Die Zukunft der Demokratie
Claus-Wisser-Fellowships am Forschungszentrum Normative Ordnungen
Dauer und Beginn: 10 Monate, Beginn am 1. Oktober 2026.
Der Claus Wisser Fellowship Fund am Forschungszentrum Normative Ordnungen, eingerichtet vom verstorbenen Claus Wisser und der Pro Universitate Foundation (in Kooperation mit den Friends of the University), unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, beabsichtigt, für das akademische Jahr 2026/2027 bis zu zwei Postdoktorand:innen (Fellows) zu berufen. Das übergreifende Thema lautet: Die Zukunft der Demokratie. Die Fellows werden Teil der Frankfurter akademischen Gemeinschaft sein, insbesondere des Forschungsnetzwerks Normative Ordnungen.
Bewerber:innen sollten über eine abgeschlossene Promotion in den Geistes- oder Sozialwissenschaften verfügen und ein nachgewiesenes Potenzial besitzen, exzellente Forschung auf internationalem Niveau durchzuführen und zu publizieren.
Bedingungen der Förderung
Wir bieten ein Stipendium in Höhe von 2.400 € pro Monat. Das Stipendium ist gemäß § 3 Nr. 44 EStG (Einkommensteuergesetz) steuerfrei.
Zu den zusätzlichen Leistungen gehören die Kosten für eine Hin- und Rückreise (bis maximal 800 €) vom Heimatort der Fellows nach Frankfurt sowie eine Mobilitätspauschale („mission allowance“) in Höhe von 1.500 € pro Jahr. Kosten für Krankenversicherung und Unterkunft sind nicht im Paket enthalten; es wird jedoch Unterstützung beim Abschluss einer geeigneten deutschen Krankenversicherung angeboten.
Den Fellows wird ein Büroarbeitsplatz am Forschungszentrum Normative Ordnungen zur Verfügung gestellt. Es wird erwartet, dass sie sich aktiv an den Aktivitäten und Workshops des Zentrums beteiligen und ihre laufende Forschung den Mitgliedern des Zentrums vorstellen. Die Fellows sollen für die gesamte Dauer ihres Aufenthalts im Raum Frankfurt wohnen.
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung in englischer Sprache in einem einzigen PDF-Dokument (ein zweiseitiges Projektvorhaben, Lebenslauf sowie höchstens zwei Empfehlungsschreiben) an Prof. Dr. Rainer Forst. Bitte verwenden Sie die Adresse: sekretariat.forst@soz.uni-frankfurt.de
Die Empfehlungsschreiben können auch direkt von den Gutachter:innen eingereicht werden.
Bewerbungsschluss ist der 15. März 2026.
Die Claus Wisser Fellowships an
den Normativen Ordnungen, gefördert durch eine großzügige Spende des
verstorbenen Claus Wisser und in Kooperation mit der Pro Universitate Stiftung
durchgeführt, bringen jährlich zwei herausragende Postdoktorand*innen nach
Frankfurt, um über zentrale Fragen der Transformation normativer Ordnungen zu
forschen. Jedes Jahr wird ein eigenes Thema gewählt; im kommenden wird es „Die
Zukunft der Demokratie“ sein. Verantwortlich für das Programm sind Prof. R.
Forst und Prof. N. Deitelhoff.
Die Fellows des Jahres 2025/26 sind Francesca Cesarano und Sonja Riegler.
Francesca Cesarano arbeitet
an der Schnittstelle von angewandter Ethik, feministischer Philosophie und
politischer Philosophie. Ihre Forschung konzentriert sich auf Fragen der
moralischen und politischen Verantwortung im Kontext struktureller
Ungerechtigkeit, mit besonderem Schwerpunkt auf geschlechtsspezifischer
Unterdrückung. In ihrem aktuellen Projekt untersucht sie die praktischen
Auswirkungen der Schuldzuweisung an Einzelpersonen für ihren Beitrag zu
struktureller Ungerechtigkeit und analysiert dabei die expressiven und
epistemischen Funktionen von Schuldzuweisung sowie die asymmetrischen sozialen
Positionen derjenigen, die am „blame game“ beteiligt sind. Ihr Ziel ist es,
eine Taxonomie zu entwickeln, die die Bedingungen identifiziert, unter denen
Schuldzuweisungen als konstruktive moralische Reaktion auf strukturelle
Ungerechtigkeit dienen können und wann sie besser vermieden werden sollten.
Sonja Riegler forscht in den Bereichen Sozialphilosophie, feministische und politische Erkenntnistheorie, feministische Wissenschaftsphilosophie sowie Critical Race Studies. Vor Kurzem hat sie ihr Doktorat in Philosophie an der Universität Wien abgeschlossen. Ihre Dissertation mit dem Titel A Functionalist Approach to Ignorance, betreut von Martin Kusch und Linda Alcoff, entwickelt eine neue Theorie sozial relevanter Formen von Ignoranz. Eine zentrale Fallstudie widmete sich hierbei der weitgehend übersehenen Geschichte der „Gastarbeitermigration“ nach Österreich. Während ihrer Promotion forschte und publizierte sie zu Themen wie epistemischer Unterdrückung, Epistemologien der Ignoranz, Standpunkttheorien, sowie zum Verhältnis von Wissenschaft und Demokratie. Forschungsaufenthalte führten sie u. a. nach New York (CUNY & NYU) und Paris (Paris 1, Sorbonne-Panthéon). Zudem ist Sonja Gründungsmitglied des Critical Political Epistemology Network und engagiert sich in mehreren Initiativen zur Förderung unterrepräsentierter Gruppen in der akademischen Philosophie. In ihrem aktuellen Projekt entwirft sie eine kritische Epistemologie von Expertise. Im Fokus steht die Frage, wie soziale Machtverhältnisse beeinflussen, wessen Expertise in Forschung und Politik Anerkennung bzw. Ausschlüsse erfährt. Wissens-Zuschreibungen werden oftmals von sozialen Hierarchien geprägt, wodurch nicht-akademische Wissenspraktiken ausgeschlossen werden. Darüber hinaus wird untersucht, welche spezifische Form der Wissensungerechtigkeit vorliegt, wenn bestimmte Gruppen der Status als Expert*in vorenthalten wird. Ziel des Projektes ist es, das Verhältnis von Wissenschaft, Gesellschaft und politischer Entscheidungsfindung inklusiver zu gestalten.