Die Geschichte
moderner Gesellschaften und der internationalen Beziehungen wird üblicherweise
als ein schrittweiser Verzicht auf Gewalt erzählt. Von einer Überwindung
organisierter Gewalt kann allerdings keine Rede sein. Aktuelle Tendenzen weisen
vielmehr in die entgegengesetzte Richtung: Das weltweite Konfliktgeschehen hat
an Intensität wieder zugenommen; Globalisierung und technologischer Wandel
ermöglichen neue Formen kriegerischer und terroristischer Gewalt. Diese
Entwicklungen verweisen auf Transformationen, die existierende Normen und
Praktiken zur Einhegung politischer Gewalt herausfordern.
Um die Transformation
politischer Gewalt zu verstehen, zu erklären und kritisch zu hinterfragen
nimmt das interdisziplinäre Forschungszentrum „Transformations of Political
Violence“ (TraCe) verschiedene disziplinäre Perspektiven, Analyseebenen, Methoden
und Formen von Gewalt in drei thematischen Forschungsfeldern sowie einem
Synergiefeld in den Blick. Jedes der Forschungsfelder ist wiederum in konkrete,
häufig standortübergreifende, Arbeitspakete untergliedert. Diese werden von
variierenden Partnerinstitutionen koordiniert. In den Arbeitspaketen bearbeiten
Principal Investigators und Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen verschiedene
Forschungsprojekte. Ziel ist es, die Konsequenzen für den
innergesellschaftlichen und internationalen Frieden zu identifizieren und
Strategien zur Eindämmung politischer Gewalt unter den sich verändernden
Bedingungen zu entwickeln.
Gefördert vom BMBF (in Kooperation mit der HSFK sowie der JLU Gießen, der Universität Marburg und der Technischen Universität Darmstadt).
Von der Goethe-Universität sind als PIs beteiligt: Prof. Dr.
Christopher Daase (Projektleitung), Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr.
Astrid Erll (Co-Sprecherin), Prof. Dr. Hanna Pfeifer, Prof. Dr. Constantin
Ruhe, Prof. Dr. Jonas Wolff (Co-Sprecher) und Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann
Laufzeit: 2022-2026
Link zum Projekt
Konflikte sind in gesellschaftlichen Kontexten unumgänglich, und dennoch machen sie ein Zusammenleben nicht unmöglich. Aber woher nehmen wir die Gewissheit, dass Auseinandersetzungen nicht eskalieren, dass sich das jeweilige Gegenüber an Regeln hält, dass Institutionen uns gegen Überschreitungen absichern und die soziale Welt als ganze so stabil ist, dass wir unser Handeln in ihr sinnvoll orientieren können? Die Antwort ist Vertrauen. Vertrauen erzeugt eine „ungesicherte Sicherheit“, die niemals vollständig eingelöst werden kann und dennoch das Geheimnis gesellschaftlichen Zusammenlebens ausmacht.
Gefördert vom Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst.
Weitere Beteiligte aus dem FB 3: Prof. Dr. Thomas Biebricher, Prof. Dr. Christopher Daase, Prof. Dr. Hanna Pfeifer, Prof. Dr. Daniela Grunow, Prof. Dr. Vera King, Prof. Dr. Stephan Lessenich, Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty, Prof. Dr. Tobias Wille, Prof. Dr. Jonas Wolff, Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann.
Projektleitung: Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst, Prof. Dr. Vinzenz Hediger
Laufzeit: 2021-2025
Forschungszentrum
Normative Ordnungen
Freiheit und Gerechtigkeit, Toleranz und Teilhabe: über solche Rechte und
Prinzipien in der Gesellschaft denken die Wissenschaftler*innen in dem
Forschungszentrum "Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt
nach. Wie etablieren und verändern sich politische, rechtliche, religiöse oder
ökonomische Ordnungen, wie kristallisieren sich daraus Herrschaftsstrukturen,
wie verteilen sich Macht und Lebenschancen – auch auf transnationaler Ebene? Es
geht um die gegenwärtigen sozialen Auseinandersetzungen, insbesondere um eine
gerechte Ordnung der Gesellschaft in Zeiten der Globalisierung, und deren lange
Vorgeschichten. Untersucht werden die normativen Vorstellungen, die bei
derartigen Prozessen und Konflikten eine Rolle spielen. Und wie sie kritisiert
oder gerechtfertigt werden können.
Die Fragen sind komplex. Deshalb arbeitet das Forschungszentrum
"Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt interdisziplinär:
von der Philosophie, den Geschichtswissenschaften, der Politikwissenschaft und
der Rechtswissenschaft über die Ethnologie und die Ökonomie bis zur Soziologie,
Theologie sowie Literatur- und Medienwissenschaften.
Normative Ordnungen werden dabei als „Rechtfertigungsordnungen“ verstanden,
die historisch gegründet sind und auf „Rechtfertigungsnarrativen“ beruhen. Sie
zeichnen bestimmte Legitimationen aus, wobei Normen und Werte verschiedenster
Art (Moral, Recht, Religion, um nur einige zu nennen) ineinander greifen bzw.
Spannungen erzeugen. Solche Ordnungen legitimieren sich aus bestimmten Normen
und bringen ihrerseits Normen hervor, doch stets in einem dynamischen Sinne.
Das Forschungszentrum "Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität ist
ein Netzwerk, an dem sich folgende Partnerinstitutionen beteiligen: Frobenius-Institut
(Frankfurt am Main), Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung
(Frankfurt am Main), Institut für Sozialforschung (Frankfurt am Main),
Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht
(Heidelberg), Point Sud, Centre for Research on Local Knowledge (Bamako, Mali)
und Technische Universität Darmstadt.
Das Forschungszentrum ist aus dem
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
hervorgegangen, welcher von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der
Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wurde.
(Gefördert vom Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst.)
Sprecher des Forschungszentrums sind
Prof. Dr. Nicole Deitelhoff
(Institut für Politikwissenschaft) und
Prof. Dr. Rainer Forst (Institut
für Politikwissenschaft und Institut für Philosophie)
Weitere Beteiligte aus dem FB 3: Prof. Dr. Thomas
Biebricher, Prof. Dr. Christopher Daase, Prof. Dr. Gunther Hellmann, Prof. Dr.
Stephan Lessenich, Prof. Dr. Darrel Moellendorf, Prof. Dr. Hanna Pfeifer, Prof.
Dr. Ferdinand Sutterlüty, Prof. Dr. Tobias Wille, Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann
Laufzeit: seit 2023
Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Institut, das in zehn verschiedenen Bundesländern angesiedelt ist und dadurch auch die regionale Vielfalt gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland in den Blick nimmt. Zusammen werden die rund 200 Wissenschaftler*innen aus vielen verschiedenen Disziplinen mit theoretischen und empirischen Untersuchungen und großangelegten Vergleichen praxisrelevante Vorschläge erarbeiten, die dazu beitragen, gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen. Die Forscher*innen decken Aspekte wie Identitäten und regionale Erfahrungswelten, Ungleichheiten und Solidarität, Medien und Konfliktkultur, Polarisierung und Populismus, aber auch Antisemitismus und Hasskriminalität ab und erforschen diese im europäischen Vergleich und darüber hinaus.
Der FGZ Standort Frankfurt an der Goethe-Universität blickt auf eine lange und lebendige Tradition in der Zusammenarbeit zwischen Philosophie, Rechtswissenschaften und Sozialwissenschaften in der Erforschung der Grundlagen sozialen Zusammenlebens zurück. Diese reicht von den Anfängen der Frankfurter Schule und dem Institut für Sozialforschung bis hin zum Exzellenzcluster und Forschungszentrum "Normative Orders“. Zugleich bringt der Standort auch eine spezifische Expertise in das Gesamtinstitut ein, die sich mit den Konflikten um Zusammenhalt und vor allem mit der Genese und Stabilisierung von Zusammenhalt im Konflikt und durch Konflikte befasst.
Projektleitung Standort Frankfurt: Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Rainer Forst, Prof. Dr. Daniela Grunow
Weitere Beteiligte aus dem FB 3: Prof. Dr. Christoph Daase,
Prof. Dr. Markus Gangl, Prof. Dr. Sigrid Roßteutscher
Laufzeit: 2020 - 2024

This project has received funding from the European Research Council (ERC) under the European Union's Horizon 2020 research and innovation programme (grant agreement No. 833196).
Projektleitung: Prof. Dr. Markus Gangl
Projektlaufzeit: 2020 - 2025

Die Kryobiologie hat in den vergangenen Jahrzehnten einen enormen Aufschwung erfahren. Immer mehr Arten von Gewebe und zelluläres Material können eingefroren, gelagert und wieder aufgetaut werden, ohne einen nachweisbaren Verlust an Vitalität. Heute stellen kryobiologische Praktiken nicht nur eine wichtige infrastrukturelle Bedingung für viele medizinische Anwendungen und einen wesentlichen Motor biowissenschaftlicher Innovationen dar, sondern sie bilden zentrale Optionen für individuelle Reproduktionsentscheidungen ebenso wie die Erhaltung der globalen Biodiversität.
Das Projekt Cryosocieties untersucht die Auswirkungen der Kryokonservierung auf unser Verständnis des Lebens. Es geht von der These aus, dass kryobiologische Praktiken eine spezifische Form des Lebens hervorbringen, die wir „suspendiertes Leben“ oder im Englischen „suspended life“ nennen. Sie hält vitale Prozesse in einem Schwebezustand zwischen Leben und Tod, in welchem die biologischen Substanzen weder völlig lebendig noch gänzlich tot sind. Ziel des Projekts an der Schnittstelle zwischen Biologie, Soziologie und Technik ist es zu untersuchen, wie Kryopraktiken zeitliche und räumliche Beziehungen und Konfigurationen sowie unser Verständnis von Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit, (Un-)Fruchtbarkeit und Nachhaltigkeit verändern. Lemke und sein Team werden in drei verschiedenen Kontexten untersuchen, wie „suspendiertes Leben“ in aktuellen Praktiken der Kryokonservierung hervorgebracht wird. Die Teilprojekte befassen sich mit dem Einfrieren von Nabelschnurblut als Vorbereitung auf spätere regenerative Therapien, mit der Kryokonservierung von Eizellen für Reproduktionszwecke sowie mit dem Aufbau von Kryobanken für den Erhalt bedrohter oder bereits ausgestorbener Tierarten.
Projektleitung: Prof. Dr. Thomas LemkeProjektmitarbeiter*innen: Dr. Sara Lafuentes, Dr. Veit Braun, Ruzana Liburkina
Projektdauer: 2019 - 2024