines globalen Modells digital gestützter Governance und arbeitet deren Bedeutung für die deutsche und europäische Außenpolitik heraus.


Forschungsdesign

Dem Projekt liegt ein qualitativer Forschungsansatz zugrunde, der Experteninterviews mit umfangreicher Feldforschung in China sowie einer vertieften Analyse chinesischer Primärquellen kombiniert. AP1 dient der empirischen Analyse der skizzierten organisatorischen und technologischen Dimensionen digitaler Transformation parteistaatlicher Governance und liefert die evidenzbasierte Wissensbasis für die weiteren Arbeitspakete. AP2 dient der theoriegeleiteten, interdisziplinären Untersuchung der grundlegenden Operationslogiken parteistaatlichen Regierens. AP3 zielt darauf, ein differenziertes Verständnis der globalen Ambitionen und konkreten Maßnahmen Chinas zur Verbreitung seines parteistaatlichen Governance-Modells in der kurzen, mittleren und längeren Frist zu gewinnen und deren Bedeutung für deutsche und europäische Außenpolitik herauszuarbeiten.