Prof. Dr. Daniela Grunow - Forschung

Tiefgreifende Veränderungen in der Sozialstruktur beeinflussen soziale und politische Orientierungen. Sozialwissenschaftler stellen zunehmende politische Entfremdung und Polarisierung sowie neue Spaltungslinien fest, die etablierte Modi der Ressourcenverteilung und Repräsentation infrage stellen. Diese Trends mit den Verschiebungen in der Sozialstruktur in Einklang zu bringen, stellt ein Rätsel dar: Wie lässt sich die Vorstellung einer durchlässigeren Sozialstruktur mit dem Aufkommen großer sozialer und politischer Konflikte vereinbaren?

Der Zusammenhang zwischen sozialstrukturellem Wandel und politischen Orientierungen ist komplexer als bisher angenommen. Wir verfolgen eine multidimensionale Mehrebenen-Perspektive und setzen uns kritisch mit vorhandenen Ansätzen auseinander.

Die RISS-Forschungsgruppe vereint Forschende aus Soziologie, Politikwissenschaft und Informatik, um die Komplexität des sozialstrukturellen Wandels und seiner politischen Implikationen zu erfassen. Unser Ansatz erweitert Theorien zum Zusammenhang zwischen sozialstrukturellem Wandel und seinen Konsequenzen für individuelle und kollektive Orientierungen und verbessert das Verständnis unserer herausfordernden Zeit.

Sprecherin: Prof. Dr. Daniela Grunow
Co-Sprecher: Yassine Khoudja, PhD.

Laufzeit: 2026-2029
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Dieses Projekt spielt eine zentrale Rolle im RISS II-Konsortium.  Entsprechend den Zielen von RISS II verknüpft es die einzelnen Teilprojekte, indem es (a) den in der ersten Förderphase entwickelten konzeptuellen Rahmen und die Methoden weiterentwickelt, (b) die gemeinsame Erhebung der RISS II-Dateninfrastruktur koordiniert und (c) vergleichende Makro-Analysen zu den ersten beiden Forschungsfragen von RISS II liefert. Damit ermöglicht es eine gemeinsame international vergleichende Untersuchung sozialstruktureller Rekonfiguration sowie der damit verbundenen Prozesse der Internalisierung und Politisierung. Das Projekt verfolgt drei Hauptziele. Erstens arbeitet es den konzeptuellen Rahmen für die Analyse der Auswirkungen länderspezifischer Unterschiede in Wohlfahrtsstaaten auf sozialstrukturelle Rekonfiguration und politische Konflikte weiter aus. Zweitens koordiniert das Projekt die Weiterentwicklung der RISS-Dateninfrastruktur, zu der das RISS Reconfiguration-Int Data Set, das RISS Politicization Data Set und der RISS Politicized Identity Survey gehören. Drittens nutzt das Projekt die RISS II-Dateninfrastruktur, um zentrale Forschungsfragen des Konsortiums inhaltlich zu bearbeiten. Während andere RISS II-Projekte spezifische Länder, Zeiträume und Themen untersuchen, liefert dieses Projekt eine übergreifende Längsschnittperspektive auf drei der zentralen Thesen von RISS II.

Leitung: Prof. Dr. Daniela Grunow, Yassine Khoudja, PhD., Prof. Dr. Steffen Eger (Technische Universität Nürnberg)

Laufzeit: 2026-2029

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Dieses Projekt ist Teil der DFG Forschungsgruppe RISS II / FOR 5173

Das Projekt analysiert Gender- und Elternschaftsnormen, die sich auf den Anteil und die Intensität der Zeit beziehen, die Mütter und Väter für ihre Kinder aufwenden. Solche Normen sind in den heutigen Gesellschaften stark umstritten, sowohl zwischen als auch innerhalb von sozialen Gruppen, z. B. unter Frauen oder unter den Hochgebildeten. Im Einklang mit dem allgemeinen RISS-II-Rahmen werden wir uns auf die Politisierung von Gender- und Familienthemen konzentrieren. Unsere zwei Hauptforschungsfragen lauten: 

- Frage 1: Inwieweit werden die Gender- und Elternschaftsnormen von Individuen durch den sozialstrukturellen und politischen Kontext ihres Landes geprägt und wie verändern solche Kontextmerkmale den Zusammenhang zwischen der sozialstrukturellen Gruppenzugehörigkeit von Individuen und ihren Gender- und Elternschaftsnormen? 

- Frage 2: Unter welchen politischen und sozialstrukturellen Bedingungen und für welche (Sub-)Gruppen

werden Gender- und Elternschaftsnormen politisiert und stehen im Zusammenhang mit den politischen Einstellungen und dem (Wahl-)Verhalten von Individuen?

Um unsere Forschungsfragen zu analysieren, betrachten wir nationale Unterschiede in den Gender- und Elternschaftsnormen sowohl als abhängige als auch als unabhängige Variablen.


Leitung: Prof. Dr. Birgit Becker, Prof. Dr. Daniela Grunow

Laufzeit: 2026-2029

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Dieses Projekt ist Teil der DFG Forschungsgruppe RISS / FOR 5173

Analyse von Vorurteilen (biases) ist in letzter Zeit ein Schlüsselthema in der Natürlichen Sprachverarbeitung (NLP) geworden. Ein Grund dafür ist, dass immer reifere Technologien soziale biases aus den zugrundeliegenden Methoden und Daten verstärken und sich so negativ auf die Gesellschaft auswirken können.
In diesem Projekt beschäftigen wir uns mit sozialen biases gegenüber Migranten und Frauen. Insbesondere werden wir untersuchen, wie soziale Vorurteile bzgl. Geschlecht und Migrations-Status über die Zeit und in verschiedenen Sprachen/Kulturen variieren.
Unsere Studie wird das Vakuum in der NLP-Literatur bzgl. text-basierter Analyse von historischen und kultur-übergreifenden Vorurteilen schließen. Dies kann die gegenwärtigen Ergebnisse zu Vorurteilen (für modernes Englisch) relativieren und kontextualisieren. Wir hoffen, dass wir neue fruchtbare Forschungsrichtungen einleiten können, die das Verständnis vergrößern helfen, wie sich soziale biases über die Zeit und über Sprachen hinweg entwickelt haben und wie sie sich wahrscheinlich in der Zukunft entwickeln werden. Dieses bessere Verständnis wird wiederum zu größerer Fairness von Ansätzen des maschinellen Lernens beitragen, die auf Text-Daten basieren.

Projektleitung: Prof. Dr. Daniela Grunow; Dr. rer. pol. Steffen Eger, TU Nürnberg; Prof. Dr. Simone Paolo Ponzetto, Universität Mannhein

Laufzeit: Januar 2026 - September 2028

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Die Diskussion um Geschlechterthemen ist heute stärker politisiert als je zuvor. Sie bewegt sich zwischen progressiven Forderungen nach Gleichstellung und Diversität und konservativen Positionen, die diese Entwicklungen als Bedrohung der sozialen Ordnung verstehen.

Das Arbeitspaket untersucht, ob Genderdiskurse tatsächlich zu einer Spaltung der Gesellschaft führen. Es analysiert, welche Dynamik sie in verschiedenen Bereichen entwickeln und wie sie das Wahlverhalten beeinflussen. Weitere Informationen.

Leitung:  Prof. Dr. Daniela GrunowProf. Sigrid Roßteutscher, PhD, Dr. Gregor Wiedemann
Laufzeit: 2024 – 2029
Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Erwerbsarbeit sichert den Lebensunterhalt und schafft soziale Kontakte. Sie bildet damit den Kern der Sozialintegration in modernen Gesellschaft. Frauen nehmen im Vergleich zu Männern weniger am Erwerbsleben teil. Trotzdem fühlen sie sich stärker sozial integriert. Das Arbeitspaket geht der Frage nach, wie es zu diesem Paradox kommt. Weitere Informationen.

Leitung:  Prof. Dr. Daniela Grunow, Prof. Dr. Wiebke Schulz
Laufzeit: 2024 – 2028
Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Ziel der Forscher*innen im FGZ-Teilinstitut Frankfurt ist es, neue Formen gesellschaftlicher Vielfalt und ihre Auswirkungen auf die Austragung gesellschaftlicher Konflikte zu analysieren und die Bedingungen produktiven Streitens als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erkennen und praktisch nutzbar zu machen. Informationen zu diesem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsverbund finden Sie hier

Leitung: Prof. Dr. Nicole Deitelhoff & Prof. Dr. Christopher Daase (Sprecher*innenteam) , Prof. Dr. Rainer Forst (Co-Sprecher), Prof. Dr. Daniela Grunow (Co-Sprecherin) FGZ-Teilinstitut Frankfurt
Laufzeit: 2024 – 2029
Finanzierung: 
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Es besteht weitgehend Konsens, dass Geschlechter-Ideologie (auch als Geschlechts(rollen) Einstellungen, Geschlechternormen und -werte bezeichnet) eng mit Prozessen der Familiengründung und der familialen Arbeitsteilung verbunden ist. Eine Vielzahl von Forschungsergebnissen verweist auf solche Verbindungen, zum Beispiel in Bezug auf die Arbeitsteilung von Paaren, und in geringerem Maße in Bezug auf Familiengründung und Trennung/Scheidung. Dennoch bestehen zwei große Forschungslücken. Die erste besteht in der theoretisch-konzeptuellen Unterentwicklung der Paarperspektive, die zweite betrifft die Endogenität. Das Projekt zielt darauf ab, beide Probleme anzugehen.      
Erstens, obwohl die Forschung davon ausgeht, dass die Geschlechterideologie Prozesse auf der Paarebene beeinflusst, wird in der Regel nur die Geschlechterideologie eines Partners gemessen. Wir betonen in diesem Projekt, dass die Ideologien beider Partner interaktiv in Form von ideologischen Passungen einbezogen werden müssen, um die Auswirkungen von Geschlechterideologien auf Paare sinnvoll abzubilden. Konkret stellen wir die Hypothese auf, dass es für die Arbeitsteilung sowie für Familienereignisse von Bedeutung ist, ob beide Partner in Bezug auf ihre geschlechtsspezifischen Ideologien übereinstimmen oder nicht. Solche ideologischen Passungen werden auch die Wirkungen anderer Faktoren, beispielsweise der sozioökonomischen Ressourcen der Partner, auf die untersuchten Prozesse beeinflussen. Zweitens sind Längsschnittstudien, speziell Fixed-Effects Designs und Designs, die Feedbackschleifen modellieren, um wechselseitige Effekte zwischen Ideologien und z.B. geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung zu berücksichtigen, selten. Ob Ideologien über kausale Verknüpfungen, über Selektionsprozesse oder reverse Kausalität mit der Arbeitsteilung in Verbindung stehen, ist bisher unklar. Wir werden uns in vier Forschungspaketen (FPs) mit diesen Fragen befassen und sowohl konzeptionelle als auch empirische Fortschritte erzielen.


Projektleitung: Prof. Dr. Daniela Grunow & Dr. Natalie Nitsche   
Laufzeit: 1.11.2022-30.04.2027 
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Soziostruktureller Wandel bleibt nicht folgenlos für die sozialen und politischen Orientierungen der Menschen. Zunehmende politische Entfremdung und Polarisierung sowie neue soziale Konfliktlinien stellen bestehende Systeme der Ressourcenallokation und Repräsentation in Frage. Setzt man diese Entwicklungen in Bezug zu soziostrukturellen Veränderungen ergibt sich ein Widerspruch. Wie lassen sich eine ‚individualisierte' Sozialstruktur oder das Ende der ‚politisierten' Sozialstruktur mit der menschlichen Neigung zur Gruppenbildung und den gegenwärtigen soziopolitischen Konflikten vereinbaren?

Der Zusammenhang zwischen soziostrukturellem Wandel und soziopolitischen Orientierungen erscheint komplexer, als von der Forschung bisher gewürdigt wird. Tatsächlich generieren etablierte Ansätze wie die Statusinkonsistenztheorie und das Konzept der Cross-cutting Cleavages gegensätzliche Vorhersagen zur Internalisierung der Sozialstruktur und damit zu Fragen des sozialen Zusammenhalts und der politischen Stabilität. RISS setzt sich zum Ziel, diesen Widerspruch aufzulösen.

Die geplante Forschungsgruppe RISS vereint Sozialstrukturanalyse und Politische Soziologie und schlägt eine neue analytische Perspektive vor. Obwohl sich die Sozialstruktur dramatisch verändert hat, hat sie nichts von ihrer prägenden Kraft eingebüßt. Statt einer Auflösung der Sozialstruktur erleben wir ihre grundlegende Rekonfiguration sowie eine Internalisierung von neuen Sozialpositionen und Gruppenzugehörigkeiten. Um die Transformationen unserer Zeit zu begreifen, müssen wir einen Blick auf diese neuartigen Sozialstrukturen werfen und verstehen, wie sie Sichtweisen, Überzeugungen und Präferenzen prägen.

Der Schlüssel liegt in einem dezidiert multidimensionalen Verständnis von Sozialstruktur, in der eine Vielzahl von sozialen Positionen auf komplexe Art und Weise miteinander verknüpft sind. Die Forschung konzentriert sich bislang auf einzelne strukturelle Dimensionen wie Bildungserfolg, sozioökonomischer Status, Geschlechterverhältnis oder Migration und ethnische Vielfalt. Was fehlt, ist ein fundiertes Verständnis davon, wie sich Wandel in diesen Einzeldimensionen verschränkt und umfassende Rekonfigurationen der Sozialstruktur bedingt. Wir müssen auch begreifen, wie Menschen diese internalisieren und mit Neukombinationen von ehemals unverbunden Sozialmerkmalen umgehen. Schließlich gilt es zu verstehen, wie sich diese Veränderungen in individuellen und kollektiven Verhaltensweisen und deren Folgen niederschlagen.

Unser Ziel ist eine ausdrücklich multidimensionale Konzeption von soziostrukturellem Wandel sowie die Entwicklung einer innovativen empirischen Forschungsstrategie, welche diese Komplexität adäquat abbildet. Ein solcher Ansatz verspricht sowohl eine gehaltvollere Theoriebildung über die soziostrukturelle Prägung individueller und kollektiver Orientierungen, als auch ein besseres Verständnis unserer turbulenten Zeit. Zur Pressemitteilung. Zur Webseite.

Sprecherin: Prof. Dr. Daniela Grunow
Co-Sprecher: Yassine Khoudja, PhD (seit 05-2024) und Prof. Dr. Richard Traunmüller, Universität Mannheim (bis 04-2024) 
Laufzeit: 1.10.2021- 31.03.2026
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Dieses Projekt nimmt eine besondere Rolle innerhalb der RISS Forschungsgruppe ein. Basierend auf den im RISS Rahmenantrag formulierten Zielen, wird es einen konzeptuellen Rahmen ausarbeiten, der die verschiedenen RISS Einzelprojekte miteinander verknüpft. Gleichzeitig werden die zentralen theoretischen Konzepte und Mechanismen zur Analyse der Rekonfiguration der Sozialstruktur und deren Internalisierung in einem innovativen empirischen Ansatz verankert. Vor diesem Hintergrund lassen sich drei zentrale Projektziele formulieren. Das erste Ziel ist die Weiterentwicklung einer multidimensionalen Perspektive auf die Rekonfiguration und Internalisierung der Sozialstruktur. Dazu werden in einer theoretisch-konzeptuellen Analyse die Konzepte der Statusinkonsistenz und der sich kreuzenden sozialen Gräben („cross-cleavages“) mit Hilfe des Konzepts der sozialen Identität in einem multidimensionalen Makro-Meso-Mikro Rahmen der Sozialstruktur integriert. Die theoretischen Implikationen dieses konzeptuellen Rahmens werden hinsichtlich der sozialen Identifikation von Individuen mit der Gesamtgesellschaft und mit gesellschaftlichen Teilgruppen anhand einer Simulationsstudie untersucht. Das zweite Ziel ist die Koordination und Organisation der Erhebungen des RISS Rekonfiguration Datensatzes und des RISS Internalisierung Surveys. Diese Datensätze sind mit der Absicht entworfen worden, die Rekonfiguration und die Internalisierung der Sozialstruktur aus einer multidimensionalen Perspektive zu untersuchen. Der RISS Rekonfiguration Datensatz wird Informationen zur multidimensionalen Rekonfiguration der Sozialstruktur Deutschlands von 1980-2020 auf der Makro Ebene aus Sekundärdaten extrahieren und zusammenzuführen. Der RISS Internalisierung Survey wird Daten erheben, die Untersuchungen dazu erlauben wie Individuen die rekonfigurierte Sozialstruktur internalisieren. Dafür wird eine Querschnittserhebung unter einer statistisch repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung sowie ausgewählten theoretisch interessanten Zielgruppen durchgeführt. Neben gängigen Informationen zur sozio-ökonomischen Position, liegt der Schwerpunkt der Befragung auf innovativen Instrumenten zur Messung der sozialen Identität. Das dritte Ziel ist die empirische Überprüfung zentraler inhaltlicher Annahmen des RISS Rahmenantrags anhand der erhobenen Datensätze. Während die anderen RISS Einzelprojekte dem konzeptuellen Rahmen Tiefe und (potentiell) Validität verschaffen indem ausgewählte Themen oder gesellschaftliche Sphären untersucht werden, widmet sich dieses Projekt den RISS Thesen 1, 2 und 3 aus einer ganzheitlichen Perspektive. Anhand des Rekonfiguration Datensatzes wird die in These 1 beschriebene multidimensionale Transformation der Deutschen Sozialstruktur analysiert. Die in Thesen 2 und 3 beschriebenen Internalisierungsmechanismen werden anhand eines im RISS Internalisierung Survey implementierten Conjoint-Experiments untersucht.

Leitung: Prof. Dr. Daniela Grunow; Yassine Khoudja, PhD., Prof. Dr. Richard Traunmüller (Universität Mannheim)
Laufzeit: 1.10.2021- 30.11.2025
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Dieses Projekt ist Teil der DFG Forschungsgruppe RISS / FOR 5173.

Das Projekt analysiert Gender- und Elternschaftsnormen, die sich auf den Anteil und die Intensität der Zeit beziehen, die Mütter und Väter für ihre Kinder aufwenden. Solche Normen sind in den heutigen Gesellschaften stark umstritten, sowohl zwischen als auch innerhalb von sozialen Gruppen, z. B. unter Frauen oder unter den Hochgebildeten. Im Einklang mit dem allgemeinen RISS-II-Rahmen werden wir uns auf die Politisierung von Gender- und Familienthemen konzentrieren. Unsere zwei Hauptforschungsfragen lauten: 

- Frage 1: Inwieweit werden die Gender- und Elternschaftsnormen von Individuen durch den sozialstrukturellen und politischen Kontext ihres Landes geprägt und wie verändern solche Kontextmerkmale den Zusammenhang zwischen der sozialstrukturellen Gruppenzugehörigkeit von Individuen und ihren Gender- und Elternschaftsnormen? 

- Frage 2: Unter welchen politischen und sozialstrukturellen Bedingungen und für welche (Sub-)Gruppen

werden Gender- und Elternschaftsnormen politisiert und stehen im Zusammenhang mit den politischen Einstellungen und dem (Wahl-)Verhalten von Individuen?

Um unsere Forschungsfragen zu analysieren, betrachten wir nationale Unterschiede in den Gender- und Elternschaftsnormen sowohl als abhängige als auch als unabhängige Variablen.


Leitung: Prof. Dr. Birgit Becker, Prof. Dr. Daniela Grunow

Laufzeit: 2026-2029

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Dieses Projekt ist Teil der DFG Forschungsgruppe RISS / FOR 5173

Geschlecht ist ein bedeutsamer Faktor bei der Herstellung gesellschaftlichen Zusammenhalts, der in den letzten Jahrzehnten besonders stark von sozialem Wandel betroffen ist. Als Folge konkurrieren etwa in Europa nicht nur verschiedene familien- und arbeitsmarktpolitische work-care-Modelle, es koexistieren damit verbunden auch egalitäre und essentialistische Geschlechterideologien und Familienideale, deren sozial-strukturelle Fundierung und Folgen bislang unerforscht sind. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt erstens, ob die konkurrierenden Geschlechter- und Familienideale mit anderen Werten wie kultureller Offenheit beziehungsweise Schließung, Solidarität und Wahlverhalten zusammenhängen. Zweitens fragen wir, ob die politische Mobilisierung von Genderfragen durch politische Parteien zur Etablierung einer neuen politischen Polarisierung führt und wie sich diese zu anderen kulturellen und sozioökonomischen Spaltungslinien verhält. Drittens wird untersucht, welche sozio-strukturellen und -kulturellen Determinanten und Folgen unterschiedliche Formen der familialen Arbeitsteilung für die Reproduktion sozialer Ungleichheiten haben.

Leitung: Prof. Dr. Daniela Grunow, Prof. Sigrid Roßteutscher, PhD
Laufzeit: 1.3.2021 – 31.1.2024
Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) nimmt im Juni die Arbeit auf. Ziel der Forscher*innen im FGZ-Teilinstitut Frankfurt ist es, neue Formen gesellschaftlicher Vielfalt und ihre Auswirkungen auf die Austragung gesellschaftlicher Konflikte zu analysieren und die Bedingungen produktiven Streitens als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erkennen und praktisch nutzbar zu machen. Informationen zu diesem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsverbund finden Sie hier.

Leitung: Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Sprecherin), Prof. Dr. Rainer Forst (Co-Sprecher), Prof. Dr. Daniela Grunow (Co-Sprecherin) FGZ-Teilinstitut Frankfurt
Laufzeit: 01.06.2020 – 31.05.2024
Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Nachdem Europa seit Ende des zweiten Weltkriegs stetig weiter zusammengewachsen ist, sind im letzten Jahrzehnt größere Herausforderungen einer weitergehenden EU-Integration deutlich sichtbar geworden. Vor diesem Hintergrund erforscht das Projekt potentielle Polarisierungs- und Fragmentierungstendenzen der öffentlichen Meinung in Europa. Dabei stehen Einstellungen zu vier politischen Schlüsselthemen im Zentrum der Untersuchung: ökonomische Umverteilung, Geschlechterverhältnisse, Einwanderung/kulturelle Diversität und Europäische Integration.

Polarisierungs- und Fragmentierungstendenzen werden entlang dieser Themen aus drei analytischen Perspektiven untersucht. Erstens werden Länderunterschiede in den politischen Themenverschränkungen, d.h. den Zusammenhängen zwischen den Einstellungen zu den politischen Schlüsselthemen, analysiert. Zweitens werden Einstellungsverteilungen zu den politischen Schlüsselthemen und deren Entwicklung im Zeitverlauf zwischen und innerhalb europäischer Länder verglichen. Drittens werden Einstellungsstrukturen zwischen Individuen verglichen, um sogenannte politische Glaubenssysteme zu identifizieren. Empirische Grundlagen bilden statistisch repräsentative ländervergleichende Surveys mit Längsschnitt-Design (repeated cross-section), wie z.B. der European Social Survey.

Leitung: Yassine Khoudja, PhD, Prof. Dr. Daniela Grunow
Laufzeit: 01.01.2021 - 31.12.2023
Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderkennzeichen 01UG211

Der Einfluss familienfreundlicher Maßnahmen in Betrieben auf das Arbeitsmarktverhalten von Müttern und Vätern – eine empirische Analyse mit verknüpften Betriebs- und Personendaten.

Kooperationsprojekt mit dem Forschungsdatenzentrum der Bundesagentur für Arbeit im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Im Fokus des Projekts standen betriebliche familienfreundlichen Maßnahmen, welche auf eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zielen. Familienfreundliche Maßnahmen sind nicht nur ein zentrales Thema in der Arbeitsmarkt- und Familienpolitik, sondern mittlerweile fester Bestandteil in der betrieblichen Personalpolitik. Während die familienpolitischen Maßnahmen bereits evaluiert worden waren, besteht eine Forschungslücke für die betrieblichen Maßnahmen.

Das Projekt griff auf verknüpfte Betriebs- und Personendaten (sogenannte Linked-Employer-Employee-Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)) zurück, die eine Analyse der Wechselwirkungen zwischen betrieblich angebotenen Maßnahmen und staatlich gesteuerten Rahmenbedingungen sowie regionalen Kontextfaktoren auf individuelle Arbeitsmarktentscheidungen erlaubten.  

Projektleitung: Dr. Corinna Frodermann, Prof. Dr. Daniela Grunow, Dana Müller

ProjektmitarbeiterinnenAnn-Christin Bächmann, Marina Hagen

Laufzeit: 01.04.2017-31.12.2019

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Internationale und nationale Studien zu Normen und geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung beim Übergang zur Elternschaft.

Ziel des Projektes war die Erforschung aktuell vorherrschender Elternschaftsnormen; speziell deren Entstehung, Verbreitung und praktische Relevanz für geschlechtsspezifisches Handeln in sieben Europäischen Ländern. Im Fokus stand zum Einen, inwiefern Mutterschaft und Vaterschaft durch Expert(innen), Wohlfahrtsstaaten und Massenmedien konstruiert werden und zum Anderen, inwieweit kulturelle und institutionelle Normen beim Übergang zur Elternschaft von Paaren selbst wahrgenommen und umgesetzt werden.

Projektleitung: Prof. Dr. Daniela Grunow

Laufzeit: 01.01.2011-31.12.2016

Finanzierung: Europäischer Forschungsrat

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