Justitia Center for Advanced Studies

Bekanntgabe unserer neuen Fellows

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Drei Forscher*innen kommen zu uns

Das »Justitia Center for Advanced Studies« freut sich, seine neuen Postdoktorand*innen für das akademische Jahr 2021/22 bekannt geben zu können. Ausgezeichnete internationale Wissenschaftler*innen kommen von Oktober 2021 bis Juli 2022 zu uns, und wir heißen sie herzlich willkommen. Justitia ist ein Forum für politische Theoretiker*innen und Philosoph*innen. Es wird von der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung, der wir dafür sehr danken, finanziert und von Prof. Dr. Rainer Forst an der Goethe-Universität Frankfurt geleitet. Die Stipendiat*innen, die im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg residieren werden, schließen sich der akademischen Gemeinschaft in Frankfurt und vor allem auch dem Netzwerk des Forschungsverbunds »Normative Ordnungen« an, um hier ihre vielversprechenden Projekte durchzuführen. Das Zentrum organisiert darüber hinaus regelmäßig Workshops, Konferenzen und Seminare.


Jessica Fischer promoviert gegenwärtig am Philosophy Department des University College London. Betreut wird ihre Arbeit von Véronique Munoz-Dardé. Außerdem lehrt Fischer seit 2017 am UCL und war im Frühjahr 2020 als Visiting Student Researcher zu Gast an der Princeton University. Ihre Forschungsschwerpunkte sind normative Ethik und politische Philosophie. Sie beschreibt ihr Projekt »The Weight of Numbers in Social Policymaking« wie folgt: »Die meisten Menschen sind der Ansicht, dass wir bei gleichen Kosten mehr und nicht weniger Gutes bewirken sollten. Tatsächlich ist die Behauptung, dass wir eine Pro-tanto-Pflicht haben, das Gute zu maximieren, eine Grundlage einiger populärer Ansätze des individuellen Handelns als auch zur staatlichen Verteilung von Ressourcen, der Gesundheitsversorgung sowie der Reaktion auf Katastrophen. In meiner Forschung argumentiere ich, dass der gängige Glaube, dass Individuen eine Pro-tanto-Pflicht haben, das Gute zu maximieren, fehlgeleitet ist, und konstatiere, dass moralische Theorien, denen zufolge wir eine solche Pflicht haben, Intuitionen des Common Sense und unsere moralischen Verpflichtungen nicht recht entsprechen.« Kürzlich ist einer ihrer Forschungsartikel in Philosophy (2021) erschienen.

William Levine hat 2019 an der University of Chicago mit einer Arbeit über »The Movement is Everything: Radical Kantianism and the Ideal of Emancipation in Modern German Political Thought« promoviert. Von 2019 bis 2021 war er Early Career Fellow am Lichtenberg-Kolleg der Universität Göttingen. Sein Projekt »Radical Kantianism and the Ideal of Emancipation« zielt darauf ab, eine Tradition des kantischen politischen Denkens des 19. und 20. Jahrhunderts ans Licht zu bringen, die für robuste Ideale der sozialen und ökonomischen Emanzipation argumentierte, die durch kollektive Anstrengungen von popular agency sowie sozialer Reformen erreicht werden sollten. Levine zeichnet die Geschichte des radikalen Kantianismus von seinen Grundlagen in Kants politischem Denken bis zu dessen Rezeption und Neuerfindung in aufeinanderfolgenden Krisen in Deutschland nach: vom frühen 19. Jahrhundert bis zu seiner sozialistischen Wiederbelebung nach 1848, zu seiner Schlüsselrolle in Debatten innerhalb der frühen SPD und schließlich in den Ersten Weltkrieg und die frühe Weimarer Republik. Levine zufolge kann eine solche Auseinandersetzung mit der Geschichte des kantischen Sozialismus wichtige Debatten in der Ethik, der Theorie der Ideale und der sozialen Transformation vertiefen und bereichern. Jüngst ist ein Forschungsartikel von ihm in Political Theory (2021) erschienen.

Nica Siegel schließt im Sommersemester 2021 ihre Promotion im Fach Politische Theorie an der Yale University ab. Zuvor hat sie ein Bachelorstudium in Jura und Sozialtheorie am Amherst College mit Auszeichnung abgeschlossen. Daraufhin war sie Praktikantin und Research Fellow im Bereich Landreform, Gewohnheitsrecht und sozioökonomische Rechte am Legal Resources Centre in Kapstadt, Südafrikas größter Public Interest Law Clinic, die Verfassungs- und Menschenrechtsfälle prozessiert. Ihr Projekt »A Political Theory of Exhaustion« rekonstruiert die zentrale Bedeutung des Konzepts, des Schreckgespensts und der Erfahrung von Erschöpfung (exhaustion) in Debatten über soziale Transformation im 20. Jahrhundert. Indem sich Siegel u.a. mit dem Werk von Herbert Marcuse, Hannah Arendt und Frantz Fanon befasst, bestimmt sie die Erschöpfung als ein zentrales Merkmal der Phänomenologie des Handelns und seiner Frustrationen. Von dieser Prämisse aus denkt sie die Rolle der Kritik bei der Vermittlung und dem Verständnis politischer Enttäuschung neu. Laut Siegel ist die Geschichte rund um den Begriff der Erschöpfung als Herausforderung für die Kritische Theorie höchstrelevant. Ihr Projekt baut auf Forschungsinteressen in der kontinentalen Philosophie, der Psychoanalyse und der Rechtstheorie auf, mit einem Fokus auf die südafrikanische Rechtsprechung. Ihre Arbeiten wurden in PhiloSOPHIA (i. E.), Theoria (2015) und South African Journal on Human Rights (2015) publiziert.