Virale # Gesellschaftskonstruktionen und Gelingensfaktoren digitalisierter Bildungsprozesse in der gesellschaftswissenschaftlichen Lehrkräftebildung

Längst ist das Internet zu einem Ort für kulturelle, politische und soziale Veränderung geworden. Hierbei spielt insbesondere die Viralität kommunikativer Botschaften in den sozialen Netzwerken eine bedeutende Rolle. Dieses Phänomen zeichnet sich durch ein neues Niveau der Verbreitungsgeschwindigkeit, Allgegenwärtigkeit und Unsicherheit bzgl. der Informationsquellen aus. Vor diesem Hintergrund werden in dem Projekt, das im Projektverbund Digi_Gap angesiedelt ist, fach- und phasenübergreifende Blended-Learning-Arrangements für die gesellschaftswissenschaftliche Lehrkräftebildung entwickelt. Um die Kompetenzen zum Einsatz derartiger Medienformate sowie deren unterrichtliche Reflektion zu fördern, werden fachdidaktische Konzepte und digitale Werkzeuge entwickelt, die nicht nur der Vor- und Nachbereitung von Unterricht dienen, sondern auch auf unterschiedliche Phasen der Lehrkräftebildung anwendbar sind.

Projektleitung: Prof. Dr. Tim Engartner, Prof. Dr. Detlef Kanwischer
Laufzeit: 2020 – 2023

The Next Level

Anschließend an die erste Förderphase des Level-Projekts sollen im sozialwissenschaftlich-historischen Fächerverbund nunmehr Verbindungslinien zwischen Lehreraus- und -fortbildung  fokussiert werden, wobei wir uns der folgenden übergeordneten Frage widmen: Wie können fächerspezifische und ggf. fachübergreifende Reflexionsfähigkeiten als Bestandteil der professionellen Unterrichtswahrnehmung (professional vision) von (angehenden) Lehrkräften in den verschiedenen Phasen der Lehrer(innen)bildung mittels videobasierter Online-Lehr-Lernformate ausgebildet und gefördert werden? Bereits erprobte Lerneinheiten sollen mit flexibel einsetzbaren Designs und Aufgabenformaten weiterentwickelt werden.
Ziel ist es u. a., ausgewählte Digital Educational Resources in ausgearbeitete Blended Learning-Formate von Lehr- und Fortbildungsveranstaltungen einzubetten.

Projektleitung: Prof. Dr. Tim Engartner, Prof. Dr. Gerhard Henke-Bockschatz, Prof. Dr. Detlef Kanwischer
Laufzeit: 2018 - 2022

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​ Wertkonflikte, Arbeitsteilung und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Geschlechterverhältnis

Geschlecht ist ein bedeutsamer Faktor bei der Herstellung gesellschaftlichen Zusammenhalts, der in den letzten Jahrzehnten besonders stark von sozialem Wandel betroffen ist. Als Folge konkurrieren etwa in Europa nicht nur verschiedene familien- und arbeitsmarktpolitische work-care-Modelle, es koexistieren damit verbunden auch egalitäre und essentialistische Geschlechterideologien und Familienideale, deren sozial-strukturelle Fundierung und Folgen bislang unerforscht sind. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt erstens, ob die konkurrierenden Geschlechter- und Familienideale mit anderen Werten wie kultureller Offenheit beziehungsweise Schließung, Solidarität und Wahlverhalten zusammenhängen. Zweitens fragen wir, ob die politische Mobilisierung von Genderfragen durch politische Parteien zur Etablierung einer neuen politischen Polarisierung führt und wie sich diese zu anderen kulturellen und sozioökonomischen Spaltungslinien verhält. Drittens wird untersucht, welche sozio-strukturellen und -kulturellen Determinanten und Folgen unterschiedliche Formen der familialen Arbeitsteilung für die Reproduktion sozialer Ungleichheiten haben.

Leitung: Prof. Dr. Daniela GrunowProf. Sigrid Roßteutscher, PhD

Laufzeit: 2021 - 2023


POLAR (Polarization and its discontents: does rising economic inequality undermine the foundations of liberal societies?)

The project examines the relationship between rising economic inequality and some of the foundational elements of liberal societies. Specifically, the project will provide new empirical evidence on the negative “Spirit Level” relationships between inequality and social mobility, support for democracy, and social cohesion in affluent Western countries. The challenge addressed by the project is foremost empirical: for each of these dimensions, there are straightforward theoretical arguments to link rising inequality with declining societal openness. In each case, there also is widely-known empirical evidence to support a negative relationship in bivariate cross-sectional cross-country data. In each case, however, the best available research that uses longitudinal data to identify the impact of inequality from within-country changes over time more often than not fails to confirm Spirit Level-type negative relationships. To possibly reconcile the discrepancies and to adjudicate the substantive question with new data, the project will combine survey microdata across more than 30 countries and over an observation window that ideally extends back to the 1970s in order to gain leverage for an encompassing and stringently longitudinal empirical analysis. Based on this database, the project will provide detailed analyses of inequality trends, a disaggregated description of trends in social mobility, social cohesion and support for democratic governance, and a differentiated causal analysis of the role of economic inequality for some of the fundamental dimensions of liberal Western societies. An important goal of the research will be to establish where and when negative effects of rising inequality are occurring, and to possibly identify societal and institutional sources of resilience from our analyses.

This project has received funding from the European Research Council (ERC) under the European Union’s Horizon 2020 research and innovation programme (grant agreement No. 833196).

Projektleitung: Prof. Dr. Markus Gangl
Projektlaufzeit: 2020-2025


Suspended Life - Exploring Cryopreservation Practices in Contemporary Societies

Die Kryobiologie hat in den vergangenen Jahrzehnten einen enormen Aufschwung erfahren. Immer mehr Arten von Gewebe und zelluläres Material können eingefroren, gelagert und wieder aufgetaut werden, ohne einen nachweisbaren Verlust an Vitalität. Heute stellen kryobiologische Praktiken nicht nur eine wichtige infrastrukturelle Bedingung für viele medizinische Anwendungen und einen wesentlichen Motor biowissenschaftlicher Innovationen dar, sondern sie bilden zentrale Optionen für individuelle Reproduktionsentscheidungen ebenso wie die Erhaltung der globalen Biodiversität.

Das Projekt Cryosocieties untersucht die Auswirkungen der Kryokonservierung auf unser Verständnis des Lebens. Es geht von der These aus, dass kryobiologische Praktiken eine spezifische Form des Lebens hervorbringen, die wir „suspendiertes Leben“ oder im Englischen „suspended life“ nennen. Sie hält vitale Prozesse in einem Schwebezustand zwischen Leben und Tod, in welchem die biologischen Substanzen weder völlig lebendig noch gänzlich tot sind. Ziel des Projekts an der Schnittstelle zwischen Biologie, Soziologie und Technik ist es zu untersuchen, wie Kryopraktiken zeitliche und räumliche Beziehungen und Konfigurationen sowie unser Verständnis von Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit, (Un-)Fruchtbarkeit und Nachhaltigkeit verändern. Lemke und sein Team werden in drei verschiedenen Kontexten untersuchen, wie „suspendiertes Leben“ in aktuellen Praktiken der Kryokonservierung hervorgebracht wird. Die Teilprojekte befassen sich mit dem Einfrieren von Nabelschnurblut als Vorbereitung auf spätere regenerative Therapien, mit der Kryokonservierung von Eizellen für Reproduktionszwecke sowie mit dem Aufbau von Kryobanken für den Erhalt bedrohter oder bereits ausgestorbener Tierarten.

Projektleitung: Prof. Dr. Thomas Lemke

Projektmitarbeiter*innen: Dr. Sara Lafuentes, Dr. Veit Braun, Ruzana Liburkina
Projektdauer: 2019 - 2024

Link zum Projekt


Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) nimmt im Juni die Arbeit auf. Ziel der Forscher*innen im FGZ-Teilinstitut Frankfurt ist es, neue Formen gesellschaftlicher Vielfalt und ihre Auswirkungen auf die Austragung gesellschaftlicher Konflikte zu analysieren und die Bedingungen produktiven Streitens als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erkennen und praktisch nutzbar zu machen. Informationen zu diesem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsverbund finden Sie hier.

Projektleitung des Teilinstituts: Prof. Dr. Daniel Grunow, Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst
Projektlaufzeit: 2020-2024

Verbundprojekt: Schulischer Wandel in der Migrationsgesellschaft/Schulkultur(en) im Kontext aktueller Fluchtmigration (SchuWaMi)

Teilprojekt: Qualitative Untersuchung von Schulkulturen 

In den vergangenen Jahren haben deutsche Schulen zahlreiche geflohene Kinder und Jugendliche aufgenommen. Schulen haben hierauf unterschiedlich reagiert und gehen nach wie vor unterschiedlich mit dieser pädagogischen, didaktischen und organisatorischen Herausforderung um. Die Heterogenität dieser Umgangsweisen kann zum einen auf voneinander differente Schulkulturen zurückgeführt werden und zum anderen kann angenommen werden, dass Schulen im Zuge der aktuellen Zuwanderungssituation schulische Entwicklungsprozesse forcieren, die den schulischen Erfolg und die Inklusion in die Bildungsorganisation dieser Schüler*innengruppe verbessern sollen. Forschungen zur Frage der schulischen und sozialen Teilhabe von Schüler*innen mit Migrationshintergrund fokussieren zumeist das Lernen und die Entwicklung von Individuen, nicht jedoch auf Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten von Institutionen. Das Projekt SchuWaMi setzt genau hier an: Untersucht werden soll, wie verschiedene Schulen unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen mit dieser veränderten Zusammensetzung der Schülerschaft umgehen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Rolle der Schulkulturen und ihren institutionellen Voraussetzungen. Schulkultur(en) prägen die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung, sind jedoch nicht statisch und können sich insofern auch umgekehrt durch die Aufnahme der Kinder wandeln. SchuWaMi arbeitet interdisziplinär, längsschnittlich und mit einem Mixed-Methods Design.

Projektleitung: Prof. Dr. Birgit Becker
Projektlaufzeit: 2018-2022 

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Auswirkungen des Klimawandels auf aquatische Ökosysteme und Wasserversorgung im Biosphärenreservat Rhön: Partizipative Risikobewertung und Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen

Wie können Wasserressourcen angesichts von nur unsicher quantifizierbarem Klimawandel und steigendem Nutzungsdruck von verschiedenen Akteuren nachhaltig für Gesellschaft und Ökosystem gemanagt werden?

Ziel des Gesamtprojektes ist es, (1) in partizipativer Art und Weise geeignete Managementstrategien zu entwickeln, um die Wasserressourcen im Biosphärenreservat Rhön, insbesondere seinem hessischen Teil, angesichts des Klimawandels nachhaltig für Gesellschaft und Ökosystem nutzen zu können. Dafür müssen (2) Methoden für eine interdisziplinäre (sozialwissenschaftlich und naturwissenschaftlich) und transdisziplinäre (mit Wissenschaftler/innen und Praxispartner/innen) Wissensintegration entwickelt werden. Praxispartner (d.h. institutionelle Stakeholder) sind ausgewählte, relevante hessische Akteure im Problemfeld, wie der Verwaltungsstelle des hessischen Biosphärenreservats Rhön, (Wasser-)Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen, Unternehmen und andere Interessensvertreter.

Die Problemwahrnehmung und Anpassungsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger wird empirisch durch die Projektpartnerinnen erhoben und so in den Partizipativen Prozess eingebracht, sodass Bürgerinnen und Bürger selbst nicht direkt am Prozess teilnehmen. Der genaue Fokus innerhalb des Problemfeldes (beispielsweise Trinkwasserversorgung, Erhaltung des Hochmoores, Wasserüberleitung nach Fulda) wird von den Projektpartnerinnen partizipativ mit den Stakeholdern während des partizipativen Prozesses entwickelt werden. Dieser genaue Fokus wird beispielsweise von der Zusammensetzung der Stakeholder abhängig sein, von deren Problemperspektiven sowie deren speziellen Interessensschwerpunkten.

Projektleitung: Prof. Dr. Blättel-Mink
Projektlaufzeit: 2019 - 2022