Fallstudien praxeologischer Feld- und Diskursforschung

Fallstudien

Im Rahmen von Seminaren, Forschungspraktika und Kolloquien arbeiten Studierende an konkreten Fällen. Anders als in standardisierten Verfahren und Methoden üblich, werden das untersuchte Phänomen, Methodik und Datenkorpus dabei – gegenstandsangemessen und passgenau – auf den jeweiligen Fall zugeschnitten.

In der Schriftenreihe Fallstudien praxeologischer Feld- und Diskursforschung veröffentlichen wir ausgewählte Arbeiten, die am Lehrstuhl „Interpretative Methoden“ als Seminar-, Abschluss- oder Gruppenprojekte mit eigenen Datenerhebungen und -analysen entstanden sind.

Darüber hinaus geben die Studierenden Einblick in ihre Forschungsdaten und in Lehrvideos hinter die Kulissen ihres Forschungsprozesses.

Lehrvideos

Die Notwendigkeit auf standardisierte Verfahren zu verzichten, macht das Lernen an konkreten Fällen in der interpretativen Sozialforschung unabdingbar. Denn publizierte Fachaufsätze stellen in der Regel hermetische Kondensate der Arbeit am Fall dar, denen das praktische Forschen nicht mehr anzusehen ist. Publizierte Methodenaufsätze enthalten dagegen meist idealisierende Erfolgsgeschichten von Vorgehensweisen, die so in der Forschungspraxis selten vorkommen (können).

Unsere Lehrvideos thematisieren die Entstehungsbedingungen und den Kontext der Fallstudien praxeologischer Feld- und Diskursforschung. Studierende gewähren Einblicke hinter die Kulissen: Wie kam es zum Forschungsthema? Welche Vorgehensweisen wurden gewählt? Welche Umwege, Probleme oder Überraschungen ergaben sich im Verlauf? Welche Tipps für andere Studierende ergeben sich daraus?

Forschungsdaten

Noch immer sind Forschungsdaten in der interpretativen Sozialforschung (Transkripte, Feldnotizen und Beobachtungsprotokolle, Bild- und Tonmaterial, Dokumente etc.) nur in den wenigsten Fällen öffentlich verfügbar.

In der interpretativen Forschung sind Forschende mehr oder weniger ausgeprägt in die Produktion von Daten eingebunden. Insbesondere in ethnographischen Verfahren werden sie zu Autor:innen ihres Materials, das umgekehrt immer bereits analytische Elemente enthält (RatSWD2015: 6). Auch werden vielfach sensible Bereiche und Prozesse der Gesellschaft erforscht, zum denen ein Zugang nur auf der Grundlage einer Vertrauensbeziehung herzustellen ist (ebd.).

Die so erwachsenen Daten bringen, auch aufgrund fachlicher, rechtlicher und ethischer Erwägungen besondere Anforderungen mit sich. Zuallererst: die Anonymisierung bzw. Pseudonymisierung der Daten zum Schutz der Beforschten.

Aufgrund der besonderen Anforderungen der Datenschöpfung, bleiben gerade Studierende auf Anschauungs- und Lehrmaterial angewiesen. Hier ist es insbesondere die wechselseitige Durchdringung von Datenerhebung und -analyse im Anspruch der Gegenstandsangemessenheit (Strübing et al. 2018: 85), die ein Lernen am Fall erfordert. Was wären brauchbare Daten(typen); was lässt sich mit ihnen anstellen; was wären hier aussagekräftige Ergebnisse?

Zu unserer Schriftenreihe Fallstudien praxeologischer Feld- und Diskursforschung veröffentlichen wir deshalb auch die aufbereiteten Daten zu den Fallstudien. Wir wollen zeigen, wie der Gegenstand, ein Datenkorpus und ein Forschungsinteresse sukzessive zueinander geführt werden können.