Francesca Cesarano hat kürzlich ihre Promotion an der Universität San Raffaele in Mailand abgeschlossen. Ihre Forschung liegt an der Schnittstelle von angewandter Ethik, feministischer Philosophie und politischer Philosophie, mit einem besonderen Schwerpunkt auf ethischen Herausforderungen im öffentlichen Gesundheitswesen, insbesondere in Kontexten genderbasierter Unterdrückung. In ihrem aktuellen Projekt untersucht sie, wie öffentliche Gesundheitssysteme Ressourcen in Fällen zuweisen, in denen das Konzept der „Beeinträchtigung“ sowohl durch subjektive Erfahrungen als auch durch soziale Faktoren geprägt ist. Zwei zentrale Fragen leiten ihre Arbeit. Erstens: Welche Kriterien sollten darüber entscheiden, ob ein Zustand in Kontexten genderbasierter Unterdrückung als Beeinträchtigung angesehen wird, und wie können Entscheidungen des öffentlichen Gesundheitswesens vermeiden, dass ungerechte Gendernormen legitimiert werden? Zweitens: Welche ethischen Auswirkungen hat die Annahme eines bestimmten Verständnisses von Wohlbefinden für Personen, die diese Auffassung nicht teilen? Um diese Fragen zu beantworten, analysiert Cesarano kritisch die vorherrschenden Theorien des Wohlbefindens, einschließlich hedonistischer, objektiver Listen- und Wunscherfüllungstheorien, und argumentiert, dass jede von ihnen in nicht-idealen Kontexten erhebliche Einschränkungen aufweist. Während objektive Listen-Theorien die Gefahr der Bevormundung bergen, weil sie zu präskriptiv sind, versäumen es hedonistische und Wunscherfüllungstheorien oft, die sozialen Dimensionen zu berücksichtigen, die Wünsche formen. Cesarano schlägt einen alternativen Ansatz vor: den nicht-idealen deliberativen Perfektionismus, der versucht, subjektive Erfahrungen mit sozialen Einflüssen in Einklang zu bringen. Dieser Ansatz zielt darauf ab, menschliches Wohlbefinden so zu definieren, dass es als Richtschnur für öffentliche Gesundheitsentscheidungen dienen kann, ohne ungerechte soziale Normen zu legitimieren oder die individuelle Autonomie zu missachten.
Yijie Wang hat kürzlich ihre Dissertation mit dem Titel „Ethical framework for Global COVID-19 Vaccine Distribution“ an der Goethe-Universität Frankfurt eingereicht. Ihr aktuelles Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Thema „Solidarity and Global Health in the Times of COVID-19". Im Zeitalter von COVID-19, das durch eine extreme Verknappung medizinischer Ressourcen, verstärkte soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten sowie einen verstärkten Protektionismus aus Eigeninteresse und Parteilichkeit gekennzeichnet ist, wird es zwingend notwendig, das Wesen der Solidarität neu zu bewerten. Was ist Solidarität? Erstreckt sie sich auf die ganze Welt? Welche Rolle spielt die Solidarität im Bereich der globalen Gesundheit? Was sind die Grundlagen der Solidarität während einer Pandemie? Warum bleibt der Aufruf zur Solidarität oft ungehört? Wie können wir im Lichte von COVID-19 neue Perspektiven für einen neuen Begriff von globaler Solidarität im Kontext globaler Gesundheitskrisen entwickeln? Um diese Fragen zu beantworten, befasst sich Wang mit den vielfältigen Dimensionen der Solidarität im Zeitalter von COVID-19, und untersucht hierbei insbesondere die globale Reichweite, die Bedeutung für die globale Gesundheit, die zugrundeliegenden Quellen, die Herausforderungen und das transformative Potenzial, das die Pandemie für das Konzept der globalen Solidarität haben könnte.