Wie wird Dringlichkeit in der Notfallmedizin bearbeitet? Und welche Bewertungen finden dabei statt? Diesen Fragen widmet sich William Frye in seinem Forschungsbericht „Eine Ethnographie in der Notaufnahme: Die notfallmedizinische Sichtung als Praxis der klinischen Bewertung“.
Auf der Grundlage teilnehmender Beobachtungen und Interviews
mit Ärzt*innen analysiert Frye, wie die subjektiv empfundene Not von Patient*innen
in die administrative Ordnung einer Klinik überführt wird.
Im Zentrum stehen Praktiken der Bewertung während des Triage
Prozesses. Bereits bei der Ankunft in der Notaufnahme werden Fälle in verschiedene
Dringlichkeitskategorien eingeteilt. Patient*innen in akut lebensbedrohlichen Situationen
sollen so identifiziert und einer schnellen Versorgung zugeführt werden. Zum
anderen soll die Triage für eine gerechtere Verteilung der zur Verfügung
stehenden Ressourcen sorgen und stellt im Rahmen der Notfallmedizin damit einen
zentralen Ordnungsmechanismus dar, der den nachfolgenden Behandlungsverlauf mitprägt.
In der Praxis zeigt sich, dass der Bewertungsprozess der
Triage maßgeblich von der narrativen Darstellung einer konsistenten Geschichte
der Patient*innen abhängt, welche den medizinischen Expert:innen vorgetragen wird.
Diese muss gewissen Kriterien – u.a. einem konsistenten Sinnzusammenhang der
Beschwerden, die Einhaltung der Reihenfolge gesundheitssystemischer Instanzen
und der zeitlichen Aktualität der Beschwerden – erfüllen, um die Aktualität der
Not erfolgreich vermitteln zu können, welche dann in die systemische
Registratur eines Falls transformiert wird. Gleichzeitig bedeutet die
Nichterfüllung dieser Kriterien nicht per se, dass Patient*innen in spe
abgelehnt werden. Vielmehr kommt es zu einer situativen Abwägung, welche die
aktuelle Ressourcenbelastung, Zustände der Patient*innen und Erfahrungsstände
der triagierenden Person berücksichtigt. Begründen lässt sich dies unter
anderem mit dem risikoaversen Verhalten der Angestellten in Notaufnahmen und
dem hohen personellen und zeitlichen Aufwand, der mit einer Ablehnung
einhergehen kann.
Der Beitrag ist hier verfügbar.
Aurora A. Sauter hat in Zusammenarbeit mit Lukas Nehlsen den Beitrag "Nur richtig erzählen muss man können? Narrativität und Klimakrise" im Sammelband "Vulnerabilität der Natur" publiziert. Der Sammelband wird von Prof. Dr. Martin Schnell herausgegeben.
Die Publikation können Sie hier finden.
In seinem Beitrag „Das Osterfeuer und die Baumfrage. Eine
objektethnographische Fallstudie zum Zusammenhang von kulturellem Wandel und
Klimawandel“ rekonstruiert Karl Homuth, wie der globale Klimawandel qua
Waldsterben und Borkenkäferbefall zur Unverfügbarkeit von Fichten und Störung
eines jahrhundertealten Osterfeuerbrauchs führt. Emblematisch wird hierbei „der Baum als Zeichen
des Klimawandels“ erkennbar.
Entstanden ist der Text im Rahmen des Forschungspraktikums "Objektethnografien" bei Tim Seitz.
Der Beitrag ist hier verfügbar.
Tim Seitz ist am 06. Mai 2025 an der Universität Zürich im Rahmen der ZKK-TALKS im Gespräch mit Sophia Prinz zu Besuch. Die ZKK-TALKS 2025 werden zum Thema "Lösungen auf der Suche nach Problemen" veranstaltet.
Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.