RISS Projekt Nr. 4

Internalisierte ethnische und kulturelle Rekonfiguration: Reaktionen der Ureinwohner auf zunehmend heterogene Einwandererpopulationen

Dieses Projekt untersucht kulturelle und wirtschaftliche Gruppenkonflikte zwischen Einheimischen und Einwanderern und untersucht die Folgen solcher Konflikte für Umverteilungspräferenzen und sozialen Zusammenhalt. Diese Forschungsfelder haben in den letzten Jahren beträchtliche Aufmerksamkeit erlangt, zumal anerkannte Wissenschaftler behaupteten, dass Einwanderung generell unvereinbar mit einem großen Wohlfahrtsstaat und einer kohäsiven Gesellschaft sein kann (Alesina & Glaeser 2004; Putnam 2007). Das zugrunde liegende Argument hinter diesen Behauptungen ist, dass die Charakterisierung von Einwanderern als Fremdgruppenmitglieder das soziale Vertrauen der Einheimischen und die Unterstützung für die Umverteilung untergräbt. Als Teil der RISS-Forschungsgruppe wirft dieses Projekt einen neuen Blick auf diese herausragenden Forschungsthemen, indem es sie in den übergreifenden theoretischen Rahmen von RISS integriert. Dieser Rahmen betont das Zusammenspiel zwischen der sich ändernden sozialen Struktur auf der Makroebene und der sozialen Identität der Akteure auf der Mikroebene. Die Datenerhebung im Rahmen des RISS-Projekts wird innovative empirische Messungen dieser beiden wichtigen Konzepte liefern und es dadurch ermöglichen, aus zwei Richtungen zur bestehenden Forschung beizutragen. Zunächst wird die Rolle des sozialpsychologischen Prozesses der sozialen Identifikation untersucht und ein besseres Verständnis des Prozesses von In-Group-Out-Group-Klassifikationen ermöglicht. Diese psychologischen Mechanismen liegen auf der Mikroebene der oben genannten Behauptungen. Zweitens wird die soziale Struktur auf der Makroebene als mehrdimensionales Konzept gemessen, dadurch kann getestet werden, wie die Integration von Einwanderern in verschiedene Dimensionen der sozialen Struktur die potenziell konfliktbeladene Beziehung zwischen Einwanderern und Einheimischen abschwächt. Mit zunehmender Integration in die Aufnahmegesellschaften nehmen Zuwanderer mehr Querschnittspositionen in der mehrdimensionalen Gesellschaftsstruktur ein. Diese zunehmende Heterogenität innerhalb der Einwandererbevölkerung kann die Bedeutung von Gruppengrenzen zwischen Einwanderern und Einheimischen verringern. Folglich können Gruppenkonflikte sowie ihre herausragenden Folgen – wie ein abnehmendes soziales Vertrauen oder eine geringere Unterstützung für Umverteilungspolitiken – im Allgemeinen in einer neu konfigurierten sozialen Struktur reduziert werden, in der die vertikale und horizontale Dimension weniger miteinander verknüpft ist. In einem komplementären Ansatz zu den anderen Projekten der Forschungseinheit RISS, Dieser Vorschlag untersucht die Auswirkungen der Neukonfiguration der Sozialstruktur aus einer kontextuellen Perspektive. Die Integration von Zuwanderern in die mehrdimensionale Sozialstruktur wird auf der kontextuellen Ebene gemessen. Unter Verwendung von Mehrebenenmodellen wird das Projekt untersuchen, wie sich die Integration auf die Beziehung zwischen der Anwesenheit von Einwanderern und der Klassifikation der In-Group-Out-Gruppen der Einheimischen auswirkt und folglich ihre Einstellung zur Umverteilung und ihr soziales Vertrauen.

Projektleitung: Prof. Dr. Alexander Schmidt-Catran
Dauer: 1.10.2021 - 30.09.2025
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Forschungsgruppe Rekonfiguration und Internalisierung von Sozialstruktur (RISS)


Wie ausgeprägt ist die Solidarität zwischen den Bürgern und den Mitgliedsländern Europas?

Teilprojekt der DFG-Forschergruppe „Europäische Vergesellschaftungsprozesse. Horizontale Europäisierung zwischen nationalstaatlicher und globaler Vergesellschaftung“

Forschungsvorhaben

Die Banken-, Euro- und Wirtschaftskrise der Europäischen Union hat die Solidarität zwischen den europäischen Ländern und Völkern auf eine harte Probe gestellt. Während manche wissenschaftliche Beobachter und politische Akteure die Solidargemeinschaft ihres Nationalstaates als die zentrale Bezugseinheit der Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung ansehen und die Grundlagen für eine europäische Solidarität als nicht gegeben betrachten, sind andere Akteure optimistischer. Aus ihrer Perspektive sind die Grundlagen für eine den Nationalstaat überspannende europäische Solidarität gegeben, so dass eine weitere Vertiefung und auch Demokratisierung der EU voranschreiten kann. Wir gehen in dem Projekt zwei Fragen nach:

  1. In welchem Maße unterstützen die Bürger der Mitgliedsländer der EU eine Solidarität gegenüber den Bürgern anderer EU-Länder und wie weit geht diese Solidarität in Relation zu einer nationalen und globalen Solidarität?
  2. Wie kann man mögliche Unterschiede im Ausmaß einer europäischen Solidarität erklären? Lassen sich also Befürworter und Gegner eines Europas der Solidarbürger sozialstrukturell und ideologisch genauer bestimmen und bilden sie die Grundlage einer politisierbaren Konfliktlinie?

Empirische Grundlage der Untersuchung bildet eine standardisierte Umfrage in fünf ausgewählten Mitgliedsländern der Europäischen Union. Unser Erkenntnisinteresse ist dabei nicht auf die Analyse eines sozialen Feldes von kollektiven Akteuren gerichtet, die sich um die Neudefinition von transnationalen Solidarbeziehungen bemühen, sondern auf eine Rekonstruktion der Solidaritätsdefinitionen der Bürger und damit auf die Konfiguration eines spezifischen sozialen Raumes.

Projektleitung: Prof. Jürgen Gerhards (Freie Universität Berlin) & Zsófia S. Ignácz (Goethe Universität Frankfurt).

Projektlaufzeit: 1.10.2015 bis 31.12.2019. Das Projekt ist an die Freie Universität Berlin angesiedelt.

Veröffentlichungen

IIgnácz, Zsófia S. 2021. "Similarities between European and National Solidarity. An Empirical Thought Experiment Applied to 13 European Countries on Attitudes towards Redistribution." sozialpolitik.ch. 1(1):1-32. (Open Access: http://dx.doi.org/10.18753/2297-8224-172)

Ignácz, Zsófia S. 2019. Contrasting Generalized and Policy Attitudes toward Social Europe: Understanding the Discrepancies. BSSE Working Paper. No. 39. Berlin: Freie Universität Berlin. (nur online)

Gerhards, Jürgen, Holger Lengfeld, Zsófia S. Ignácz, Florian K. Kley, and Maximilian Priem. 2019. European Solidarity in Times of Crisis: Insights from a Thirteen-Country Survey. Abingdon, Oxon, New York, NY: Routledge.

Gerhards, Jürgen, Zsófia S. Ignácz, Florian K. Kley, Holger Lengfeld, and Maximilian Priem. 2019. “How Strong Is European Welfare Solidarity? Results from a Comparative Survey Conducted in 13 EU Member States.” 39-62, in Horizontal Europeanisation, edited by M. Heidenreich. Abingdon, Oxon, New York, NY: Routledge.

Gerhards, Jürgen, Holger Lengfeld, Zsófia S. Ignácz, Maximilian Priem & Florian K. Kley. 2018. European Welfare Solidarity in Focus: High Support for European Social Safety Net. EUVisions. (nur online).

Jürgen Gerhards, Holger Lengfeld, Zsófia S. Ignácz, Florian K. Kley & Maximilian Priem. 2018. How Strong is European Solidarity? BSSE Working Paper No. 37. Berlin: Freie Universität Berlin. (nur online).

Gerhards, Jürgen, Holger Lengfeld, Zsófia S. Ignácz, Florian K. Kley & Maximilian Priem. 2017. Wie solidarisch ist Europa? Konzeptioneller Rahmen und erste empirische Befunde einer Umfrage aus 13 EU-Ländern. In Geschlossene Gesellschaften. Verhandlungen des 38. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bamberg 2016, edited by Stephan Lessenich.