Fellows 2025/26

Francesca Cesarano arbeitet an der Schnittstelle von angewandter Ethik, feministischer Philosophie und politischer Philosophie. Ihre Forschung konzentriert sich auf Fragen der moralischen und politischen Verantwortung im Kontext struktureller Ungerechtigkeit, mit besonderem Schwerpunkt auf geschlechtsspezifischer Unterdrückung. In ihrem aktuellen Projekt untersucht sie die praktischen Auswirkungen der Schuldzuweisung an Einzelpersonen für ihren Beitrag zu struktureller Ungerechtigkeit und analysiert dabei die expressiven und epistemischen Funktionen von Schuldzuweisung sowie die asymmetrischen sozialen Positionen derjenigen, die am „blame game“ beteiligt sind. Ihr Ziel ist es, eine Taxonomie zu entwickeln, die die Bedingungen identifiziert, unter denen Schuldzuweisungen als konstruktive moralische Reaktion auf strukturelle Ungerechtigkeit dienen können und wann sie besser vermieden werden sollten.

Sonja Riegler forscht in den Bereichen Sozialphilosophie, feministische und politische Erkenntnistheorie, feministische Wissenschaftsphilosophie sowie Critical Race Studies. Vor Kurzem hat sie ihr Doktorat in Philosophie an der Universität Wien abgeschlossen. Ihre Dissertation mit dem Titel A Functionalist Approach to Ignorance, betreut von Martin Kusch und Linda Alcoff, entwickelt eine neue Theorie sozial relevanter Formen von Ignoranz. Eine zentrale Fallstudie widmete sich hierbei der weitgehend übersehenen Geschichte der „Gastarbeitermigration“ nach Österreich. Während ihrer Promotion forschte und publizierte sie zu Themen wie epistemischer Unterdrückung, Epistemologien der Ignoranz, Standpunkttheorien, sowie zum Verhältnis von Wissenschaft und Demokratie. Forschungsaufenthalte führten sie u. a. nach New York (CUNY & NYU) und Paris (Paris 1, Sorbonne-Panthéon). Zudem ist Sonja Gründungsmitglied des Critical Political Epistemology Network und engagiert sich in mehreren Initiativen zur Förderung unterrepräsentierter Gruppen in der akademischen Philosophie. In ihrem aktuellen Projekt entwirft sie eine kritische Epistemologie von Expertise. Im Fokus steht die Frage, wie soziale Machtverhältnisse beeinflussen, wessen Expertise in Forschung und Politik Anerkennung bzw. Ausschlüsse erfährt. Wissens-Zuschreibungen werden oftmals von sozialen Hierarchien geprägt, wodurch nicht-akademische Wissenspraktiken ausgeschlossen werden. Darüber hinaus wird untersucht, welche spezifische Form der Wissensungerechtigkeit vorliegt, wenn bestimmte Gruppen der Status als Expert*in vorenthalten wird. Ziel des Projektes ist es, das Verhältnis von Wissenschaft, Gesellschaft und politischer Entscheidungsfindung inklusiver zu gestalten.