Nachfolgend finden Sie einen Überblick über unsere aktuellen Forschungsschwerpunkte sowie laufende und abgeschlossene Projekte. Weitere Informationen zu bereits abgeschlossenen Arbeiten entnehmen Sie unserer Publikationsliste.
Internationale Beziehungen beschäftigen sich mit der Interaktion von Staaten, internationalen Organisationen, nicht-staatlichen Akteuren (etwa Nichtregierungsorganisationen oder Unternehmen) und Individuen jenseits von Staatsgrenzen.
Wir beschäftigen uns einerseits insbesondere mit dem Wandel internationaler Institutionen und Normen – und dem Streit um sie. Andererseits erforschen wir die Rolle internationaler Institutionen in Konflikt- und Friedensprozessen.
Hierzu bietet der Arbeitsbereich folgende Expertisen an:
Zum Team der Professur für Internationale Institutionen und Friedensprozesse
FARRIO – The Effects of Far-right Challenges on International Organizations
Rechtsradikale Gruppen gewinnen zunehmend an Einfluss im europäischen politischen Spektrum und in internationalen Foren, wobei ihre Mitglieder häufig die Politiken internationaler Organisationen in Frage stellen. Das von der EU finanzierte FARRIO-Projekt untersucht, warum transnationale rechtsradikale Anfechtungen unterschiedliche Auswirkungen auf internationale Organisationen haben. Insbesondere wird es die Auswirkungen rechtsradikaler Anfechtungen in der EU, den Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen/Abkommen in verschiedenen Politikfeldern vergleichen. cordis.europa.eu
Principal Investigator: Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann
MitarbeiterInnen: Dr. Alexandros Tokhi, Franziska Höhne, Dr. Matthias Ecker-Ehrhardt
Laufzeit: 2022-2027
Weitere Infos zum ERC: Homepage FARRIO
Internationale Organisationen und Norm(um)setzung zum Schutz von Geflüchteten (Teilprojekt in DFG Forschergruppe)
Internationale Organisationen (IOs) spielen eine zentrale Rolle für den Schutz Geflüchteter. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und dem Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) zu. Die Mandate und Entwicklung der beiden IOs stehen stellvertretend für das Spannungsverhältnis zwischen einerseits staatlichen Interessen und andererseits Rechten von Geflüchteten im Politikfeld (Flucht-)Migration. Gleichzeitig arbeiten beide IOs aber zusammen, sowohl auf programmatischer Ebene als auch im Feld. Das Teilprojekt untersucht die Interpretation internationaler Normen durch die beiden IOs. Es fragt danach, ob und inwiefern die IOs internationale Normen eher im Interesse von Staaten interpretieren oder im Interesse Geflüchteter und ob und inwiefern es dabei zu Unterschieden oder Angleichungen zwischen und innerhalb der IOs kommt. Hierzu wird die Aneignung und Implementierung von Gendernormen und Disability-Normen, verstanden als Institutionalisierungsprozesse, innerhalb der beiden IOs analysiert.
Principal Investigator: Dr. Nele Kortendiek
MitarbeiterInnen: Melina Tretmans
Laufzeit: 2024-2025
Projekt im Rahmen von TraCe: Research Center Transformations of Political Violence
Der Bereich der friedlichen Konfliktbeilegung hat in den letzten 25 Jahren einen wahren Schub der Internationalisierung und Institutionalisierung erlebt. Peacekeeping-Missionen erhalten immer umfangreichere Mandate und brauchen größere Truppenunterstützung. Sogenannte Peacebuilding-Aktivitäten nehmen inzwischen einen Großteil der Portfolios zahlreicher internationaler Organisationen und auch vieler nationaler Entwicklungshilfeorganisationen ein. Ebenfalls wird eine Vielzahl neuartiger Institutionen erprobt (vom Internationalen Strafgerichtshof bis zu hybriden Investigationskommissionen in Nachkriegsländern).
Zugleich haben komplexe Konflikte wie im Irak, in Syrien oder Afghanistan eine gewisse Interventionsmüdigkeit bei vielen Staaten hervorgerufen. Das frühere Ziel der nachhaltigen Friedensschaffung durch die Etablierung demokratischer Institutionen wird abgelöst durch ein neues Interesse an lokalen Lösungen, also zum Beispiel indigener Rechtsprechung oder traditional justice, und an mehr „Ownership“ durch Regierungen in Konfliktgebieten. Die Umsetzungen und Auswirkungen dieses Dilemmas zwischen immer weiterer Internationalisierung bei gleichzeitiger Suche nach lokalen Lösungen ist der Fokus der Forschung zu internationalen Institutionen und Wandel politischer Gewalt.
Principal Investigator: Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann im Rahmen des Verbunds TraCe
Mitarbeiterin: Lina Schneider
Laufzeit: 2022-2028
weitere Informationen unter TraCe: Startseite (trace-center.de)
Spezialisierung in multilateralen Verhandlungen
Das Projekt untersucht, wie die zunehmende Spezialisierung nationaler Delegationen multilaterale Verhandlungen in Internationalen Organisationen prägt. Im Fokus steht der Einfluss des professionellen Hintergrunds von Delegierten auf Verhandlungspraktiken, -erfolge und -ergebnisse. Mit einem multimethodischen Ansatz analysiert das Projekt Trends der Spezialisierung, ihre Wirkmechanismen sowie ihren Einfluss auf internationale Kooperation. Es leistet damit einen zentralen Beitrag zur Erforschung der Rolle von Expertise in Global Governance-Prozessen und stellt hochwertige Open-Access-Daten zu Mitgliedsstaatenversammlungen bereit. Zugleich liefert es praxisrelevante Impulse zur Verbesserung von Fairness und Effizienz multilateraler Zusammenarbeit.
Principal Investigators: Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann, Dr. Ben Christian
Offene oder geschlossene internationale Organisationen: Bedingungen für Politikwandel durch Kontestation (DFG-Sachbeihilfe)
Internationale Organisationen (IO) sind heute zentral an der Entwicklung, Interpretation und Überwachung der Einhaltung internationaler Regeln beteiligt. Mögliche Ineffizienzen in ihrer Arbeit erklärten Forscher*innen lange zum einen mit spezifischen Prinzipal-Agenten-Konstellationen, zum anderen mit der fortschreitenden Bürokratisierung solcher Organisationen.
Diese Analyse scheint inzwischen überholt. Ein weltweiter Trend zu New Public Management, also zu Flexibilisierung, zu mehr Konkurrenz zwischen internationalen Organisationen sowie zu Kurzzeitbeschäftigung und Beraterverträgen hat Spuren hinterlassen. Inwiefern transnationale professionelle Netzwerke zu einer Verflüssigung und Informalisierung von internationalen Organisationen beitragen, soll in diesem Projekt untersucht werden. Außerdem wird der Frage nachgegangen, unter welchen Bedingungen internationale Organisationen ihre Politik als Reaktion auf Kontestation durch Betroffene, die von internationalen Normen und Regeln, die IOs verbreiten, eigentlich geschützt werden sollen, wandeln. Empirisch untersucht das Projekt die Organisationen WHO, ILO, UNODC und UNICEF in den Politikfeldern Kinderarbeit, Drogenkonsum und -handel, weibliche Genitalverstümmelung/-beschneidung und Menschenhandel.
Principal Investigator: Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann
MitarbeiterInnen: Dr. Nele Kortendiek, Lily Young
Laufzeit: 2019 - 2024
Internationale Normen im Streit: Kontestation und Normrobustheit (DFG-Sachbeihilfe)
Die zunehmende Umstrittenheit von Normen und Regimen der multilateralen Weltordnung liegt im Zentrum dieses Forschungsprojekts. Zum einen beobachten wir die Infragestellung vieler internationaler Normen und Regelwerke, die lange Zeit als unantastbar galten – auch durch Staaten, die entscheidend an ihrer Entwicklung beteiligt waren. Aktuelle Beispiele sind das internationale Folterverbot, der Atomwaffensperrvertrag oder die Klimarahmenkonvention.
Zum anderen finden zentrale Machtverschiebungen im internationalen System statt. Die Dominanz des „liberalen“ Wertekonsens, getragen von einer westlichen Koalition im internationalen System seit den 1990er Jahren, scheint zu bröckeln. Zudem übernehmen „nicht-westliche“ Staaten und Regionen immer wichtigere Rollen im internationalen System. Führt dies zu einem Verfall existierender internationaler Normen – oder zu einer erneuten Stärkung? Inwiefern werden die Bedeutungen internationaler Regeln in unterschiedlichen Kontexten lokalisiert und verändert, zum Beispiel die Internationale Schutzverantwortung in China oder Brasilien? Wann haben solche Lokalisierungen Rückwirkungen auf einen globalen Konsens über bestehende internationale Normen und Regime?
Principal Investigators: Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann
MitarbeiterInnen: Dr. Max Lesch, Antonio Arcudi
Laufzeit: 2015-2018