Professor für Politische Theorie und Philosophie
Institut für Politikwissenschaft und Institut für Philosophie
Nach einem Studium der Philosophie, Politikwissenschaft und Amerikanistik in Frankfurt/Main, New York und an der Harvard University sowie einer Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Forschungsprojekt zur Rechtstheorie in Frankfurt promovierte R. Forst im Jahre 1993 (bei J. Habermas) mit einer Arbeit zu Theorien politischer und sozialer Gerechtigkeit ("Kontexte der Gerechtigkeit. Politische Philosophie jenseits von Liberalismus und Kommunitarismus", 1994 bei Suhrkamp erschienen; 2002 auf Englisch als "Contexts of Justice" bei University of California Press; dt. Neuausgabe 2004; eine Übersetzung ins Portugiesische bei Paidós Verlag, 2010; eine Übersetzung ins Chinesische ist in Vorbereitung).
Anschließend war er Wissenschaftlicher Assistent am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der FU Berlin und seit 1996 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Philosophie der Universität Frankfurt. In den Jahren 1995/96 und 1999 hatte er Gastprofessuren an der Graduate Faculty der New School for Social Research in New York inne. 2003 habilitierte sich R. Forst im Fach Philosophie mit der Arbeit "Toleranz im Konflikt. Geschichte, Gehalt und Gegenwart eines umstrittenen Begriffs" (im selben Jahr bei Suhrkamp erschienen, 5. Auflage 2017; auf Englisch 2013 bei Cambridge University Press als "Toleration in Conflict"; Übersetzungen ins Spanische und Chinesische sind in Vorbereitung).
Danach nahm er Lehrstuhlvertretungen in Frankfurt und Gießen wahr und erhielt ein Heisenbergstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft, bevor er dem Ruf auf die Professur für Politische Theorie in Frankfurt (Nachfolge Maus, vormals Fetscher) folgte. Im Studienjahr 2005/06 hatte er die Theodor-Heuss-Professur an der Graduate Faculty der New School for Social Research in New York inne. Seit 2006 ist er Mitglied des Wissenschaftlichen Direktoriums und Permanent Fellow am neu gegründeten Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg. Im Jahre 2007 lehnte er einen Ruf als Full Professor an die University of Chicago ab.
Im November 2007 wurde R. Forst (gemeinsam mit Prof. Dr. K. Günther) Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen". In diesem Jahr ist auch "Das Recht auf Rechtfertigung" (Suhrkamp, 2. Auflage 2010) erschienen (auf Englisch als "The Right to Justification" bei Columbia University Press, 2012; auf Schwedisch beim Daidalos Verlag, 2007; eine Übersetzung ins Chinesische ist in Vorbereitung).
2008 hat ihm das Department of Philosophy der Harvard University eine Gastprofessur angeboten (nicht wahrgenommen), 2009 war er als "Harris Distinguished Visiting Professor" am Dartmouth College, New Hampshire. Zugleich wurde er als Fellow an das Wissenschaftskolleg Berlin eingeladen und ist seit 2009 Co-Direktor des Centre for Advanced Studies "Justitia Amplificata". 2011 erschien "Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse" bei Suhrkamp (2013 bei Polity Press als "Justification and Critique" erschienen; auf Italienisch bei Trauben 2013; 2015 auf Spanisch bei Katz).
Im Jahr 2012 verlieh ihm die DFG den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis als Auszeichnung seiner wissenschaftlichen Arbeit.
Im Wintersemester 2013/2014 war er Senior Emile Noël Fellow am Monnet Center der Law School, New York University. 2014 sind "The Power of Tolerance. A Debate" (gemeinsam mit Wendy Brown) bei Columbia UP und "Justice, Democracy and the Right to Justification" (Bloomsbury) veröffentlicht worden, mit Beiträgen von Kritiker*innen und einer Replik. R. Forst wurde außerdem zu einer Gadamer-Gastprofessur an das Boston College eingeladen. Im Jahr 2015 nahm er darüber hinaus Gastprofessuren an der Rice University (Housten) sowie an der University of Washington (Seattle) wahr. Im selben Jahr erschien "Normativität und Macht" bei Suhrkamp (auf Englisch 2017 als "Normativity and Power" bei Oxford UP erschienen). Seit 2017 ist R. Forst Forschungsprofessor für Politische Theorie am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin (WZB). In jüngster Zeit hat er eine Reihe von nationalen und internationalen Rufen abgelehnt.
Sein Werk wird international breit rezipiert. 2019 wurden "Justification and Emancipation. The Critical Theory of Rainer Forst" bei Pennsylvania State UP sowie "Constitutionalism Justified. Rainer Forst in Discourse" bei Oxford UP publiziert, erneut mit Beiträgen von Kritikerinnen und Kritikern und einer Erwiderung. In dem Jahr war er auch Thomas E. Sunderland Faculty Fellow and Visiting Professor an der Law School der University of Michigan. 2020 erschienen "Toleration, power and the right to justification. Rainer Forst in Dialogue" (Manchester UP) sowie "Theorising Noumenal Power. Rainer Forst and his Critics" (Routledge). Sein Werk wurde darüber hinaus in mehreren Zeitschriftensymposien disktutiert (Philosophy and Social Criticism, Political Theory, Netherlands Journal of Legal Philosophy und Journal of Political Power). Im Jahr 2021 war er Fellow des Thomas-Mann-Hauses in Los Angeles. Zeitgleich erschien sein Buch „Die Noumenale Republik. Kritischer Konstruktivismus nach Kant“ im Suhrkamp Verlag, das 2024 auch in englischer Sprache bei Polity Press veröffentlicht wurde. Anlässlich seines 60. Geburtstags verlegte Suhrkamp 2024 die Festschrift „Die Macht der Rechtfertigung“ mit zahlreichen prominenten Beiträgen.
R. Forst ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Ferner ist er Corresponding Fellow der British Academy for the Promotion of Historical, Philosophical and Philological Studies und Studiengangsleiter des internationalen Master-Studiengangs Politische Theorie, den die GU Frankfurt gemeinsam mit der Technischen Universität Darmstadt anbietet.